Ein Spiel statt sexueller Missbrauch

HALVER/LÜDENSCHEID ▪ Wo hört ein Spiel auf und fängt sexueller Missbrauch an? Diese Frage stand gestern im Mittelpunkt eines Prozesses vor dem Amtsgericht Lüdenscheid. Hier musste sich ein 23-jähriger Halveraner dem Vorwurf stellen, er habe seine Stieftochter unsittlich berührt. Der Tag endete mit einem Freispruch.

Weil sich die Familie des Angeklagten in einer Notlage befunden hatte, war sie für eine kurze Zeit bei einer Freundin der Ehefrau in Kierspe untergekommen. Am 13. Januar dieses Jahres will die 44-Jährige beobachtete haben, wie sich der Halveraner seiner Stieftochter auf sexuelle Weise angenähert und sie in verbotener Weise angefasst hat. Daraufhin ging die Freundin zur Polizei und erstattete Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs.

„Ich habe mit meiner Stieftochter gespielt, ganz normal. Ich habe nichts gemacht”, so der Angeklagte gestern vor Gericht. Dass es dabei aus Versehen zu einer Berührung am Oberkörper des Mädchen gekommen ist, könne er nicht ausschließen. Dass sei dann aber nur im Eifer der Kabbelei passiert. Die Anzeigenerstatterin betreffend fügte er hinzu: „Die konnte mich von Anfang an nicht leiden.”

Während die 44-Jährige bei der Polizei noch von einem gezielten Anfassen des Kindes seitens des Halveraners gesprochen hatte, legte sie gestern im Zeugenstand den Rückwärtsgang ein. Plötzlich gab sie an, das Mädchen hätte Spaß gehabt und gelacht. Dann versuchte sie ihre Aussage bei der Polizei zu erklären: „Die haben gesagt, sie spielen so. Ich kenne das so nicht. Mein Mann macht das nicht so.” Nach dieser Aussage wurde einvernehmlich auf die Vernehmung der Stieftochter verzichtet.

„Der Nachweis kann nicht geführt werden, dass ein Missbrauch vorliegt. Vielmehr liegt es nahe, dass es tatsächlich ein Spiel war”, so die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer. Dem schloss sich schließlich auch der Richter an: „Wir können nichts feststellen, was über ein Spiel hinausgegangen ist.” So lautete das Urteil: Freispruch. ▪ Jana Peuckert

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