Spielen ist selten lautlos

Kinder können laut sein – der Kita-Zweckverband hofft auf Verständnis der Mitmenschen. ▪ F. Zacharias

HALVER ▪ „Mensch ärgere dich nicht!“ – allzu oft würden Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten diesen Kampagnentitel manch einem Anwohner ans Herz legen. Denn das Umfeld solcher Einrichtungen wird immer kinderunfreundlicher, wie der Kita-Zweckverband des Bistums Essen herausgefunden hat.

„Dies zeigen Klagen von Anwohnern, die sich gegen Kita-Lärm in Wohngebieten richten“, heißt es in der Vorstellung zu dem Projekt, das Petra Dörenbach, Leiterin der katholischen Kindertagesstätte „St. Nikolaus“, gestern in Halver vorstellte.

Plakate, Postkarten und Buttons machen auf das Recht des Kindes, zu spielen, aufmerksam. Denn: „Spielen gehört zur Entwicklung des Kindes dazu, ist eine ganz natürliche Sache. Dann wird es auch mal laut“, so Dörenbach. Immer häufiger würde dies jedoch als Lärm empfunden und nicht als Geräusch kindlichen Spieltriebs. Wenn es mit Nachbarn im Umfeld der Bachstraße denn auch keine allzu schwerwiegenden Diskussionen gebe, so tauchten auch hier von Zeit zu Zeit Beschwerden auf, „über die man aber natürlich reden kann“, wie die Einrichtungsleiterin sagt.

Mit der Kampagne „Mensch ärgere dich nicht“ will der Kita-Zweckverband gemeinsam mit der katholischen Erwachsenen- und Familienbildung, der katholischen Frauengemeinschaft Deutschland (kfd) und dem Familienbund der Katholiken die Anwaltschaft für Kinder übernehmen – in einer Gesellschaft, die nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels den Wert des Kindes schätzen müsse. „Wer Kinderlärm als lästig empfindet, den stört es, dass ein Kind ‚Kind‘ ist“, sagt Peter Wenzel, Geschäftsführer des Zweckverbandes. Das gelte nicht nur in den Tageseinrichtungen, sondern auch im häuslichen Umfeld der Mädchen und Jungen. „Die Möglichkeiten, draußen zu spielen, werden leider immer geringer“, weiß Petra Dörenbach. Und daher nutzen Kinder selbstverständlich die verbleibenden Spielräume, die sich ihnen bieten – „auch wenn es der nachbarliche Garagenhof ist“, wie Generalvikar Dr. Hans-Werner Thönnes sagt.

Mit der jetzt ausgerufenen Kampagne wollen die katholischen Kindertagesstätten des Bistums den Blick für das Recht des Kindes schärfen – ohne rücksichtslos zu werden. „Auch in unserer Einrichtung gehört gegenseitige Rücksichtnahme dazu. Aber auch Kinder merken selbst ganz schnell, wenn es zu laut wird“, so Petra Dörenbach. ▪ zach

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