Stadt Halver prüft und rechnet / Bund kündigt Fördermittel an

Doch Raumlüfter in die Klassen?

Abi-Prüfung  2021 am Archigymnasium in Soest.
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Der Lüfter ist dabei: Abi-Prüfung 2021 am Archigymnasium in Soest.

Es geht um sehr viel Geld. Und es geht um das sorgfältige Abwägen von Kosten und Nutzen vor dem Hintergrund einer zeitlichen Entwicklung, die niemand im Voraus einschätzen kann. Etwa eine viertel Million Euro würde es kosten, die Halveraner Schulen mit Luftreinigern auszustatten, um Aerosole aus der Luft in den rund 75 Klassenzimmern herauszufiltern.

Halver - „Wir sind noch in der Prüfung, und die läuft ergebnisoffen“, sagt Kai Hellmann, zuständig für Schulangelegenheiten in der Halveraner Stadtverwaltung. Nächster Schritt werde sein, sich solche Anlagen andernorts im Betrieb anzuschauen. Welche Reinigungsleistung liefern die Geräte? Welche Lautstärke entwickeln sie? Muss trotzdem regelmäßig gelüftet werden? Das seien die Fragen, die sich zunächst stellen würden.

Im letzten Ausschuss für Bildung und Jugend hatten Regina Büchmann (Grüne) und Dr. Sabine Wallmann (UWG) die Frage in den Raum gestellt, ob Halver dem Beispiel der Stadt Rheine folgen sollte, die ein Programm für derartige Anlagen in den dortigen Schulen aufgelegt hat. Landesweit haben inzwischen Elternvertreter das Land aufgefordert, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, um den Präsenzunterricht abzusichern.

Nur wenige Klassen fensterlos

Die Stadt Halver hat bislang davon abgesehen. Sie folgt den Empfehlungen des Landes, nachdem ein ausreichendes Lüften der Klassenzimmer Sicherheit schaffen sollte. Nur ein Bruchteil der Klassenräume sei nicht mit Fenstern ausgestattet, so bisher die Überlegung im Rathaus. Und diese Räume würden nicht für den normalen Unterricht genutzt.

Dem entgegen hielt Sabine Wallmann allerdings, dass die Fensterfronten in aller Regel nur an einer Seite lägen. Ein Querlüften sei mithin nicht möglich, sodass man die Beschaffung von Raumlüftern trotzdem prüfen solle – auch vor dem Hintergrund, dass die Pandemielage zum langfristigen Zustand werden könnte.

Wenn es der Sicherheit der Kinder und Jugendlichen diene, mache diese Ausstattung sicherlich Sinn, sagt dazu Kai Hellmann. Doch seine weitere Überlegung: Bei 75 Klassenräumen mit Investitionskosten von 3000 bis 4000 Euro pro Gerät komme man auf einen Betrag von 250 000 Euro oder mehr. Das sei eine Größenordnung, die man im Schulbereich auch an anderer Stelle sinnvoll investieren könne.

Thema werden die Raumlüfter spätestens im nächsten Bildungsausschuss im Juni, möglicherweise aber auch früher, wenn weiterführende Erkenntnisse vorliegt, und dann in einem außerordentlichen digitalen Bildungsausschuss.

Impfsituation noch unklar

Vor den Sommerferien jedenfalls dürfte kaum ein Lüfter in Halveraner Klassenräumen brummen. Denn Beschaffung und Installation dürften Zeit kosten. Und nicht zuletzt ist unklar, wie die Impfsituation für Kinder und Jugendliche in den kommenden Wochen und Monaten aussieht. Welche Notwendigkeit besteht, die technische Ausstattung zu beschaffen, wenn die Schüler weitgehend durchgeimpft sein sollten, müsse ebenfalls in die Betrachtungen einbezogen werden, sagt Kai Hellmann im Gespräch mit dem Allgemeinen Anzeiger.

Bewegung in die Angelegenheit könnte zusätzlich kommen, wenn das Wirtschaftsministerium seine Ankündigung umsetzt, den „Neueinbau von stationären Frischluft-Klimaanlagen“ in Kitas und Grundschulen zu fördern. Beim Neu-Einbau möchte das Ministerium von Peter Altmaier (CDU) künftig 80 Prozent der Kosten übernehmen, meldete das Magazin Der Spiegel am vergangenen Mittwoch. Zielgruppe sollen demnach Kinder unter zwölf Jahren sein, weil für diese kein Impfangebot gemacht werden könnte, heißt es in der Meldung.

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