So schlimm sind die Schäden im Wald durch den Borkenkäfer

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Südhang oberhalb Heesfeld. Hier zeigen sich gleich mehrere Phänomene im Zusammenhang mit der Borkenkäferplage. Das Holz müsste eigentlich aus dem Wald geholt werden. Und der Bestand wird durch die Fällungen windanfälliger. In diesem Fall ist es die Wetterseite nach Südwesten, woher die atlantischen Sturmtiefs drohen.

Halver - Förster Ulrich Ackfeld hofft „auf einen warmen, verregneten Winter“. Nur die Natur könne die weitere Ausbreitung des Borkenkäfers stoppen.

6000 Festmeter Holz werden es bis März sein, die der Käfer außerplanmäßig in einen gesättigten Holzmarkt drückt. Das ist ungefähr der Schadensfall wie beim Sturmtief Friederike am 18. Januar dieses Jahres. Zum Vergleich: Es geht um etwa die Hälfte des Jahreseinschlags im Forstbezirk Halver. 

Was macht der Käfer eigentlich? 

Der Borkenkäfer, bei der betroffenen Fichte handelt es sich in diesem Fall um den sogenannten Buchdrucker und den Kupferstecher, wird vom Geruch geschwächter Bäume angelockt, bohrt sich durch die Rinde und legt eine Paarungskammer an. Nachfolgend versucht er mit Sexuallockstoffen Weibchen in diese sogenannte Rammelkammer zu locken. Von dieser Kammer aus bohren sie Gänge zur Eiablage. 

Die Larven nagen sich während ihrer Entwicklung durch die saftführenden Schichten der Rinde und unterbrechen dabei wichtige Versorgungsleitungen. Hunderte von Borkenkäfern, die gleichzeitig im „Hochhaus“-Baum einziehen, nehmen ihm so die Überlebenschancen. 

Warum war 2018 ein gefährliches Käferjahr? 

Der heiße und trockene Sommer und Herbst haben die Bäume geschwächt, die mit genug Flüssigkeit genug Abwehrkräfte besitzen, um die Käfer zu verharzen. Im Durststress gelang ihnen das nicht. Der Käfer hatte freie Bahn. 

Den Befall in einen solchen Umfang hat Ackfeld nach eigenen Angaben „noch nie erlebt“. Der Käfer habe bis in den November und mit einer dritten Generation an den Bäumen gefressen. Ist die Gefahr nach einem kalten Winter vorbei? Nein. Der Käfer ist frostresistent und gräbt sich allenfalls tiefer ein. Fachleute gehen von einem riesigen Potenzial im Boden und unter der Rinde befallener Bäume aus.

 Der Borkenkäfer befinde sich zurzeit in der Ruhephase bis voraussichtlich März. Einzig Wärme und Feuchtigkeit und ein damit begünstigter Pilzbefall der Larven und Käfer könnte die Population wirksam bekämpfen. Anderenfalls könnte das Käfer-Szenario im kommenden Jahr noch dramatischer ausfallen, fürchtet der Förster. 

Gibt es keine chemische Keule gegen den Befall? 

Auch das ist nicht der Fall. Bei den großen Flächen ist das ohnehin nicht möglich. Eingeschränkt könnte Chemie lediglich auf bereits abgeernteten Holzpoltern eingesetzt werden. Auch gelten hierfür strenge Auflagen. Wie reagieren die Waldbesitzer auf die Schäden? Sie müssen mit immensen finanziellen Verlusten rechnen, weil der Holzpreis aufgrund des hohen Angebots massiv gesunken ist auf bis die Hälfte der Ergebnisse vor Friederike. Gleichzeitig bleiben die Kosten für Ernte und Transport in voller Höhe bestehen. 

Wie geht man jetzt im Wald vor? 

Man versuche, das befallene Holz möglichst schnell aus dem Wald zu bekommen und zu vermarkten, sagt Ackfeld. Gleichzeitig fehle es aber an anderen Stellen an Ressourcen. Den Transportunternehmen fehlen Fachkräfte als Fahrer, auch die Sägewerke suchten Fachpersonal wie Schlosser und Sägewerker, um die Kapazitäten weiter hochzufahren. Und weil der Käfer landes- und europaweit aktiv war, ließen sich – anders als bei Sturmereignissen – Vermarktungsressourcen auch nicht überregional erschließen. 

Lässt sich Holz nicht zwischenzeitlich lagern? 

Nur bedingt. Es verliert unter anderem durch Verpilzung an Wert. Zudem würden große Lagerflächen benötigt. Anbieten würden sich Grünflächen, die von den Landwirten aber dringend selbst benötigt würden, um Futter für ihre Tiere zu produzieren. Gerade nach dem Jahrhundertsommer 2018 ist das Futter extrem knapp. 

Welche Auswirkungen hat der Käfer schon jetzt auf den Wald?

Durch den massiven Einschlag wird er sturmanfälliger. Aus diesem Grund stehen nach wie vor Bäume, die vom Borkenkäfer befallen sind, an den Waldrändern. Sie werden als stärker verwurzelte Randfichten quasi geopfert, um den – hoffentlich ausbleibenden – Frühjahrsstürmen zu trotzen. 

Was sollten Waldbesitzer mittel- und langfristig tun? 

Sie werden prüfen müssen, wo die Fichte als Hauptertragsbaum überhaupt noch Sinn macht. Douglasie, Küstentanne und die Tanne auf noch überschirmten Flächen sind robuster gegen Wärme und Trockenheit. Die Fichte hingegen benötige etwa 700 Millimeter Niederschlag in der Vegetationszeit.

Ersatzweise erfolgt die Versorgung mit Wasser aus dem „Boden-Schwamm“, was bei schwierigen Standortbedingungen beispielsweise auf Kuppen, wo ein wasserhaltender Untergrund fehlt, oder an Südhängen, wo die Verdunstungsrate höher ist, schwierig ist und oft nicht ausreicht. „Das Bild im Wald wird sich verändern“, sagt Förster Ackfeld mit Blick in die weitere Zukunft.

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