Sieben Maßnahmen für eine lebendigere Innenstadt

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Der Kulturbahnhof war gut gefüllt, als unter anderem Kai Hellmann Ausführungen zum Quartiersmanagement in der Innenstadt machte.

HALVER - Dass betroffene Einzelhändler und Immobilienbesitzer an einer lebendigen Innenstadt interessiert sind, ist zwar keine Überraschung - doch die Freude beim städtischen Wirtschaftförderer Kai Hellmann am Donnerstagabend über einen gut gefüllten Kulturbahnhof war doch groß. Denn: Die Resonanz, so Hellmann, sei auch ein Zeichen dafür, dass die Beteiligten „etwas bewegen wollen“.

Wie das genau gelingen kann, erläuterten neben Kai Hellmann auch Bürgermeister Dr. Bernd Eicker und Hans-Joachim Hamerla vom Düsseldorfer Büro „Architektur-Stadtplanung-Stadtentwicklung“ (ASS), das auch mit der Konzeption und Realisierung des Regionaleprojekts „Oben an der Volme“ betraut ist. Und genau dieses Projekt ermöglicht laut Hamerla einen Großteil der Initiativen, die in den kommenden Monaten angegangen werden sollen. Stichwort: Quartiersmanagement. Diese neue Art der Innenstadt-Förderung soll viel mehr sein als bloßes Leerstandsmanagement, wie Hellmann erklärte. Und: Es ist fester Bestandteil der bewilligten Förderung. „Jede Maßnahme einzeln ist nicht förderfähig“, betonte Hans-Joachim Hamerla die Bedeutung der Regionale für Halver. Denn sie biete viele Chancen, die durch folgende Projekte genutzt werden sollen:

1. Leerstände mit Leben füllen: Mit Hilfe von Fördermitteln sollen leer stehende Verkaufsflächen an der Frankfurter- und Bahnhofstraße reaktiviert werden. Die Idee: Künstler, Handwerker und andere Anbieter von „Nischenprodukten“, von deren Verkauf bei normalen Mietpreisen kein Gewinn zu erwarten ist, sollen die Möglichkeit bekommen, maximal zwei Jahre lang kostenlos Flächen zu nutzen - nur die Nebenkosten müssen abgeführt werden. Die Miete erhalten die Eigentümer stattdessen vom Quartiersmanagement, allerdings beträgt die Entschädigung maximal 50 Prozent der örtlichen Vergleichsmiete. „Die angesiedelten Anbieter sollen aber für den ansässigen Einzelhandel keine Konkurrenz darstellen. Das ist keine Dauerlösung, sondern nur Hilfe zur Selbsthilfe“, so Hamerla.

2. Quartiersmanagement-Büro in der Innenstadt (QM-Büro): Bereits in Kürze soll ein Ladenlokal angemietet werden, in dem sämtliche Konzepte, Pläne und Ideen gesammelt und ausgestellt werden. Anfangs soll es an mindestens drei halben Tagen pro Woche besetzt sein - je einmal durch den Stadtmarketingverein, die Stadtverwaltung und das Büro ASS.

3. Interaktiver Prozess zu Planungskonzepten: Die Mitwirkung jedes einzelnen Bürgers ist gefragt. Im QM-Büro (siehe oben) sollen die Halveraner ihre Ideen vorstellen, sich zudem in Arbeitskreisen einbringen können.

4. Gemeinsame Planung von Veranstaltungen und Aktionen: Was durch den Stadtmarketingverein schon erfolgreich umgesetzt wird (Oldtimer-Schau, Halveraner Herbst mit Bauernmarkt), soll auch in anderen Kooperationen gelingen. Die Zusammenarbeit mehrerer Vereine und Institutionen könne etwa Lesungen und Theaterstücke in Leerständen zur Folge haben, Kulturveranstaltungen am Alten Markt oder Mitternachtsshopping und Modenschauen. Als positives Beispiel nannte Hans-Joachim Hamerla die Veranstaltung „Schalksmühle - köstlich!“, eine Aktion von 20 Schalksmühler Geschäftleuten, die gleich bei ihrer Premiere Ende Oktober auf große Resonanz stieß.

5. Fassadenprogramm: „Stadtbildprägende, insbesondere historisch wertvolle Gebäude“ sollen Aushängeschilder für die Innenstadt bleiben. Ein mit 180 000 Euro gefüllter Fördertopf soll ab kommendem Jahr dazu beitragen. Wer seine Fassaden renovieren oder restaurieren, Verkleidungen zurückbauen oder Dachdeckungen und -gauben erneuern will, kann die Hilfen dazu (zusätzlich zu anderen Förderungen) beantragen. Auch die Entsiegelung von Flächen soll förderfähig sein. Welche Gebäude für die Subvention besonders in Frage kommen könnten, soll ein Gremium in diesem Jahr untersuchen.

6. Verfügungsfonds zur Städtebauförderung: Vereine und Akteure sollen auf einen mit 80 000 Euro gefüllten Topf zugreifen können, um eigene Ideen und Aktionen umsetzen zu können - dazu müssen sie mindestens 50 Prozent der dafür benötigten Summe selbst aufbringen, so dass Investitionen in Höhe von insgesamt 160 000 Euro realisiert werden können. Den Rest übernimmt das Förderprogramm des Landes sowie die Stadt beziehungsweise deren Sponsoren.

7. Immobilien- und Standortgemeinschaften (ISG): Zeitlich begrenzte Partnerschaften lokaler Geschäftsleute, Immobilieneigentümer und der Kommune stellen laut Südwestfälischer Industrie- und Handelskammer die erfolgreichste Form der Public Private Partnerships (PPP) dar. Ein entsprechendes Gesetz räumt diesen Interessensgemeinschaften eine besondere Rolle ein, wenn es etwa darum geht, in Straßenzügen oder Quartieren gemeinsame Anstrengungen zur Vitalisierung zu unternehmen. Das Besondere: Sprechen sich beispielsweise acht von zehn Betroffenen Händlern/Eigentümern für die Bildung einer ISG aus, müssen sich die übrigen ebenfalls beteiligen - auch finanziell. ‘ 2./3. Lokalseite

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