Auftritt am AFG

Anecken gehört zum Programm: Solgas Spiel mit der klaren Kante

Simone Solga wunderte sich in der AFG-Aula in der Rolle als polnische Pflegekraft über „die Deutschen“.
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Migranten zur Hilfe eilen, aber Oma und Opa im Stich lassen? Simone Solga wunderte sich in der Rolle als polnische Pflegekraft über „die Deutschen“.

Da blieb manch einem Zuhörer das Lachen im Halse stecken: Kabarettistin Simone Solga trat am Sonntag in der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums auf - und hinterließ mit manchem „Spaß“ auch ratlose Gäste zurück.

Simone Solga nimmt kein Blatt vor den Mund – und dafür lieben sie ihre Fans. Die Kabarettistin, unter anderem bekannt durch ihre TV-Auftritte in Formaten wie „Nuhr im Ersten“, „Die Anstalt“ oder „Mitternachtsspitzen“, war am Sonntag in der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums zu Gast.

Im Rahmen ihres aktuellen Programms „Ihr mich auch“ servierte Solga auf unterhaltsame Weise mit temperamentvoller Schnodderschnauze und süffisantem Lächeln ihre bitterböse Sicht auf die Themen und Persönlichkeiten der Gegenwart.

Gäste verlassen auch mal vorzeitig den Raum

Wie bereits in ihren vorherigen Programmen „Im Auftrag ihrer Kanzlerin“ oder „Das gibt Ärger“, bei denen auch schon mal Gäste den Saal vorzeitig verließen, hat die in Gera geborene Künstlerin keine Probleme damit, anzuecken. Allerdings sollte es der geneigte Zuhörer schon mögen oder tolerieren, wenn bisweilen erzkonservative Standpunkte in den Raum geworfen werden, und diese nicht selten mit nur geringer bis gar keiner satirischer oder augenzwinkernder Distanz formuliert werden, sodass man den Eindruck gewinnen könnte, dass Solga manche, in AFD-nahen Gewässern wildernde Standpunkte auch genauso meint, wie sie sie äußert.

Nach der Begrüßung vom Band im spöttischen Anti-Gender-Mainstreaming-Sprech („Liebe Fetischfreunde, Diverse und Transgender“) schlüpft Solga zum Beispiel in die Rolle einer polnischen Pflegekraft. Die wundert sich über die komischen Deutschen, die zu allererst den Migranten zur Hilfe eilen, Oma und Opa jedoch schnöde im Stich und von ausländischen Pflegekräften betreuen lassen.

Ein Hohelied auf die deutsche Polizei

Ähnlich pauschalisiert begibt sich Solga in die Nähe von Stammtisch-Sprech, wenn sie zwar den Mord an George Floyd in den USA durch Polizeibeamte scharf verurteilt und ihn auch klar als Mord tituliert, im gleichen Atemzug jedoch ein Hohelied auf die deutsche Polizei singt, die allenthalben einen schweren Job habe und sich dabei anspucken und beleidigen lassen müsse. Unschöne Details rechtsextremer Beiträge in Polizei-Chatgruppen und dokumentierte Fälle von unverhältnismäßiger Polizeigewalt in Deutschland bleiben dagegen unerwähnt.

Die gestresste Lehrerin einer Brennpunkt-Schule muss sich nicht nur über Schülerin Johanna ärgern, die ihr Handy nicht ausschaltet und ihre Maske nicht aufsetzt, sondern auch über Shisha-Raucher und türkische Schülerinnen, die ihr frecherweise erklären, dass es sich bei ihrer Kopfbedeckung nicht um ein Kopftuch, sondern um einen Hidschab handelt.

Charmant, aber mitunter böse: Simone Solga bei ihrem Auftritt am AFG.

Über weite Strecken ist das Programm dann wieder eher unverfänglich, wenn zum Beispiel Politiker aller Parteien – mehr oder weniger – gleichermaßen ihr Fett wegbekommen, über den Schlager als „der kleine Alzheimer für zwischendurch“ gelästert wird oder André Rieu als „Mann, der die lustige Witwe im Stehen geigt“ gelästert wird. Auch die immer wieder schwierigen Beziehungen zwischen Mann und Frau nimmt Solga amüsant aufs Korn und konstatiert: „Männer sterben nur deshalb eher als Frauen, weil sie einfach ihre Ruhe haben wollen.“

Schließlich amüsiert Simone Solga, wenn sie den Abend in einem absurd verkürzten Schnelldurchlauf zusammenfasst, der charmant alles Zweifelhafte ausspart, und zaubert damit ein versöhnliches Schmunzeln auch auf die Gesichter derer, die einige Details an dem überwiegend unterhaltsam-frechen Kabarett der Künstlerin zumindest befremdlich fanden.

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