Bohe kritisiert Gemeindebeschluss zum Kantorei-Aus

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Die Kantorei wird künftig wohl nicht mehr unter dem Dach der Evangelischen Kirchengemeinde Halver singen.

HALVER ▪ Die Entscheidung der Evangelischen Kirchengemeinde Halver, sich von der Kantorei zu trennen, hat deren Mitglieder überrascht – Siegfried Bohe jedoch in besonderer Weise.

Denn er spielt in dem Streit zwischen Gemeinde und Chor eine tragende Rolle: Bohe ist Vorsitzender des Fördervereins für Kirchenmusik in Halver, also jenes Vereins, dessen Satzungsänderung offenbar den Ausschlag für das Aus der Kantorei gegeben hat. Jetzt wehrte er sich in einer schriftlichen Stellungnahme gegen die Vorwürfe aus Reihen des Presbyteriums.

Darin betont Siegfried Bohe den Umstand, dass Kantorei-Vertreter zuletzt am 25. Januar 2011 vom Presbyterium angehört wurden. „Seitdem hat die Gemeindeleitung alle Versuche abgeblockt, ein Gespräch mit der Kantorei zustande zu bringen“, so der Vereinsvorsitzende. „Noch nicht einmal die Forderung der Gemeindeleitung, ,die‘ Kantorei möge sich für die Strafanzeigen entschuldigen, ist jemals kommuniziert worden.“

Lesen Sie hier die Stellungnahmen der betroffenen Parteien:

Presbyterium

Kantorei

Hinsichtlich des Vorwurfs, mit der Satzungsänderung auch einen Vertreter der Gemeinde aus dem Vorstand entfernt zu haben, erinnert Siegfried Bohe an Aussagen der Presbyteriumsvorsitzenden Heike Esken im Januar 2011, als diese sich deutlich gegen klassische Kirchenmusik ausgesprochen habe. Bohe: „Und da wundert sich die gleiche Presbyteriumsvorsitzende, dass der Förderverein Vorsorge trifft, dass ein Mensch mit dieser Einstellung nicht (automatisch) Mitglied des Vorstands eines Vereins werden soll, der die genau gegenteilige Grundausrichtung hat.“ Dass nur ein Vorwand gesucht worden sei, um die Kantorei, möglichst samt Kantor, „abzuservieren“, sei leicht zu erkennen, so der Vereinsvorsitzende weiter. Und: „Eine Gemeindeleitung, die ihrer eigenen Kantorei das Singen im Gottesdienst untersagt, zeigt drastisch, was ihr die Arbeit im Bereich der Kirchenmusik bedeutet. In dieser Situation ist es Pflicht des Vorstands eines Fördervereins für Kirchenmusik dafür zu sorgen, dass die gespendeten Gelder im Fall der Auflösung der Kantorei nicht im allgemeinen Gemeindetopf landen, sondern möglichst nahe der Spenderabsicht verwendet werden.“

Das lange Zeit an der Nicolai-Kirche aufgehängte Plakat mit der Aufschrift „Wir öffnen Türen nach außen“ will Siegfried Bohe nicht länger gelten lassen. „Ich schlage einen neuen Text vor: ,Wir schließen für jeden die Tür zu, der sich nicht unserem evangelikalen Weg anschließt.‘“ So sei es schließlich geschehen, als es um den Umgang mit Homosexuellen ging, meint Bohe. „Wer eine Kantorei mit sofortiger Wirkung vor die Tür setzt, weil ein Förderverein seine Satzung geändert hat, muss sich die Frage gefallen lassen, wieweit es ihm noch ernst ist, menschlich miteinander umzugehen, von den Anforderungen an christliches Verhalten ganz zu schweigen“, so Siegfried Bohe abschließend. ▪ Frank Zacharias

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