Debatte endet mit Kompromiss

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Christoph Stillger (l.) und Bürgermeister Dr. Bernd Eicker beantworteten die Fragen der Anlieger. Christian Thunig (r.) vom Stadtmarketingverein moderierte.

HALVER - Das Thema beschäftigt die Geschäftsleute der Frankfurter Straße - und so war die Resonanz auf die Einladung des Stadtmarketingvereins (ehemals Initiative „Pro Halver“) enorm: Etwa 30 Bürger wollten sich am Montagabend über die städtischen Pläne zum Kopfsteinpflaster informieren. Dabei ging es mitunter recht lautstark zu.

Dafür, dass es im wahrsten Sinne „dicke Luft“ gab, sorgten nicht nur die teils erhitzten Gemüter in der Runde, sondern auch der Versammlungsraum der Gaststätte „Zur Neustadt“, die angesichts der zahlreichen Gäste an ihre Grenzen stieß. Doch die Teilnehmer nutzten die räumliche Enge und einigten sich nach eineinhalbstündiger Diskussion auf einen von Stadtmarketing-Geschäftsführer Olaf Panne vorgeschlagener Kompromiss: Die Kopfsteinpflasterstreifen entlang der Frankfurter Straße sollen erst im kommenden Frühjahr neu verfugt werden. In diesem Oktober will sich die Stadt auf die große Fläche im Bereich Alter Markt konzentrieren. Die anvisierte Sperrung in den Herbstferien würde verkürzt. Doch selbst mit dieser Lösung schien nicht jeder glücklich zu sein. Das lag zum einen an der Verfugung selbst, die nur bis zum tiefsten Punkt der Steinoberfläche reichen soll, und daher nicht jede Unebenheit ausgleicht. Zum anderen sehen viele Betroffene das Problem nicht auf der Straße, sondern auf dem Gehweg. Dass dieser von der Maßnahme ausgenommen ist, stieß auf Unverständnis. Doch Christoph Stillger vom Fachbereich „Bauen und Wohnen“, der sich gemeinsam mit Bürgermeister Dr. Bernd Eicker den Fragen stellte, betonte die bauliche Notwendigkeit, zunächst das Kopfsteinpflaster im Straßenbereich zu sanieren. Der etwa zwölf Jahre alte Untergrund hätte eigentlich nach bereits sieben Jahren auf Vordermann gebracht werden müssen. Allzu lange dürfe man nicht mehr warten, so Stillger: „Im schlimmsten Fall würde uns sonst das Schadensbild diktieren, was wir zu tun haben.“ Sprich: Der Straßenunterbau würde so weit beschädigt, dass eine reine Neuverfugung nicht mehr reichen würde.

Auch die komplette Entfernung des Kopfsteinpflasters sei keine adäquate Lösung, da dieses relevant für die Verkehrssicherheit sei: Im Bereich Alter Markt soll es den Autoverkehr verlangsamen, im nördlichen Teil der Straße (Volksbank, Lottogeschäft, etc.) stellt es eine notwendige Abgrenzung zum Gehweg dar, wie Christoph Stillger erklärte.

„Drei Wochen sind natürlich lang“, sagte Bürgermeister Eicker mit Blick auf die ursprünglichen Pläne, „aber auch kurz, wenn man die Alternativen betrachtet.“ So habe man im Vorfeld auch eine nur halbseitige Verfugung erörtert. Christoph Stillger erläuterte jedoch, warum man sich dagegen entschieden hat: Zwar wäre in diesem Fall eine Einbahnstraßenregelung möglich, doch würde sich die Bauzeit mindestens verdoppeln - und die Parkplätze entlang der Frankfurter Straße würden selbst dann wegfallen, wenn nur der gegenüberliegende Kopfsteinpflasterstreifen verfugt wird. Denn: Beim Ausrangieren würden die Fahrzeuge auch diese Fläche überfahren. Doch das darf nicht geschehen, da das Füllmaterial zwischen den Steinen eine Woche aushärten müsse, wie Stillger erklärte. Und so habe man sich für die Drei-Wochen-Lösung entschieden: Zunächst sollte der Bereich zwischen Bahnhofstraße und Alter Markt, in der zweiten Woche die gesamte Frankfurter Straße bis Teppich-Star und zuletzt nur noch der Abschnitt zwischen Alter Markt und Von-Vincke-Straße gesperrt werden. Ein Vorschlag, der auch aufgrund der Art seiner Veröffentlichung für Kritik sorgte. So bedauerte auch der Vorstand des Stadtmarketingvereins in einem Schreiben, dass weder er, noch die Gewerbetreibenden rechtzeitig über die Maßnahme informiert wurden: „Hier geht es nicht um irgendwelche Bürger, sondern um Geschäftsleute, die existenziell von der Frankfurter Straße und ihrer Gestaltung abhängen.“ - Frank Zacharias

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