Sexspielzeug und Kondome

Automat für gewisse Stunden: Der Betrieb lohnt sich

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Kondome und Sexspielzeug kosten immer 4 Euro.

Halver - An einer Hauswand an der Frankfurter Straße hängt ein Automat, an dem Erotikartikel gekauft werden können. Bereits seit sechs Jahren lohnt sich der Betrieb für die Firma. Die Anonymität spielt beim Kauf eine große Rolle. Rudolf Mann vom Fachbereich Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz sieht noch einen weiteren wichtigen Aspekt.

Früher prägten Kaugummi- und Zigarettenautomaten an Hauswänden das Stadtbild. Heute befinden sich Automaten eher in Gebäuden – je nach Sortiment versteckt in den Toiletten von Kino, Gaststätte und Supermarkt. Aus Kaugummis wurden neben Hygieneartikeln wie Tampons, Zahnbürsten und Fleckenentferner vor allem Erotikartikel. Ob Minivibratoren, Massagestäbe oder Kondome in verschiedenen Farben und Formen – das alles bekommt man auch an einem Automaten an der Frankfurter Straße, gleich gegenüber der Nicolai-Kirche. 

Die Hauswand der ehemaligen Kneipe Zum Löwen und des griechischen Imbisses Hellas sorgt seit sechs Jahren für einen guten Umsatz von Sexspielzeug und Kondomen, laut Dominik Bögershausen.

Hausbesitzer bekommen 20 Prozent

Der Inhaber von Euro-Mat West Bögershausen vertreibt und bestückt die Automaten in ganz NRW, einen auch in Halver. Aber wie kommt er an eine Hauswand in Halver? Bögershausen sagt: „Das ist sehr unterschiedlich. In diesem Fall haben wir vor sechs Jahren eine Anfrage gestellt, weil wir gesehen haben, dass bereits ein Zigarettenautomat an der Hauswand hängt. In manchen Fällen haben die Hausbesitzer auch an unserem Automaten Interesse.“

Für die Hausbesitzer ist das Anbringen der Automaten kostenlos und mit keiner Verpflichtung verbunden. Im Gegenzug dafür, dass die Hauswand zur Verfügung gestellt wird, bekommt der Hausbesitzer 20 Prozent des Bruttokasseninhalts. Das bedeutet für Halver mit einem Jahresumsatz zwischen 200 und 500 Euro maximal 100 Euro. 

Der Verkauf von Kondomen macht dabei rund 40 Prozent aus, 60 Prozent werden durch die Erotikartikel umgesetzt. „Früher wurden mehr Kondome am Automaten gezogen“, sagt Bögershausen. „Aber die Kunden kaufen lieber größere Mengen im Internet.“ 

Das betrifft auch die Erotikartikel, die im Internet auf Wunsch ebenfalls bestellt und anonym geliefert werden können. Wenn der Postbote dann ein Paket von „Drucker 2000“ bringt, kommt er nicht auf falsche Gedanken. Im Automaten gibt es daher Artikel, die es im Internet nicht zu kaufen gibt. „Der Renner ist der Mini-Vibrator für Frauen“, weiß Dominik Bögershausen. Alle sechs Wochen kommt ein Mitarbeiter des Unternehmens und füllt den Automaten wieder auf.

„Wir legen sehr viel Wert auf die Hygiene.“ Unsere Mitarbeiter reinigen und desinfizieren den Automaten regelmäßig“, sagt der Betreiber. Für den Fall einer Beschmutzung oder Beschädigung steht zudem eine Telefonnummer auf dem Automaten. Der Automat an der Frankfurter Straße wurde seit 2013 dreimal komplett getauscht – aufgrund von Vandalismus oder Defekten.

Anwohner finden den Automaten störend

Die Automaten hängen nur selten an Hauswänden, sondern meist in Gebäuden – auf Toiletten in Gaststätten, Kinos und auch in Supermärkten. Für das Anbringen an einer Hauswand braucht Bögerskamp keine Genehmigung der Stadt. „Nur in Wuppertal muss ich eine Sondernutzungsgebühr bezahlen.“ Die Entscheidung liege aber alleine beim Hausbesitzer. 

Auf Anfrage unserer Zeitung sagen einige Anwohner, dass sie die Automaten unpassend finden. Es würden zu viele Kinder an der Straße entlang laufen und so ein Automat gehöre, wenn überhaupt, in ein Gebäude und nicht an eine Hauswand. 

Solche Sichtwiesen kennt Bögerskamp. „Wir arbeiten mit einer großen Supermarktkette zusammen, in der Familien einkaufen gehen. Das liegt mitunter daran, dass wir auf Nacktheit, Scherzartikel und bestimmte Begriffe bewusst verzichten.“ Dass Kinder an dem Automaten vorbeilaufen, sei seiner Meinung nach kein Problem. „Es gibt Automaten, an denen steht auffällig ‘Kondomautomat’ – wenn sich darüber Anwohner echauffieren, kann ich das noch ansatzweise verstehen. Sonst aber nicht“ Abgesehen davon: „Es kann nichts passieren, außer dass die Jugendlichen die Artikel auch benutzen.“

Aspekt der Prävention wichtig

Rudolf Mann findet den Automaten „nicht problematisch“. Der Aidsberater und Berater für sexuelle Gesundheit vom Märkischen Kreis sieht vielmehr den präventiven Aspekt im Vordergrund und nicht das Tabu, das sich in vielen Köpfen abspiele – und das, obwohl sich der gesellschaftliche Umgang mit Sexualität deutlich geändert habe. 

Der Automat stellt mit seinem Angebot von Kondomen eine Prävention von Geschlechtskrankheiten und ungewollten Schwangerschaften dar. Mann weiß jedoch aus seiner Arbeit mit Jugendlichen: „Vor dem Erwerb und dem Gebrauch haben Jugendliche keine Hemmungen mehr. Mir war und ist es jedoch noch immer wichtig, dass sie wissen, wo sie welche erwerben können.“ Früher gab es Kondome nur in Drogerien, Apotheken und beim Friseur.

Dass es keine Scherzartikel in dem Automaten von Euro-Mat West Bögerskamp gibt, unterstützt einen weiteren Aspekt, den Mann befürwortet. „Über Sexualität Witze zu machen entkrampft und löst Ängste. Aber wieso müssen Menschen über ihre eigene Sexualität erst lachen?“ Je mehr Tabus – sofern es denn noch welche sind – gebrochen werden, desto unbefangener und sicherer werde der Umgang mit der Sexualität – ein Automat an einer Hauswand trage auf seine Weise dazu bei. „In Berührung kommen Jugendliche mit dem Thema durch die übersexualisierten Medien sowieso“, sagt Rudolf Mann.

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