Halvers Ex-Kämmerer

Sobbeck: „Niemand wusste was über die Kosten“

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Gordon Sobbeck, einstiger Kämmerer Halvers ist seit April 2012 Bau-Dezernent im Bistum Limburg.

HALVER - Als Gordon Sobbeck am 15. Februar 2006 das Amt des Kämmerers in Halver antrat, waren die Erwartungen an ihn hoch: Neben der Konsolidierung des Haushalts wartete auf den damals 30-Jährigen auch die Anpassung der Stadtfinanzen an das Neue Kommunale Finanzmanagement (NKF).

Mehr als fünf Jahre nach seinem Abschied aus Halver hat Sobbeck es erneut mit großen Herausforderungen zu tun: als Dezernent für Finanzen, Verwaltung und Bau des in die Schlagzeilen geratenen Bistums Limburg.

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So müsste Sobbeck also für eben jenes Bauwerk mitverantwortlich sein, das aktuell in aller Welt diskutiert wird – doch endete Sobbecks Zuständigkeit offenbar vor den Mauern des Bischofssitzes. Auf mittlerweile bis zu 40 Millionen Euro werden die Kosten für die Bischofsresidenz und das neue Diözesan-Zentrum in Limburg geschätzt.

Bischof Franz-Peter Tebartz-von Elst

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, war nicht das Bistum selbst für die Baumaßnahmen zuständig, sondern der Bischöfliche Stuhl – und der unterliegt nicht Sobbecks Aufsicht. „Niemand hier wusste irgendetwas über die Kosten“, wird der ehemalige Halveraner Kämmerer in der Montagsausgabe der Zeitung zitiert. Vielmehr habe bei der Abwicklung der Maßnahme Verschwiegenheit geherrscht. Erst in der vergangenen Woche habe er von den tatsächlichen Kosten erfahren.

Was Gordon Sobbeck bereits als Finanzchef Halvers stets einforderte, formuliert er seit April 2012 auch in Limburg: Der heute 38-Jährige will nachhaltig, wirtschaftlich und sparsam mit Geld umgehen. Ein Ansinnen, das von seinem Dienstherrn, Bischof Tebartz-von Elst, nun offenbar ad absurdum geführt wird.

Dabei war die Stelle in Limburg für Sobbeck zunächst ein weiterer Schritt auf der Karriereleiter nach oben: Vor seinem Dienstantritt in Halver bot er Seminare zum NKF sowie zu dessen Eröffnungsbilanz im Kommunalen Bildungswerk an.

Nachdem er Halver im März 2008 nach nur 25-monatiger Tätigkeit verließ („aus privaten Gründen“, wie es damals hieß), trat er im April 2008 eine Stelle bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in St. Augustin bei Bonn an. Auch dort setzte er sich mit dem Themen Finanzen und Haushaltsplan auseinander. Statt um eine Haushaltskonsolidierung galt es dort für ihn jedoch, den Einsatz der Stiftungsgelder zu kontrollieren.

Als Sobbeck im April 2012 das Dezernat in Limburg übernahm, war die nun kritisierte Baumaßnahme am Domberg bereits in vollem Gange. Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ betonte der Finanzexperte jetzt, dass die Verwaltung des Baus durch den Bischöflichen Stuhl „sicherlich eine Ausnahme“ sei. In der Regel würden Baumaßnahmen durch sein Dezernat abgewickelt. „Dafür sind meine Leute und ich ja da.“ Das bestätigt auch die Internetseite des Bistums: Demnach ist das Dezernat Finanzen, Verwaltung und Bau „Dienstleister und Genehmigungsbehörde zugleich“.

Eine zentrale Aufgabe sei die Verwaltung der Kirchensteuer und des Budgets der Diözese. „Die Arbeitsfelder erstrecken sich unter anderem auf das Rechnungs- und Liegenschaftswesen, Controlling und Haushalts- sowie Stiftungsaufsicht.“ Erst Anfang Juli nahm Sobbeck in der Kirchenzeitung der Bistümer Fulda, Limburg und Mainz Stellung zu Papst Franziskus, der eine „arme Kirche“ forderte.

Dabei wurde der ehemalige Kämmerer unter anderem mit den Worten zitiert: „Die der Kirche zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel müssen sorgsam, verantwortungsvoll und effizient eingesetzt werden.“

Für eine direkte Stellungnahme war Gordon Sobbeck zunächst nicht zu erreichen.

Von Frank Zacharias

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