Halver: ein Biotonnen-Exot in NRW

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Für alle, die sie nicht kennen: So sieht die Biotonne aus – entdeckt im benachbarten Lüdenscheid.

HALVER ▪ Kommt die Bio-Tonne für alle Halveraner Haushalte? Nach den Vorgaben des neuen Kreislaufwirtschaftsgesetzes wäre das ab 2015 durchaus möglich. Geht es jedoch nach der Stadtverwaltung, wird die Stadt im Grünen auf braune Tonnen mit grünem Inhalt verzichten können.

Kai Hellmann hat sich in den vergangenen Wochen intensiv mit den neuen Vorgaben im Rahmen des Kreislaufwirtschaftsgesetzes auseinandergesetzt. Der Verwaltungsangestellte weiß, dass sich für die Bürger in zweieinhalb Jahren in Sachen Müllbeseitigung einiges ändern könnte – aber nicht muss. „Details klärt eine Verwaltungsvorschrift, die noch nicht vorliegt“, sagt Hellmann.

Bislang zählt Halver laut des aktuellen Gebührenvergleichs des Bundes der Steuerzahler (siehe unten) zu jenen 32 von 396 Kommunen im Land, die keine Biotonne eingeführt haben. Aus stichhaltigen Gründen, wie Kai Hellmann betont. „Wir haben zum einen eine sehr hohe Quote an Grünabfällen, die am Baubetriebshof abgeben werden. Zum anderen wird auf mehr als 50 Prozent der Grundstücke in Halver selbst kompostiert. Das unterscheidet uns sicherlich von größeren Städten.“ Die Aufstellung einer braunen Tonne sei also in Halver nicht notwendig – zumal sie für den Bürger mit zusätzlichen Kosten einhergehen würde. Und selbst der Verbleib des Biomülls sei dann noch nicht geregelt, wie Kai Hellmann betont. „Da der Märkische Kreis über keine eigene Entsorgungsanlage für biogenen Abfall verfügt, schreibt er uns eine braune Tonne auch nicht vor.“ Ganz im Gegenteil: Da jeglicher Biomüll, der in der grauen Tonne landet, als wertvoller Brennstoff für die Müllverbrennungsanlage in Iserlohn gilt, sei man in Iserlohn froh über diese „Reste“, die im Restmüll eigentlich nichts zu suchen haben.

Aufgrund der hohen Selbstkompostierer-Quote rechnet Hellmann auch für 2015 also nicht mit einer Biomülltünne für Halver. Und auch die durch die Medien geisternde blaue Wertstofftonne werde in dieser Form wohl nicht auf den Gehwegen stehen. „Denkbar ist eher, dass wir die gelbe Tonne behalten, deren möglicher Inhalt dann erweitert wird.“ Bereits heute seien viele Bürger unsicher, was denn nun in die gelbe Tonne gehöre und was nicht. So ließe sich schwer vermitteln, warum die Folie mit grünem Punkt, in die der neue Fernseher eingepackt war, eingeworfen werden kann, während das Styropor für den Transportschutz in die graue Restmülltonne wandern muss. So entstehe eine „Fehlwurfquote“, die durch die Wertstofftonne gesenkt werden könne. In ihr könnten ab 2015 übrigens auch Elektro-Kleingeräte entsorgt werden.

Doch ohne Verwaltungsvorschrift ist vieles noch offen. Vor allem der für Kommunen wichtigste Punkt: Wer profitiert von der Entsorgung, insbesondere von Papier und Elektroschrott? Städte und Gemeinden oder doch die privaten Anbieter? Dazu sagt Kai Hellmann nur so viel: „Ich vermute, dass die Privaten eine starke Lobby haben, die sie nutzen werden.“ ▪ Frank Zacharias

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