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Ukraine-Hilfe mit Wolle und Stricknadel: Wollspenden benötigt

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Von: Florian Hesse

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Strickrunde im Seniorenzentrum Bethanien für die Ukraine.
Strickrunde im Seniorenzentrum Bethanien: Valeria Leller (von links), Waltraud Spiteri und Helga Gogarten. © Florian Hesse

Sie sitzen an dem kleinen Tisch und tun das, was sie richtig gut können: stricken. Vor ihnen stapeln sich Strümpfchen und Mützchen, Schals und Tücher. Gestrickt wird jetzt für die Ukraine. Eigentlich jeden Tag.

Halver - Valeria Leller ist 88 Jahre alt, Waltraud Spiteri 87 und Helga Gogarten ist mit 74 Jahren das „Küken“ in der Runde. Vor Jahren schon haben sich die Bewohnerinnen des Seniorenzentrums Bethanien zusammengefunden, als sie ihre gemeinsame Liebe zur Handarbeit entdeckten. „Etwa drei Jahre müssten es sein“, überlegt Helga Spiteri, während die Nadeln Zentimeter um Zentimeter Wollfaden vom Knäuel nehmen und verknüpfen. „Wir können stricken und quatschen, und zwischendurch gibt’s einen Capuccino“, sagt Helga Gogarten. Der Besuch des Reporters irritiert nicht weiter. Und der Gast staunt über die Multitasking-Fähigkeiten der Damenrunde. Wie oft sie hier sitzen, will er wissen. „Eigentlich immer“, ist die Antwort. „Wenn wir nicht stricken, fällt das auf.“

Strickrunde im Seniorenzentrum Bethanien für die Ukraine.
Strickrunde im Seniorenzentrum Bethanien für die Ukraine. © Florian Hesse

Doch die Klön-, Strick- und Cappuccino-Runde hat seit einiger Zeit einen überaus ernsten Hintergrund. Durch Fernsehberichte und Zeitungsartikel auf die Notlage in der Ukraine aufmerksam geworden, überlegte das Trio, die Menschen in der krisengeschüttelten Region zu unterstützen. Besonders blieb Helga Gogarten ein Bild im Gedächtnis von fliehenden, frierenden Kindern.

Was sie nun tun könnten, lag damit auf der Hand. Die Produktion im Wohnbereich II des Seniorenzentrums Bethanien war ab sofort zugeschnitten auf kleine Kinder, die warme Sachen brauchen. Eine Mitarbeiterin ihres Wohnbereichs leitet die Sachen weiter an die das Netzwerk Flüchtlingshilfe Schalksmühle. Die Flüchtlingshilfe bringt die Strickwaren dahin, wo gerade die Not und der Bedarf ist. Dass sich das strickende Trio im hellen Gemeinschaftsraum mit Größen oder Formen verhaut, scheint dabei ausgeschlossen. Die Versorgung erst von eigenen Kindern, dann von Enkelkindern war schon immer Normalität. Von den Familien kommt vielfach auch das Ausgangsmaterial.

Strickrunde im Seniorenzentrum Bethanien für die Ukraine.
Strickrunde im Seniorenzentrum Bethanien für die Ukraine. © Florian Hesse

Doch das reicht nicht mehr aus, seitdem die strickenden Damen vom Wohnbereich II die „Produktion“ erhöht haben. Wolle ist teuer, und außerdem sollte es vernünftige sein. Für die kleinen Strümpfchen, gebraucht werden 100 Gramm, liegen allein die Kosten für die Wolle bei 8 bis 12 Euro pro Paar. Ein Pullover kostet bei 400 bis 600 Gramm entsprechend ein Vielfaches. Denn von billiger Wolle aus Kunstfaser halten die Profis nun mal aus Erfahrung nichts. „Da schwitzt man leichter, und es geht schnell kaputt.“ Dann lohne es auch den Aufwand nicht.

Strumpfwolle müsse es sein mit einer Beimischung von Kunstfaser, um sie für die Wäsche stabil zu sein. Davon könnten die Damen mehr gebrauchen. Wer mit einer Wollspende helfen möchte, rennt bei Helga Gogarten, bei Waltraud Spiteri und Valeria Leller im Bethanien offene Türen ein.

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