Betreuung für Kinder

OGS-Anspruch für jedes Kind ab 2025 - die Stadt bereitet sich vor

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Die Offene Ganztagsschule in der Lindenhofschule wird ausgebaut: Kinder haben ab 2025 ein Anrecht auf eine Ganztagsbetreuung.

Halver - Grundschüler sollen ein Anrecht auf eine Ganztagsbetreuung haben. Ab 2025, wenn Bundesrat und Bundestag dem zustimmen.

Das Bundeskabinett hatte dafür in einem ersten Schritt die Einrichtung eines Sondervermögens in Höhe von zwei Milliarden Euro beschlossen. Geld für Investitionen in Räume und Gebäude an den rund 15 000 Grundschulen in Deutschland, damit in fünf Jahren der geplante Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung erfüllt werden kann. 

Die Stadt Halver bereitet sich bereits jetzt darauf vor. Nicht nur wegen des Anspruchs, sondern auch weil der Bedarf grundsätzlich steigt, wie Kai Hellmann, zuständig für Schulangelegenheiten bei der Stadt, im Gespräch mit Redakteurin Sarah Lorencic erzählt. 

Was bedeutet der Rechtsanspruch? Kann von der ersten bis zur vierten Klasse jedes Kind die OGS nutzen? 

Das Bundeskabinett hat im November 2019 beschlossen, dass alle Grundschulkinder von der 1. bis zur 4. Klasse ein Anrecht auf Ganztagsbetreuung haben. Die Entscheidung des Bundesrates und des Bundestages steht jedoch noch aus. Geplant ist der Rechtsanspruch ab 2025. Die Kinder hätten dann einen Anspruch auf Betreuung an fünf Tagen in der Woche, jeweils acht Stunden am Tag.

Und was bedeutet das für die Schulen und den Träger ? Vor welche Herausforderungen steht die Stadt jetzt personell und auch räumlich? 

Seit 2004 betreibt die Stadt zwei Offene Ganztagsschulen (OGS), eine an der Lindenhofschule und eine am Hauptstandort der Regenbogenschule am Pestalozziweg. In Oberbrügge bietet die Stadt ebenfalls eine Betreuung bis 16 Uhr an, jedoch nicht im Rahmen einer OGS. 

Seit wann bereitet sich die Stadt vor? 

Die Weiterentwicklung der Offenen Ganztagsschulen ist ein offener Prozess. Die pädagogischen Konzepte werden von den Einrichtungsleitungen regelmäßig angepasst, ebenso die personelle Ausstattung. Bereits jetzt haben wir aber, insbesondere an der Lindenhofschule, einen räumlichen Engpass. Daher müssen wir bereits jetzt – unabhängig von einem möglichen Rechtsanspruch – handeln, damit alle Kinder eine Betreuungsmöglichkeit erhalten. Bisher konnten wir für alle angemeldete Schüler an den beiden Standorten ein Betreuungsangebot gewährleisten. 

Es gibt seit Ende vergangenen Jahres ein Sondervermögen des Bundes, um die Länder zu unterstützen. Bekommt auch Halver etwas aus dem Milliardentopf? 

Wann dieses Sondervermögen verteilt wird und wie viele Mittel der Stadt Halver letztendlich zur Verfügung stehen, ist unklar. Daher werden wir den bereits jetzt erforderlichen Umbau mit Mitteln aus dem allgemeinen Haushalt beziehungsweise Zuwendungen der Bezirksregierung Arnsberg stemmen müssen. Sie fangen an der Lindenhofschule an. Wann geht es los beziehungsweise wann soll der Umbau abgeschlossen sein? Vorbehaltlich der Beschlüsse der politischen Gremien ist ein Umbau im Jahr 2021 geplant, zum Schuljahr 2021/2022 sollen die Umbaumaßnahmen abgeschlossen werden. 

Was ist genau an der Schule geplant? 

Geplant ist, dass die Räume der derzeitigen Musikschule für die Ganztagsbetreuung genutzt werden. Der Mensabereich muss vergrößert und das Foyer sowie die Klassenräume multifunktional eingerichtet werden. Dieses Vorhaben soll durch allgemeine Modernisierungsmaßnahmen begleitet werden. Insbesondere der Brandschutz und Wegebeziehungen (Fluchtwege) sind zu beachten. Auch würden wir mit einem Aufzug die Barrierefreiheit für einen Großteil der Schulräume umsetzen. 

Wie sollen die Räume gestaltet werden? 

Zunächst gibt es für die OGS eigene Räume, die ausschließlich für die Betreuungsangebote am Nachmittag eingerichtet werden, zum Beispiel mit Rückzugsmöglichkeiten für die Kinder. Weiterhin sollen jedoch auch die Klassenräume so modernisiert werden, dass sie für Unterricht und für die Betreuungsangebote genutzt werden können, beispielsweise als Themenräume wie zum Beispiel Kunst, MINT und Labor.

Wer ist/war an der Konzeption neben Ihnen und Schulleiterin Monika Lauterbach beteiligt? 

An der vorbereitenden Planung waren neben den Fachbereichen Bürgerdienste und Bauen und Wohnen der Stadt die Schulleitung sowie die Leitung der Offenen Ganztagsgrundschule beteiligt. 

Die ersten Planungsskizzen wurden in der Lehrerkonferenz sowie im Kollegium der OGS diskutiert. 

Ziel ist es, den politischen Entscheidungsgremien eine zwischen allen Beteiligten abgestimmte Planung für die Umgestaltung des Gebäudes vorzulegen. 

Ist schon klar, welche Kosten auf die St adt zukommen? Für Umgestaltung, aber auch für laufende neue Personalkosten? 

Derzeit erfolgen noch weitere Abstimmungsgespräche zwischen der Stadt und dem Architekturbüro. Daher kann eine Kostenschätzung noch nicht erfolgen. 

Kai Hellmann.

Derzeit gibt es rund 160 Kinder an der Lindenhofschule in der OGS. Welche Voraussetzungen müssen momentan noch erfüllt sein, um einen Platz zu bekommen? 

Wir haben bisher keine Kinder abgelehnt und wollen es auch in Zukunft nicht. An der Lindenhofschule besuchen bisher 64 Prozent der Schüler die Betreuungsangebote – Tendenz steigend. 

Wie viele Räume und Betreuer stehen zur Verfügung? 

Die OGS in der Lindenhofschule arbeitet derzeit mit zwei festen Räumen und nutzt zusätzlich Klassen- und Fachräume sowie die Sporthalle und das Forum, insbesondere bei schlechtem Wetter ist das eindeutig zu wenig. Insgesamt stehen uns an der Lindenhofschule 185 Stunden pro Woche an Personal zur Verfügung. Neben zwei hauptamtlichen Erzieherinnen sind das Honorarkräfte. Hinzu kommen noch Mitarbeiter im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes sowie Küchenpersonal. 

Haben Sie vor, Personal aufzustocken? 

Wenn ja, wann soll damit begonnen werden? Die Personalentwicklung ist an die Anzahl der zu betreuenden Schüler gekoppelt. Zuletzt haben wir die Stundenanzahl der Leitung der OGS Regenbogenschule von 25 auf 35 Stunden aufgestockt. 

Wann ziehen die Standorte der Regenbogenschule nach? Rechtzeitig zum Rechtsanspruch 2025? 

Gemeinsam mit der Schulleitung der Regenbogenschule besteht Einigkeit, dass die derzeit teilweise von der OGS genutzten Pavillons im Jahr 2021 abgerissen werden sollen. Daher gibt es auch hier die Erfordernis, die Klassenräume im Hauptgebäude multifunktional umzugestalten. Aufgrund der Betreuungsquote dort – 40 Prozent der Schüler besuchen die Betreuungsangebote – sowie der Größe des Schulgebäudes ist die Situation aber deutlich entspannter. 

Wird es für beide Standorte ein Angebot geben? Gibt es bereits an beiden eine OGS? 

Am Standort Oberbrügge arbeiten wir derzeit aufgrund der geringen Anmeldezahlen im Nachmittagsbereich lediglich mit einem Betreuungsangebot außerhalb der OGS. Das bedeutet, dass diese Betreuung nicht durch Erzieherinnen und Erzieher durchgeführt wird – dafür entsprechen jedoch die Elternbeiträge nur die Hälfte der regulären OGS-Beiträge. 

Grundsätzlich: Dass die Nachfrage nach OGS-Plätzen steigt, ist nicht neu. Finden Sie den Rechtsanspruch gut oder stehen die Kommunen dadurch vor mehr Herausforderungen? Wünschen Sie sich mehr Unterstützung? 

Die Angebote der Offenen Ganztagsgrundschulen sind ein positives Signal an die Eltern. Sie wissen Ihre Kinder gut aufgehoben in den Zeiten, in denen die Betreuung aufgrund der beruflichen Tätigkeiten nicht gewährleistet werden kann. Halver gehört im Übrigen zu den wenigen Kommunen, die mit eigenem Personal die Betreuung durchführt und sich keinem Träger bedient. So können wir auch die Verzahnung zwischen Schule und Betreuung gemeinsam mit den Schulleitungen steuern. Ziel der Schulleitungen und des Schulträgers ist das Bewusstsein, dass die jeweilige Grundschule eine Offene Ganztagsgrundschule ist und nicht eine Offene Ganztagsgrundschule hat.

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