Sechs Jahre Haft und Entziehungskur

HALVER/HAGEN ▪ Ümit K. zeigt keine große Regung, als er am Montag das Urteil der Kammer hört: sechs Jahre Haft und die Unterbringung in eine Entziehungsanstalt. Mit der Entscheidung liegt das Gericht über den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. So hatte Staatsanwalt Klaus Knierim versuchten Totschlag angenommen und fünf Jahre Haft für angemessen erachtet.

Der Verteidiger des Halveraners sah keinen versuchten Totschlag, sondern lediglich eine gefährliche Körperverletzung als verwirklicht an, weshalb er eine Strafe von drei Jahren gefordert hatte. Die Kammer sah die Aussage des Angeklagten – der in seiner Einlassung angegeben hatte, nur zugestochen zu haben, weil ihn der 17-Jährige zuvor provoziert hatte – aufgrund der glaubhaften Zeugenangaben als widerlegt an.

Aufgrund von Alkohol- und Drogenkonsums habe der Halveraner Ümit K. allerdings im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit gehandelt, was sich letztlich positiv auf die Urteilsfindung ausgewirkt hatte. Auf der anderen Seite sprachen gegen den 21-Jährigen jedoch zahlreiche Vorstrafen.

Bezüglich der Frage, ob versuchter Totschlag oder „nur“ gefährliche Körperverletzung vorlag, bezog sich der Vorsitzende Richter auf die Tatsache, dass in der Lederjacke des Opfers mehrere Einstiche im Oberkörperbereich festgestellt worden waren, die jedoch aufgrund der festen Bekleidung nicht bis zum Körper durchgedrungen waren. „Aber wenn man mehrere Stiche auf den Oberkörper eines Menschen ausführt, dann weiß jeder, dass man da Verletzungen herbeiführen kann, die tödliche Folgen haben können. Damit liegt hier bedingter Tötungsvorsatz vor“, so der Vorsitzende.

Die Kammer des Landgerichts ordnete an, dass vor Antritt der Therapie in der Entziehungsanstalt erst ein Jahr Haft verbüßt werden muss. Wenn die Therapie erfolgreich zum Abschluss gebracht wird, besteht für Ümit K. die Chance, dass der Rest der Strafe dann vielleicht zur Bewährung ausgesetzt werden kann. ▪ Jana Peuckert

DER FALL

Seit dem 11. März musste sich Ümit K. aus Halver vor dem Hagener Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 21-Jährigen versuchten Totschlag, gefährliche Körperverletzung und schwere räuberische Erpressung vor. Ümit K. hatte eingeräumt, am 10. Dezember 2010 auf einen 17-Jährigen eingestochen zu haben. Dabei hatte das Küchenmesser mit der 15 Zentimeter langen Klinge die Lunge des Opfers lebensgefährlich verletzt. Zudem hatte der Angeklagte am 15. Dezember maskiert und mit einem Schreckschussrevolver bewaffnet ein Sonnenstudio in Halver überfallen und 303,05 Euro erbeutet.

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