Halvers Bürgermeister ist kritisch

Designer-Outlet-Center in Lennep geplant

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Die Stadt Remscheid und der Investor McArthurGlen planen, auf dem Gelände von Röntgen-Stadion, Jahn- und Kirmesplatz (rot eingerahmt) ein Designer-Outlet-Center zu errichten. Links oben ist die Altstadt von Lennep zu sehen.

HALVER ▪ Wenn es um die Erschließung neuer Einzelhandelsflächen und das Werben um Anbieter geht, ist die Konkurrenz unter den Kommunen groß – das bekommt derzeit auch Halver zu spüren.

Während die Verwaltung die Bewerbungsunterlagen von Investoren für das Bahngelände sichtet, hat man sich 20 Kilometer westlich der Ortsgrenze bereits längst mit einem „Big Player“ der Szene geeinigt: Die Stadt Remscheid und der Investor McArthurGlen wollen ein Designer-Outlet-Center (DOC) errichten. Der europaweit tätige Konzern betreibt aktuell 21 DOCs, unter anderem im niederländischen Roermond.

Besonders in den Fokus rückte das vor zwei Jahren angestoßene Projekt jetzt durch die Ablehnung des Regionalrates des Regierungsbezirks Düsseldorf: Das Gremium widersprach einer Ansiedlung auf der so genannten Blume in Lüttringhausen. Doch Stadt und Investor handelten schnell, fanden nun einen neuen Ort für das „Schnäppchen-Shopping“: die Fläche von Röntgen-Stadion, Kirmes- und Jahnplatz in Lennep. Damit würde das Outlet-Center noch ein Stück näher an die Grenze zum Märkischen Kreis heranrücken, in direkte Nähe zur Bundesstraße 229, die Halver mit dem Bergischen Land verbindet.

Eicker: „Beeinträchtigungen für Einzelhandel sind extrem.“

Ein Plan, der Halvers Bürgermeister Dr. Bernd Eicker alarmiert. „Ich sehe die Bemühungen des Landes positiv, solche Outlet-Center zu verhindern. Denn die Beeinträchtigungen für den innerstädtischen Einzelhandel sind extrem.“ Für ihn steht fest, dass sich die vermeintlichen Designer-Schnäppchen auch für den Verbraucher langfristig nicht lohnen würden. „Denn durch diese Center leidet die Nahversorgungsstruktur. Wenn immer mehr Menschen kilometerweit fahren, um ein paar Cent zu sparen, bleiben am Ende keine Geschäfte in unseren Städten mehr übrig“, befürchtet Eicker, für den die Ansiedlung eines DOCs auf dem Bahngelände nie eine Option gewesen sei. „Wir wollen anderen Kommunen keine Konkurrenz machen, sondern die Versorgung für die Bürgerschaft vor Ort haben.“ Wie Peter Kaczor vom Fachbereich „Bauen und Wohnen“ erklärt, stehe man in Sachen Remscheid in Kontakt mit der Industrie- und Handelskammer, die die Interessen der Stadt in Gesprächen mit den Verantwortlichen vor Ort vertrete. Rückendeckung erhofft sich Kaczor jedoch insbesondere vom neuen Landesentwicklungsplan, der aktuell im Landtag abgestimmt wird und eben jene Outlet-Center besonders im Fokus hat. „Das muss meiner Meinung nach überörtlich geklärt werden“, sagt Peter Kaczor.

„Da muss landesplanerisch nachgebessert werden“

So kommt auch Wolfgang Ewald vom Regionalrat Arnsberg ins Spiel: Als Vorsitzender der Strukturkommission erklärte er auf AA-Anfrage, dass die Bezirksregierung die Bemühungen der Stadt Remscheid durchaus beobachte – zugleich räumte er jedoch ein, dass die Überlagerungswirkung bei der Genehmigung von DOCs bislang zu wenig berücksichtigt werde. „Da muss landesplanerisch noch nachgebessert werden.“ Einen Proteststurm, wie es ihn jüngst gegen das geplante Factory-Outlet-Center in Werl gab (wir berichteten), kann er sich nun auch für das Projekt im Bergischen vorstellen. „Nicht jedes Outlet-Center in jeder Lage ist des Teufels“, so Wolfgang Ewald. Allerdings müsse immer berücksichtigt werden, ob die Ansiedlungen städtebaulich integriert sind und dem benachbarten Einzelhandel schaden. Entsprechende Gespräche mit der Staatskanzlei in Düsseldorf würden aktuell geführt, zudem würden die Verantwortlichen auch über die Bezirksgrenzen hinaus miteinander über das Thema diskutieren. Demnächst bei einem Treffen in Dortmund. ▪ Frank Zacharias

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