ZWAR-Gruppe thematisiert die Zuwanderung 

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Gustav-Adolf Spelsberg referierte im Bürgerzentrum über das Thema „Einwanderungsland Deutschland“.

Halver - Aktueller hätte ein Thema wohl kaum gewählt werden können: „Ist Deutschland ein Einwanderungsland und ist das ein Fluch oder ein Segen“, titelte Gustav-Adolf Spelsberg am Donnerstag seinen Vortrag. Die ZWAR-Gruppe hatte dazu ins Bürgerzentrum „Am Park“ eingeladen.

Spelsberg, Jahrgang 1931, studierte Agrarmanagement und war lange Zeit Geschäftsführer des landwirtschaftlichen Hilfsdienstes und Maschinenrings und nennt sich bescheiden „politisch interessiert“. Angesichts der vielen Flüchtlinge, die täglich nach Europa kommen, ist Spelsberg überzeugt: „Die Menschen brauchen Hilfe und Verständnis!“ Und fügt hinzu: „Wir leben fast schon zu lange in Wohlstand.“

Der Referent berief sich auf Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Es sei „unsere Aufgabe und menschliche Pflicht, Menschen in Not zu helfen“, appellierte er. „Viele haben es noch nicht begriffen oder wollen es nicht wahr haben: Die Verhältnisse in unserem Land rufen nach Lösungen, an denen gearbeitet werden muss“.

Was aber dem Ruf Deutschlands in der Welt sehr schade, seien Brandstifter, die Asylbewerberheime in Brand setzten. Armut, Hungersnöte, ethnische und religiöse Zugehörigkeiten seien seit jeher Gründe dafür gewesen, dass Menschen ihre Heimat verließen, erläuterte er. Zugleich zeigte er Verständnis für die Ängste vieler Menschen. Etwa die, wie er sagte, „Urangst um die gesetzliche Rente.“ Oder die Befürchtung, Migranten seien der Grund für die Verschuldung der Städte und Kommunen.

Mit einem Blick in die Geschichte belegte Spelsberg, dass schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts Einwanderer nach Deutschland kamen. Später, in den frühen 1960er Jahren, trugen die Gastarbeiter zum Wohlstand Deutschlands bei. Neben dem demografischen Wandel führe heute auch die Tatsache, dass viele Deutsche auswandern, dazu, dass die Bevölkerung jährlich um 400 000 Personen abnehme. Die würden in der Industrie, im Handwerk, in der Landwirtschaft und - angesichts der älter werdenden Bevölkerung - in den Pflegeberufen fehlen.

Gute Schulbildung, so Spelsberg, sei die Voraussetzung für eine gute Ausbildung. Grundlage dafür seien wiederum Sprachkenntnisse: „Gute Sprachkenntnisse sind die Voraussetzung für Integration. Sie verhindern darüber hinaus Ghettobildung“, meinte Spelsberg. Er sprach sich zudem für eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge auf Europa sowie für ein Einwanderungsgesetz aus.

Jungen Menschen, so unterstrich der Referent, müsse zügiger der Zugang zum Arbeitsmarkt gewährt werden. „Zuwanderung muss selbstverständlich in unserer Verfassung verankert werden. Sonst, so der Referent weiter, könne in 10 bis 15 Jahren das Renteneintrittsalter bei 70 Jahren liegen. „Wer nicht den Krieg erlebt hat, kann heute nicht ermessen, wie schön es ist, in Europa zu leben. Dorthin gehen zu können, wohin wir wollen und dort zu arbeiten.“ Er fasste zusammen: „Das Wichtigste ist, dass wir Verständnis haben.“ Für seinen Vortrag erhielt Gustav-Adolf Spelsberg viel Zustimmung. „Ich bin ganz begeistert“, lobte eine Zuhörerin insbesondere den Blick in die Geschichte. Spürbar wurde aber auch, dass er die Ängste nicht ganz ausräumen konnte.

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