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Sechs Monate Umleitung - das Leiden der L892

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Von: Sarah Lorencic

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Steven Gall steht in Halver Oberbrügge an der Heerstraße
Steven Gall versteht den Sinn hinter den zig Warnbaken nicht. Reihenweise kippen sie um, sind kaputt und liegen nah an der Fahrbahn oder in der Böschung. Während der Verkehr vor Schmidtsiepen stockt, rasen die Verkehrsteilnehmer den Rest der Heerstraße zum Teil durch Oberbrügge durch. © Lorencic, Sarah

Wenn es in Holland regnet, springen die Ampeln für Fahrradfahrer schneller auf Grün. Innovativ findet das der gebürtige Niederländer Steven Gall. Wenn er sich allerdings die Situation in seiner Wahlheimat auf der Heerstraße (L892)in Oberbrügge ansieht, fällt ihm nicht mehr viel ein. Er versteht nicht, was Straßen.NRW macht. Ein Rückblick auf sechs Monate Umleitung 8, oder: das Leiden der Heerstraße.

Halver/Oberbrügge – Noch zwei Tage, dann ist die B229 zwischen Lüdenscheid-Brügge und Halver-Ostendorf wieder frei (am Samstag, 19. Februar) – zumindest bis zur nächsten Sperrung, die dann wieder die L892 zur Umleitung werden lässt und den gesamten Verkehr durch Oberbrügge leitet.

Als letzte Maßnahme mit Absicht auf Besserung hat Straßen.NRW auf einen Lkw-Unfall reagiert. Ein Sattelschlepper kam vor rund vier Wochen von der Straße ab und kippte aufs Feld. Dass die Fahrbahn eine zu geringe Breite aufweist, ist nicht neu. Nicht umsonst ist die Straße normalerweise für den Schwerlastverkehr gesperrt.

Dass die Bankette kaputt ist, ist indes neu. Um sie zu schützen und auch ein weiteres Überfahren der Fahrbahn zu verhindern, wurden zig Warnbaken entlang der Fahrbahn aufgestellt. Sie sollen mehr Sicherheit bieten, erklärt Andreas Berg, Pressesprecher von Straßen.NRW. Steven Gall findet, die Baken bewirken genau das Gegenteil. Die Fahrbahn wird noch enger und Lkw fahren die rot-weißen Planken einfach um. Reihenweise liegen sie in der Kurve in Höhe Schmidtsiepen, in der Böschung oder am Hang. Zum Teil müssen die einzelnen Elemente auf der Fahrbahn gelegen haben, bis sie jemand weggeräumt hat. Hinter der Leitplanke liegen zudem sämtliche Autoteile und Seitenspiegelüberreste.

Am Ende bleibt den Lkw nur das Stehenbleiben und warten, bis der Gegenverkehr an ihnen vorbei ist. So staut es sich nicht nur aufgrund des Verkehrsaufkommens und der schwierigen Abbiegesituationen an beiden Enden der Heerstraße, sondern auch mittendrin – einfach weil es zu eng ist, wenn sich zwei Lkw begegnen. Dass entlang des Asphalts gefahren wurde, sieht man an tiefen Spurrillen am Rand. Gefährlich findet das der Oberbrügger. Geht es doch in Fahrtrichtung Oberbrügge direkt steil bergab.

Steven Gall hält eine Geschwindigkeitsbegrenzung für sinnvoller. Er selbst habe bereits mit der Stadt und auch dem Märkischen Kreis Kontakt aufgenommen. Zuständig in diesem Fall ist aber Straßen.NRW. Chancen sieht der 55-Jährige nicht mehr. Er findet: „Kommunen sollten mehr Einfluss auf solche Situationen haben.“

Doch zumindest kontrollieren könnten Kreis und/oder Polizei die Geschwindigkeit. Vor allem die von 30 km/h an der Querungshilfe im Zentrum von Oberbrügge, findet Gall. Für die Schülerinnen und Schüler wurde dort neben einer Geschwindigkeitsreduzierung seitens der Stadt eine Smiley-Anlage aufgestellt. Auswertungen zeigen deutliche Geschwindigkeitsüberschreitungen. Der Smiley soll sensibilisieren. Denn blitzen kann man an der Stelle nicht.

Das erklären sowohl Alexander Bange, Pressesprecher des Märkischen Kreises, als auch Christof Hüls, Pressesprecher der Kreispolizei. Technisch sei es einfach nicht möglich, weil eine gerade Strecke notwendig sei. Und eine passende Stelle gebe es auch nicht – die Bushaltestelle müsse frei bleiben, und auf Grundstücken von Anwohnern würde man zu schnell entdeckt. Doch auch auf dem Rest der Heerstraße blitzen weder Kreis noch Polizei häufig. Wie Christof Hüls erklärt, liege der Fokus der Kollegen derzeit vor allem auf den Umleitungsstrecken, die sich durch die Sperrung der A45 ergeben. Der Kreis beruft sich auf nur einzelne Verstöße gegen Tempo 50.

Wenn sich der Verkehr ab Samstag, 19. Februar, wieder für eine Zeit verschiebt, hofft Steven Gall, dass das Problem Heerstraße nicht verschoben wird – und wenn die Heerstraße wieder herhalten muss, dass nicht wieder Baken aufgestellt werden.

Das nächste Mal wird schon Ostern sein. In den Ferien steht eine weitere Sperrung der B229 an. Man hofft, dass dann nicht noch mehr versteckte Probleme auftauchen.

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