Ein Spiegelei auf dem Dach: Die heißesten Arbeitsplätze in Halver

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Die Arbeiter in der Schürfeld-Schmiede kommen ordentlich ins Schwitzen. Um sich zwischendurch abzukühlen, legen sie immer wieder Pausen im Freien ein.

HALVER - Unermüdlich donnert der Hammer in der Schürfeld-Schmiede auf den glühend heißen Stahl nieder, um ihn in Form zu bringen. Immer wieder wischen sich die Arbeiter den Schweiß von der Stirn. Bereits früh am Tag herrschen dort 35 Grad Celsius.

Während sich die meisten Menschen in diesen Tagen erst an die hohen Außentemperaturen gewöhnen müssen, stellen Werte um die 30 Grad Celsius für andere geradezu eine Abkühlung dar.

Und so verlassen die etwa 70 Arbeiter, die in der Schmiede im Dreischichtsystem an den heißen Öfen tätig sind, mehrmals am Tag für kurze Zeit ihren Arbeitsplatz, um sich draußen etwas abzukühlen. Zudem sei es sehr wichtig, viel zu trinken, weiß Geschäftsführer Lars Schürfeld.

Ausreichend Flüssigkeit ist auch für Bibal und Muhsin Konuk das A und O. Neffe und Onkel arbeiten gemeinsam im Familien-Dönerimbiss in der Innenstadt. Neben dem Dönergrill, an dem der Fleischspieß hängt, sorgen zusätzlich eine Herdplatte und ein Pizzaofen für ordentlich Wärme. „In der Regel haben wir hier zwischen 42 und 45 Grad Celsius“, sagt Muhsin Konuk. Sein Neffe Bibal hilft meist in den Ferien aus. Um sich abzukühlen, legt er immer wieder Pausen ein.

Obwohl kalte Getränke bei der Hitze verlockend erscheinen, lassen die Konuks die Finger davon. „Wenn wir etwas Kaltes trinken würden, würden wir noch mehr schwitzen. Wir nehmen warmen schwarzen Tee zu uns. Das löscht den Durst“, weiß Muhsin Konuk. Und so kommen täglich schnell bis zu 15 Gläser des türkischen Getränks zusammen.

Viel Erfahrung mit hohen Temperaturen hat auch Dachdeckermeister Michael Wegner. Er und seine 15 Mitarbeiter verschlägt es täglich auf die Dächer der Stadt. „Wenn draußen 30 Grad sind, werden es auf dem Dach 50“, berichtet Wegner, der bereits seit 1978, mit Beginn seiner Lehre, in luftigen Höhen unterwegs ist. Auf Steildächern spielen Dachpfannen die Hauptrolle. „Gerade bei schwarzen Dachpfannen wird es so heiß, dass man sich die Knie verbrennt“, weiß Wegner aus Erfahrung. Messungen hätten ergeben, dass auf den Pfannen Temperaturen von bis zu 80 Grad Celsius erreicht werden.

„Ich habe mir auch schon mal den Spaß gemacht, ein Ei zu braten. Nach etwa einer Stunde war es fertig. Gegessen haben wir es aber nicht“, erzählt der Dachdeckermeister lachend.

Besonders heiß werde es auf Flachdächern, wenn Abdeckbahnen mit einem Brenner verschweißt werden. Gerade bei Temperaturen, wie sie momentan vorherrschen, gehe es für die Männer oft schon sehr früh aufs Dach, um die kühleren Stunden des Tages zu nutzen. „Dann gibt es auch schon mal mittags Feierabend. Es hat ja keinen Zweck, die Leute zu quälen“, sagt Wegner. Zudem könne das Material ab einer bestimmten Temperatur eh nicht mehr verarbeitet werden.

Über einen zu heißen Arbeitsplatz kann sich Metzgermeister Reiner Wiebel nicht beschweren. In seinen Kühlräumen herrschen Temperaturen zwischen zwei und sechs Grad. „Es ist sehr wichtig, die Kühlkette möglichst nicht zu unterbrechen“, weiß Wiebel. Daher schlachtet er Rinder gleich neben der Kühlhalle selbst: „Dann kann das Fleisch direkt zum Abhängen ins Kühlhaus.“ Während Fleisch bei zwei bis vier Grad Celsius aufbewahrt werde, reichten für Wurst Temperaturen um die sechs Grad Celsius: Aber: „Wenn es so heiß ist wie jetzt, bringen wir auch die Wurst bei zwei bis vier Grad unter.“ Dadurch sei es für die Kunden etwas leichter, sie gut nach Hause zu bringen.

Der ständige Wechsel zwischen den Temperaturen draußen und im Kühlhaus ist nicht so einfach für den Körper. Wiebel sieht es positiv: „Es ist zwar ein Kälteschock, aber gut für den Kreislauf, da wird man wenigstens gut wach.“J Jana Peuckert

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