Dürrejahr

Schwierige Ernte: Landwirte haben es nicht leicht

Thomas Wiethege zieht Bilanz des dritten Dürrejahrs in Folge. Man könne nur hoffen, dass im kommenden Jahr das Wetter besser werde. Einen anderen Plan haben die Landwirte nicht.
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Thomas Wiethege zieht Bilanz des dritten Dürrejahrs in Folge. Man könne nur hoffen, dass im kommenden Jahr das Wetter besser werde. Einen anderen Plan haben die Landwirte nicht.

Halver - 2020 ist das dritte Dürrejahr in Folge. Wie sich das Wetter auf die Ernten der Halveraner Landwirte auswirkt, haben wir mit Thomas Wiethege, Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Halver, Besprochen. Ein Blick zurück in die Anfänge zeigt, dass Regen ein Grund für die Etablierung der Bauernhöfe war. Jetzt ist nichts, wie es einmal war.

„Die Ernte ist nicht mehr das, was sie einmal war“, sagt Landwirt Thomas Wiethege. Das dritte Dürrejahr in Folge nähert sich dem Ende. Die Bilanz fällt nicht gut aus.

Ein Auszug aus dem Buch zum 150-jährigen Bestehen des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Halver skizziert ein Bild der Anfänge der Landwirtschaft in Halver, der Zeiten, die es nicht mehr gibt: „Natürliche Standortfaktoren wie Klima, Bodengüte und Mittelgebirgslage, aber auch Marktnähe und Strukturwandel haben das Bild der Landwirtschaft in Halver geprägt. Das raue Mittelgebirgsklima mit hohen Niederschlägen und die Hanglangen der landwirtschaftlichen Flächen ließ vorwiegend kleinbäuerliche Familienbetriebe entstehen, die bis in die 50er-Jahre als Gemischtbetriebe geführt wurden.“ Geschrieben hat diesen Text Hans Koopmann 1976. Vom rauen Mittelgebirgsklima mit hohen Niederschlägen ist in den vergangenen Jahren nicht mehr viel übrig geblieben.

Heu- und Strohernte

Als Stroh bezeichnet man die getrocknete oberirdische Biomasse von Getreide nach dem Dreschen, also nach Entnahme ihrer Samen. Als Heu bezeichnet man die getrocknete oberirdische Biomasse von Grünlandpflanzen wie Gräser, Kräuter und Hülsenfrüchte. Es dient in der Regel als Futter für Nutz- und Haustiere. Dreimal wird im Jahr Gras geschnitten. In den vergangenen zwei Jahren waren der erste und zweite Schnitt gut, sagt Thomas Wiethege. Der dritte war sehr schlecht. In diesem Jahr ist es andersherum. Die ersten zwei Grasschnitte waren „schwach“, der dritte dafür „ganz ordentlich“.

Bauern sind "heiß auf Mais"

Wiethege ist Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Halver. Er spricht für alle seine Kollegen: „Man muss den Bauern verstehen, dass er heiß aus Mais ist.“ Mais stehe noch am besten da bei der Ernte. Die Wildschweine hätten in diesem Jahr zwar viel Ärger gemacht, aber Mais erzielt nach wie vor den besten Ertrag – auch in diesem Jahr prognostiziert Wiethege eine „ziemlich gute“ Ernte, auch wenn die Kolben nicht mehr alle gut ausgebildet sind. „Wenn der Mais nicht wäre, sehe es düster aus.“

Heiß auf Mais: Noch steht der Mais in Halver. Schon bald beginnt die Ernte für die Silage.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) rechnet in diesem Jahr mit einer Getreideernte von 42,4 Millionen Tonnen. Damit bleibt die Getreideernte rund zwei Millionen Tonnen beziehungsweise knapp fünf Prozent hinter dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 in Höhe von 44,4 Millionen Tonnen zurück. Die Winterrapsernte beziffert der DBV auf 3,3 Millionen Tonnen. Dies geht aus der abschließenden Erntebilanz des Bauernverbandes hervor, die auf Daten aus den Landesbauernverbänden basiert. „Die diesjährige Getreideernte fällt insgesamt zum wiederholten Male unterdurchschnittlich aus, mit extremen regionalen Unterschieden. Das Jahr 2020 war vielerorts das dritte, durch Wetterextreme geprägte Jahr, was einige Betriebe in ihrer Existenz gefährdet“, heißt es.

Aber trotzdem reicht das Futter nicht aus. Konnten Bauern ihre Tiere früher selbst versorgen, müssen sie heute Futter zukaufen. Das ist zu teuer, sagt Wiethege, und man weiß nicht mehr, woher man welches bekommen soll. Eine Chance besteht bei Mais, der eigentlich in Biogasanlagen gehen würde – Landwirte hätten jedoch Vorrecht und können diesen Mais vorher kaufen. Günstig sei das nicht. Wer es sich nicht leisten kann, Futter zuzukaufen, muss sich über kurz oder lang von Tieren trennen.

Was ist die Lösung?

Einfach mehr Mais anbauen? Das ist nicht möglich. Auf Grünlandflächen kann kein Mais angebaut werden. Und auch eine andere Möglichkeit sehen die Landwirte nicht. „Es gibt keine Pflanze, die die Landwirte rettet.“ Lediglich mit Zwischenfrüchten versuchen die Landwirte, mehr aus ihren Ernten herauszuholen. Mit Getreide als Zwischenfrucht können die sonst vegetationslosen Zeiträume genutzt werden. Aber auch Getreide gehe in Halver nicht besonders gut. „Ansonsten, muss ich ehrlich sagen, haben wir keine guten Ideen. Jedes Jahr hoffen wir, dass es wieder normal wird. Oft seien bereits regionale Unterschiede zu beobachten. Felder von Wiethege liegen in einem Radius von 13 Kilometern – manches Feld hatte einen besseren Ertrag als das andere.

Wald kommt als Problem noch hinzu

Der Milchpreis ist immer ein Thema. Derzeit bekommen Milchbauern 32 Cent pro Liter, 40 Cent bräuchten die Erzeuger mindestens, sagt Wiethege. Dieses Jahr kommt noch der Wald dazu. „Viele Landwirte sind auch Waldbesitzer“, sagt der Halveraner. „Früher sagte man, der Wald ist die Sparkasse der Bauern.“ Jetzt fährt sie in Containern nach Übersee. „Es ist alles sehr verzahnt.“

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