Auch das ist eine Folge des Borkenkäfers

Specht-Babys sterben bei Fällarbeiten

Tote Buntspechte und gefällter Brutbaum
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Am liebsten sind den Spechten alte Bäume mit viel Totholz. Hätte man vorher gesehen, dass diese Fichte bewohnt ist, stünde sie noch.

Auch das ist die Folge des Borkenkäfer-Befalls: In Halver wurde jetzt ein Baum gefällt, in dem ein Buntspecht seine eben erst geschlüpften Kinder aufgezogen hat. Jetzt sind sie tot.

Halver - Absicht war es nicht, so viel kann Ulrich Ackfeld sagen. Bei Forstarbeiten bei Bommert wurde ein Brutbaum gefällt. Einer, der bereits seit mindestens 16 Jahren jeden Frühling Buntspechten eine Möglichkeit bot, Junge zu bekommen. Britta Nieswandt weiß das genau. Von einen auf den anderen Tag war der Baum mit allen anderen drum herum gefällt worden. Auch mit den Jungtieren. Sie lagen tot unter den Baumstämmen. Müssen aus den Löchern der Fichte herausgefallen sein.

Ihren Augen konnte sie nicht trauen. Tags zuvor stand der Baum noch. „Ich verstehe das nicht. Das muss doch eigentlich vorher markiert werden“, sagt sie – und hat recht. Grundsätzlich zumindest. Der Forstoberinspektor Halvers ist verwundert, dass es zu diesem Versehen kommen konnte.

Baum war offenbar nicht kartiert

Ackfeld erklärt, dass man bei Rundgängen vor allem nach Horsten Ausschau halte. Etwa vom Rotmilan, Habicht oder Schwarzstorch. Nicht konkret nach Spechten. Hätte man den Baum aber gesehen oder wäre er kartiert gewesen, dann würde er auch jetzt noch stehen.

Jetzt aber wurde der Baum leider gefällt, bedauert Ackfeld, der dadurch aber die Buntspechte nicht gefährdet und alles in Relation sieht. Wie genau es dazu gekommen ist, kann er im Nachgang nicht sagen. Auch nicht, ob es die Fläche ist, auf der er einen Harvester im Einsatz hatte, weil in Bommert momentan auch ein anderes Unternehmen unterwegs ist. Ackfeld spricht von einem Automatismus, mit dem gefällt wird. Auch von Arbeiten im Dunkeln, die auch dem Arbeiter eine Selbsteinschätzung oft verhindern.

Auch Ameisenhaufen werden besonders geschützt

Grundsätzlich aber kartiere man sämtliche Orte, an denen Tiere beheimatet sind. Auch Ameisenhaufen. Für sie kommt extra jemand von der Ameisenschutzwarte in den Wald. Der Haufen wird dann von den Harvestern nicht berührt. Aber wenn umliegend jeder Baum gefällt wird, dann würden die Ameisen ohnehin abziehen, gibt Ackfeld zu bedenken. „Die Biotope verändern sich.“ Lebensräume, der Wald, die Tiere werden sich anpassen müssen.

„Wir versuchen, nur den Käfer zu erwischen.“ Aber auch, wenn mal so ein Unglück passiert, wie mit dem Brutbaum: „Insgesamt ist die Katastrophe drum herum viel schlimmer“, sagt Ulrich Ackfeld und meint das großflächig notwendige Abholzen des Fichtenwaldes. 4000 Lkw seit Mai 2020 wurden aus Halver abtransportiert. 150 000 Festmeter Holz.

„Der Lebensraum wird doch immer weniger und schwer genug haben sie es jetzt schon“, sagt die Halveranerin und fügt dann noch hinzu: „Ich hoffe und wünsche mir, dass viele unserer heimischen Tiere, ob groß oder klein, das ganze irgendwie überleben.“

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