Jährlicher Sandwechsel

Sandkornzählerei in den Kitas

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Halver - Der aktuellste Runderlass des NRW-Umweltministeriums schreibt Kindergärten vor, jährlich den Sand ihrer Sandkästen zu erneuern. Die Halveraner Kitas haben dazu eine klare Meinung.

Wenn sich Eltern jemals gefragt haben, warum der Sand in den Halveraner Kindergärten jährlich gewechselt wird, dachten sie vielleicht, es sei Verschleiß. Denn immerhin ähneln so manche Flure im Kindergarten einer Strandpromenade, mit Gummistiefel könnten Sandburgen gebaut werden und mit Bagger und Schüppe transportieren die kleinen Bauarbeiter die Körner schnurstracks aufs Grünland. Aber der Grund des Wechsels ist ein anderer. 

Im Runderlass des NRW-Umweltministeriums bezüglich des vorsorgenden Gesundheitsschutzes für Kinder auf Kinderspielflächen wurden Ende 2018 die Hygieneanforderungen für Spielsand neu geregelt. Diese schreiben vor, dass „aus hygienischen Gründen der Spielsand mindestens einmal jährlich ausgetauscht werden muss“. Der Austausch der Sandkästen ist allerdings nicht nur ein Aufwand, der organisatorisches Talent erfordert, sondern auch ein finanzielles. 

DRK-Kita Juno

„Für uns ist das ganz bitteres Geld“, sagt Petra Gelhart, Leiterin der DRK-Kita Juno. Von den Geldern, die eine Einrichtung zur Verfügung hat, könne gerade das Personal finanziert werden – Kosten wie die für den Sand, die nun jährlich anfallen, kommen hinzu. „Für Kindergärten sind das extreme zusätzliche Kosten.“ Die Kita Juno hat mit ihrem weitläufigen Außengelände die weitaus größte Menge Sand zu tauschen. Bisher wurde dieser alle zwei Jahre erneuert. Dafür engagiert Gelhart in der Regel spezielle Unternehmen, die den Sand austauschen und den alten entsorgen. So sehr sie auch verstehen könne, dass Sand mit der Zeit gewechselt werden muss, weil auch so manches Tier sein Geschäft im Sand verrichte, habe ihr auch der zweijährige Rhythmus gereicht. „Aber Erlass ist Erlass, Hygiene ist Hygiene“, sagt sie. 

Kita Wunderland

In der Kita Wunderland ist der Sand seit der Neueröffnung im vergangenen Jahr „noch frisch“, wie es vonseiten der Leitung heißt. „Auch wir halten uns an die gesetzlichen Hygieneverordnungen und an den Erlass“, sagt Kristian Hamm. Im Herbst wird der Sand zum ersten Mal gewechselt. „So ein Erlass ist ja schön“, sagt Hamm, „aber die Wirklichkeit ist eine andere.“ Kosten bis zu 9000 Euro – je nach Sandmenge – spiegeln sich in keiner Weise im Kinderbildungsgesetz (Kibiz) wider. 

„Wenn das Land solche Forderungen stellt, soll es auch Sorge dafür tragen, dass es von den Einrichtungen finanziert werden kann.“ Mit den Geldern, die zur Verfügung stehen werden Prioritäten gesetzt: Personal, Räume und Spielgeräte stehen ganz vorne. Wenn jährlich jedoch so hohe Kosten für die Umlage hinzukommen, gebe es keine neuen Bauklötze, so Hamm. 

Pusteblume und Spatzennest

In den evangelischen Kindergärten Pusteblume und Spatzennest wurde der Sand bisher ebenfalls im Zwei-Jahres-Rhythmus gewechselt. In diesem Jahr wurde der Sand bereits von einem Unternehmen erneuert, wie Einrichtungsleiterin Michaela Leitzbach sagt. „Es geht dabei ums Wohl der Kinder“, sagt sie. Die Kosten stehen immer im Zusammenhang mit der Sandmenge – so seien die Kosten für die vergleichsweise kleine Kita noch überschaubar. Andere Ideen das Geld anzulegen, habe sie dennoch. 

Kita Wundertüte

Die Awo-Kita Wundertüte ist froh über ihren Träger, sagt Sybille Haberland. „Ich habe einen pädagogischen Beruf gelernt und kenne mich mit Richtlinien nicht besonders gut aus.“ Stattdessen kümmert sich in der Einrichtung ein Sicherheitsbeauftragter sowohl um den Sand, als auch um die Spielgeräte. Halbjährlich werde alles überprüft. Das spart zudem Kosten für externe Unternehmen wie Landschaftsbauer. Um die Kosten gering zu halten, wird der Sand in der Einrichtung St. Nikolaus im Juli gemeinsam mit den Eltern gewechselt. Das fördert das Gemeinschaftsgefühl und spart Geld, das anderweitig investiert werden kann, so Petra Dörenbach, Leiterin der katholischen Kita. Und für den Sand haben Familien zuhause auch eine Verwendungsmöglichkeit.

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