Stark und mutig: Kinder lernen „Nein“ zu sagen

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Lachen befreit: Gerade weil Sermin Kayik und Joeri Burger über ernste Themen sprechen, sorgen sie immer für gute Laune. So können sich die Kinder wohl fühlen und das Gelernte bleibt länger in den Köpfen. ▪

OBERBRÜGGE ▪ Nein sagen. Bescheid sagen. Und vor allem nicht aufgeben. Zurzeit findet an der Grundschule Oberbrügge das Projekt „Mein Körper gehört mir“ statt.

Sermin Kayik und Joeri Burger von der „theaterpädagogischen Werkstatt“ zeigen den Schülern, wie sie sich wehren können. Gegen Gewalt, gegen Misshandlung. „Ein Kind hat niemals Schuld, niemals“, sagen die beiden. Die Theaterpädagogen arbeiten insgesamt drei Wochen mit den Schülern der dritten und vierten Jahrgangsstufe. Immer nur im vertrauten Klassenverband. Eine Einheit pro Woche, immer mit anderen Schwerpunkten.

Sie bauen aufeinander auf: Im ersten Schritt geht’s um Mut, um Vertrauenspersonen und darum zu lernen, „nein“ zu sagen. Im nächsten Schritt geht es um sexuellen Missbrauch. Darum, dass der bereits mit Exhibitionismus anfängt. Und darum, wie sich Kinder wehren können. „Das Schlimme ist, dass ein Opfer bis zu sieben oder acht Erwachsene ansprechen muss, bis ihm jemand glaubt“, sagt Joeri Burger. Und auch darauf sind er und seine Kollegin vorbereitet: Die Kinder dafür zu stärken, dran zu bleiben – bis ihnen jemand glaubt.

Und nicht zuletzt besprechen die Pädagogen auch das Thema Internet, Stichwort Chats. Das habe in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Und wie bringen die beiden das Thema kindgerecht rüber? „Wir spielen, schauspielern“, erklärt Sermin Kayik. Und sie reden, singen – eine lockere Atmosphäre sei wichtig.

Ebenso wichtig ist die Nachbereitung: Im Unterricht besprechen Lehrer und Schüler die Erlebnisse. Und auch die Eltern sind ins Projekt integriert. Vorab fand bereits im März ein Elternabend statt. „Die Pädagogen haben vorgestellt, was sie machen und wie sie es machen“, sagt Schulleiter Bernd Ritschel. Er betont, dass die Veranstaltung zwar enorm wichtig ist, Eltern aber auch so regelmäßig mit ihren Kindern über das Thema „Missbrauch“ sprechen sollten. „Alles, was die Selbstsicherheit eines Kindes stärkt, vermindert die Wahrscheinlichkeit, dass es zum Opfer wird.“ Das Projekt findet übrigens alle zwei Jahre an der Grundschule statt. ▪ Lisa Weber

Nummer gegen Kummer: 08 00 / 1 11 03 33 oder http://www.nummergegenkummer.de oder http://www.tpw-osnabrueck.de.

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