Dauerthema an Schulen

Seiteneinsteiger sorgen für Entlastung in Schulen

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Schulalltag: Durch den aktuell herrschenden Lehrermangel an Schulen, werden die Schüler vermehrt von Seiteneinsteigern unterrichtet. Als Dauerlösung wird dieser Weg jedoch nicht angesehen, gleichwohl ein gewöhnlicher Unterrichtsalltag ohne Seiteneinsteiger momentan nur schwer zu realisieren ist.

Halver - Seiteneinsteiger an Schulen sind ein Dauerthema. In Halver gibt es sie auch, beispielsweise am Anne-Frank-Gymnasium. Wir sprachen mit Schulleiter Paul Meurer.

„Der Lehrkräftebedarf wird zunehmend durch Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger gedeckt, d.h. Personen ohne grundständige Lehramtsausbildung“, heißt es im Bericht Bildung in Deutschland 2018 vom Statistischen Bundesamt. „Wir am Anne-Frank-Gymnasium haben gute Erfahrungen mit Seiteneinsteigern gemacht“, erklärt Paul Meurer, der Seiteneinsteiger gleichwohl nicht als Optimallösung ansieht. „Wenn ich die Wahl zwischen einem Seiteneinsteiger und einem fakultierten Lehrer habe, ziehe ich den fakultierten Lehrer vor.“ 

Doch warum müssen Schulen wie das AFG überhaupt auf Seiteneinsteiger zurückgreifen? „Angesichts der seit 2015 nach Deutschland neu zugewanderten Kinder und Jugendlichen sowie steigender Geburtenzahlen hat sich die Situation (...) verschärft“, ist dem Bericht Bildung in Deutschland 2018 zu entnehmen. Paul Meurer sieht jedoch weitere Gründe: „Wir müssen auf Dauer die Frage klären, warum der Beruf Lehrer so unattraktiv ist. Zudem sehe ich einen weiteren Grund für den Lehrermangel darin, dass vor einigen Jahren die Anforderungen für eine Zulassung zum Lehramtsstudium drastisch gestiegen sind.“ 

Lehrermangel an den Schulen

So liegt der Nummerus Clausus (NC) an der Universität Siegen für ein Lehramtsstudium im Bereich Biologie bei einem NC von 1,8. Gleiches gilt für das Fach Sozialwissenschaften an der Universität Köln. Aufgrund des Lehrermangels greifen die Schulen also immer wieder auf Seiteneinsteiger zurück. „Wir haben seit 2010 Seiteneinsteiger bei uns an der Schule“, verrät Meurer und ergänzt: „Wir haben bis jetzt fünf Lehrer als Seiteneinsteiger, einen weiteren wollen wir gerade durch die Examensprüfung bringen.“

Den Fall, dass ein Seiteneinsteiger seine Umschulung abgebrochen oder nicht bestanden hat, gab es am AFG bisher nicht. „Das ist auch eine Frage der Betreuung. Allerdings ist es auch so, dass nur derjenige eine Chance hat, der sich darauf einlässt. Bei uns haben alle ihr Examen recht gut absolviert“, verrät Meurer. Trotz der guten Erfahrungen mit Seiteneinsteigern prophezeit der Schulleiter: „Wir werden in den nächsten Jahren Probleme bekommen, wenn wir das Berufsfeld Lehrer nicht professionalisieren. Da hat das Land aber noch nicht die richtigen Mechanismen gefunden. Klar ist nämlich, dass der Beruf komplexer geworden ist.“ 

Keine kritische Betrachtung

Dass Seiteneinsteiger am AFG nicht von Vornherein kritisch betrachtet werden zeigt auch, dass man am Halveraner Gymnasium Wege sucht, um die Vorteile der Berufsneulinge bestmöglich zu nutzen. Dr. Hüsnü Topal ist beispielsweise ein solcher Seiteneinsteiger am AFG. „Wir wollen schon seit längerem ein eigenes Schülerlabor aufbauen. Dr. Topal kann uns dabei helfen dieses Labor zu errichten“, ist Paul Meurer dankbar für die Unterstützung des Doktors der Naturwissenschaften, der nun alsSeiteneinsteiger den Schülerinnen und Schülern am Anne-Frank-Gymnasium die Fächer Biologie und Physik näher bringt.

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