Storno-Quote von 90 Prozent

„Im Moment ist es zum Heulen“ - Reise-Unternehmen aus dem MK kämpft gegen Corona-Krise

Ski-Gruppenreisen Alpen Klühspies Reisen
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Ski-Gruppenreisen in die Alpen-Region sind ein wichtiges Standbein des Oberbrügger Unternehmens Klühspies Reisen.

Lockdown light, beinahe der gesamte Kontinent als Corona-Risikogebiet ausgewiesen und jetzt auch noch Diskussionen um die europaweite Schließung aller Skigebiete: Der Tourismus-Sektor leidet nach kurzer, ansatzweiser Erholung im Sommer mehr denn je unter den Pandemieschutzmaßnahmen. Einer, der unverdrossen an vorderster Front kämpft, ist Arndt Kattwinkel, Geschäftsführer des Oberbrügger Unternehmens Klühspies Reisen.

Halver - Schon im Frühjahr hatte der Spezialist für Klassenfahrten und Gruppenreisen mit voller Wucht die Folgen der Krise zu spüren bekommen. Und dennoch: Klühspies Reisen überstand die erste Welle, verzeichnete trotz aller Widrigkeiten für die bevorstehende Wintersaison 2020/21 Buchungen von rund 50 000 Gästen. Das ist zwar nur die Hälfte des Volumens „normaler“ Jahre, für einen Moment aber war es mehr als nur ein Hoffnungsschimmer.

Doch der Rückschlag folgte prompt. „Im Moment ist es zum Heulen. Wir liegen gerade bei einer Storno-Quote von 90 Prozent“, sagt Arndt Kattwinkel, „was mit den restlichen zehn Prozent ist, werden die nächsten Wochen zeigen.“

Der Hintergrund ist klar: Pauschalreisen in Risikogebiete sind nicht erlaubt, Bewertungen der Lage durch die Politik ändern sich nahezu im 14-Tage-Takt. Zudem agieren viele Schulen mit Blick auf Klassenfahrten – verständlicherweise – überaus vorsichtig.

„Unsere Kunden sind zutiefst traurig“

„Unsere Kunden sind zutiefst traurig“, hat Kattwinkel aus unzähligen Gesprächen mitgenommen. Und so ist das Klühspies-Team am Ohler Weg in Oberbrügge momentan vor allem damit beschäftigt, bereits gebuchte Reisen rückabzuwickeln. Ganz bewusst hatte die Geschäftsführung bereits bei Buchung großzügige Stornobedingungen gewährt. Quasi bis zum letzten Tag vor Abfahrt ist eine Corona--bedingte Stornierung möglich. „Das sind Bedingungen fast bis zur Selbstaufgabe“, sagt Arndt Kattwinkel, der gleichwohl die guten Beziehungen zu seinen Kunden in der Nach-Corona-Zeit bereits im Blick hat.

Derzeit befindet sich zudem die anstehende Skisaison im Fokus. Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder öffentlichkeitswirksam geforderte EU-weite Schließung aller Skigebiete sieht Kattwinkel differenziert. „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust“, gesteht der Unternehmer freimütig ein, „wenn beispielsweise die Inzidenz-Zahlen in Österreich so hoch sind wie im Moment, kann ich die Forderung nachvollziehen. Klar ist aber auch, dass die Skigebiete öffnen müssen, sobald die Zahlen es erlauben.“

Kattwinkel berichtet in diesem Zusammenhang von umfangreichen Maßnahmen-Paketen, die die Bergbahnen und Beherbergungsbetriebe in der Alpen-Region umgesetzt hätten. „Das sind Top-Konzepte“, sagt Kattwinkel, der den Skisport an sich nicht als Problem ansieht. „Après-Ski, das geht in dieser Zeit nicht, und Warteschlangen an den Liften muss man in den Griff bekommen.“

Kurzarbeit wird weiter genutzt

Ob – wie von der Branche erhofft – Skiurlaub schon zwischen Weihnachten und Neujahr möglich ist, diese Zeitvorgabe sieht Kattwinkel skeptisch. Winterferien im Februar oder März will der Touristik-Experte aus Oberbrügge aber nicht ausschließen, zumal die Entwicklung von Impfstoffen Hoffnung mache. „Ich bin optimistisch, dass wir Last-Minute-Buchungen bekommen werden und dass Klassenfahrten im Mai/Juni wieder stattfinden können, nach den Sommerferien ohnehin. Und der Winter 2021/22 wird hoffentlich wieder ein halbwegs normaler, wenn große Teile der Bevölkerung geimpft sind.“

Bis es soweit ist, wird auch bei Klühspies Reisen in Oberbrügge das Instrument der Kurzarbeit weiter genutzt. „Eine sinnvolle Maßnahme der Politik“, sagt Kattwinkel, der – analog zum Frühjahr des Jahres – alles tun möchte, um seine Mannschaft komplett im Unternehmen zu halten. „Wir sind weiterhin massiv in Kurzarbeit, das ist alles andere als angenehm. Aber wir haben ein Top-Team zusammen und wir tun alles, damit das so bleibt.“

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