Spielhalle bereitet Stadt nicht nur Vergnügen

Unweit der alten Gleise entsteht derzeit in einem einstigen Mehrfamilienwohnhaus eine neue Spielhalle. ▪ F. Zacharias

HALVER ▪ Es tut sich was am Bahngelände. Allerdings hat die aktuelle Bautätigkeit nur am Rande etwas mit den Visionen eines neuen Einzelhandelsstandortes zu tun: In einem einstigen Mehrfamilienhaus entsteht derzeit eine neue Spielhalle. Es wird die dritte Halvers sein. Und sie stößt auf wenig Gegenliebe.

Wie unsere Zeitung aus sicheren Quellen erfuhr, soll der vermeintliche Glückstempel spätestens Anfang kommenden Monats auf einer Fläche von 120 Quadratmetern eröffnet werden. In der Stadtverwaltung bestätigte man entsprechende Pläne eines Investors – allzu glücklich mit der Situation zeigte sich Lutz Eicker vom Fachbereich Bürgerdienste jedoch nicht. „Meine persönliche Meinung ist, dass wir bereits genug solcher Einrichtungen haben.“ Bekanntlich sind auch an der Frankfurter Straße und an der Mittelstraße Spielhallen zu finden. Hinzu kommen diverse Wettbüros, die ebenfalls mit Skepsis betrachtet werden.

Peter Kaczor, Mitarbeiter des Fachbereichs Bauen und Wohnen, betonte auf Anfrage jedoch, dass den Behörden bei ordnungsgemäß gestellten Anträgen, gegen die auch rechtlich nichts einzuwenden ist, die Hände gebunden seien. Auf dieser Grundlage habe auch der Märkische Kreis einer Nutzungsänderung des Hauses am Bahngelände zugestimmt. „Da liefern sich Betreiber und Rechtsprechung sozusagen ein Windhundrennen“, sagt Kaczor. Sprich: Sobald sich eine neue Richtlinie für die Errichtung oder den Bau einer Spielhalle abzeichnet, reagieren die Investoren prompt. So auch in diesem Frühjahr: Für den Sommer zeichnet sich ein neuer Gesetzesvorstoß ab, der den Inhabern noch engere Grenzen für den Betrieb ihrer Hallen aufzeigt. „Viele versuchen daher jetzt noch, ihre Konzession zu bekommen“, sagt Lutz Eicker.

Und tatsächlich wollen nach Informationen unserer Zeitung zwei weitere Investoren je eine Spielhalle eröffnen. Doch Peter Kaczor betont, dass die Stadtverwaltung durchaus kritisch auf jegliche Vorhaben schaue – „allerdings müssen wir uns innerhalb der gesetzlichen Grundlagen bewegen“. Entsprechend der Gesetzgebung sei die neue Spielhalle am Bahngelände schließlich genehmigt worden. „Auch mit Blick auf eine Ansiedlung von Einzelhandel spricht nichts gegen eine Spielhalle an dieser Stelle“, so Kaczor, der den Betrieb für „städtebaulich verträglich“ hält.

Besorgt ist er dennoch – ebenso wie seine Amtskollegen in der Nachbarstadt Kierspe, die sich seit mehreren Monaten mit der möglichen Ansiedlung einer Spielhalle an der Kreuzung Wildenkuhlen auseinandersetzen. Besorgte Bürger übergaben Bürgermeister Frank Emde eine Liste mit Unterschriften von 2444 Bürgern, die sich gegen die Ansiedlung aussprachen. Vor allem die Sorge um ihre Kinder treibe die Kiersper um, erklärt Axel Boshammer vom Kiersper Ordnungsamt.

Die Folgen einer Spielhalle, die hingegen auch alle Stadtplaner fürchten, lassen sich mit dem englischen Begriff „Trading-Down-Effekt“ zusammenfassen: Der Spielhalle folgt ein Imbiss, eine weitere Spielhalle, mitunter sogar ein Rotlicht-Etablissement. Um dieser Entwicklung einen Riegel vorzuschieben setzt die Nachbarstadt auf ein so genanntes Vergnügungsstättenkonzept, das – wie ein Einzelhandelskonzept – die Bereiche für Spielhalle, Wettbüro & Co. für die entsprechende Kommune festlegt. Die Kiersper Politik muss diesem Konzept jedoch noch zustimmen. Bürgermeister Dr. Bernd Eicker betonte jedoch auf Anfrage unserer Zeitung, dass solch ein Konzept für Halver nicht infrage komme. „Intern haben wir darüber diskutiert. Wir sehen für solch ein Konzept aber keinen Bedarf.“ ▪ Frank Zacharias

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