Hoffnung auf Runden Tisch

Weiter Angst um Arbeitsplätze bei Firma Turck

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Halver - Wie stellt sich die Werner Turck GmbH & Co. KG für die Zukunft auf? Und was bedeutet das für die Arbeitsplätze und Arbeitnehmer? Konkrete Antworten auf diese Fragen bleiben aus.

Beim Informations- und Diskussionsabend des SPD-Ortsvereins Halver am Mittwoch fehlten ganz einfach die Informationen. Ratlosigkeit und auch Hilflosigkeit zogen sich durch den Abend, denn auch Betriebsrat und Industriegewerkschaft Metall verfügen über keinen tieferen Einblick, was Turck in Halver plant. 

„Wie steht’s mit der Informationspflicht?“, fragte SPD-Ortsvereins-Vorsitzender Martin Kastner, der das Gespräch moderierte, in Richtung Betriebsrat nach. 

Die Befürchtungen auf Arbeitnehmerseite sind nicht neu und werden befeuert durch die Aussagen der Geschäftsleitung. Im Zuge der Umstrukturierung würden „alle einfachen Montageplätze betrachtet werden“, gab Betriebsratsvorsitzender Uwe Dörder die Ansage aus der Führungsetage wieder. 

Neu war aber auch das nicht. Ähnlich hatte sich Interims-Geschäftsführer Joachim Göddertz im Gespräch mit dem Allgemeinen Anzeiger und auch mit Bürgermeister Michael Brosch geäußert. Plan der Gruppe ist demnach, Halver auf Forschung und Entwicklung sowie die Produktion von Sonder- und Kleinserien auszurichten. 

Was aber nach wie vor fehlt, sind Aussagen zur Sicherheit der Arbeitsplätze. Und hier geht Torsten Kasubke, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall im Märkischen Kreis, nach wie vor von etwa 350 Jobs überwiegend im Niedriglohnbereich aus, die der Umbau kosten könnte. Die Definition: „Alle Tätigkeiten, die man innerhalb von vier bis sechs Wochen erlernen kann.“ 

Dass etwas passieren wird, ist das Einzige, was in der derzeitigen Gemengelage klar ist. Mit Beginn des neuen Jahres wird die Gruppe einen großen Produktionsstandort in Polen in Betrieb nehmen, der explizit für die Fertigung errichtet worden ist. Dass der Werkleiter für Polen seit Monaten die Arbeitsabläufe in Halver sichtet, sei mithin kein Zufall. „Was soll der sonst dort machen“, fragte Kasubke in die Runde. 

Stimmen aber die Größenordnungen, die die Metaller-Gewerkschaft nennt, könnte das immense Auswirkungen auch in die Stadt Halver hinein haben. 6350 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze nennt Bürgermeister Brosch für die Stadt. Fielen 350 davon weg, bedeute dies annähernd fünf Prozent von der Gesamtzahl – mit Auswirkungen auch auf Infrastruktur, Kaufkraft und damit den Einzelhandel, wie nicht nur Brosch fürchtet. 

Anbieten könne die Stadt für die Firmen zunächst aber eine unternehmensfreundliche Politik, verwies Brosch auf den im Kreis günstigen Hebesatz bei der Gewerbesteuer und den Versuch, in ausreichendem Maß auch Flächen für Ansiedlungen und Firmenerweiterungen bereitzustellen. 

Man müsse die Solidarität der Bürger in Halver mit den Turck-Mitarbeitern öffentlich machen und „das Thema in die Stadt bringen“, forderte Regina Reininghaus. Es müsse nach außen deutlich werden, dass die Beschäftigten den Halveranern nicht egal seien, sagte die SPD-Ratsfrau. 

Doch ein wirkliches Packende habe die Stadt Halver selbst nicht, stellt Brosch fest. Sein Vorschlag ist ein Runder Tisch mit Firmenleitung, Betriebsrat und Gewerkschaft, nach Möglichkeit auch den Gesellschaftern und der Arbeitsagentur. Reagiere man jetzt nicht schnell, laufe die Zeit davon. 

Der Zeitfaktor, sagt Gewerkschafter Kasubke, sei nicht zu unterschätzen. Wenn erst Fakten geschaffen seien, werde noch über Sozialpläne gesprochen, nicht aber über den Erhalt von Arbeitsplätzen. Für langjährige Turck-Mitarbeiter eine kaum fassbare Entwicklung: „Werner Turck würde sich im Grabe umdrehen.“ 

Dass die Befürchtungen in der Geschäftsleitung zumindest wahrgenommen werden, dafür spricht ein Indiz: Bereits die knappe Meldung im Allgemeinen Anzeiger, dass die SPD die Informationsveranstaltung anbieten werde, habe für eine kurzfristig anberaumte Betriebsversammlung gesorgt. Anlass und Wirkung ließen Torsten Kasubke staunend zurück: „Das habe ich in den ganzen Jahren meiner Gewerkschaftsarbeit nicht erlebt.“

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