„In Schwarz und Gelb steh‘n wir...“

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Michael Badura, vielen bekannt als Sänger der Halveraner Band „midlive“, wurde von Musikproduzent Dieter Falk für den BVB-Jahrhundertchor gecastet.

HALVER ▪ Während die Anhänger der „Königsblauen“ bereits von der Meisterfeier träumen, hatten die Anhänger des BVB 09 in dieser Saison einen ganz eigenen Grund zum Feiern: Am 19. Dezember 2009 feierte der Verein sein 100-jähriges Bestehen – wie es sich gehört, mit einer großen Party im Signal-Iduna-Park und anschließender Feier in der Westfalenhalle.

Mehr als 80 000 BVB-Fans nahmen live an diesen Veranstaltungen teil, weitere Millionen verfolgten die Übertragungen am TV. Einem heimischen Fan wird das Jubiläum „seines“ Vereins ganz besonders in Erinnerung bleiben, denn er gehört zu den 40 Sängerinnen und Sängern, die den BVB-Jahrhundertchor bilden: Michael Badura, vielen bekannt als Frontmann der Halveraner Band „midlive“.

„Das war schon ein ganz besonderes Erlebnis“, erinnert sich der Dortmunder – und das, obwohl er schon seit vielen Jahren auf der Bühne steht und sowohl als Solo-Künstler als auch in verschiedenen Bands Erfahrungen vor einem großen Publikum gemacht hat. „Aber vor 80  000 Menschen singt man halt auch nicht alle Tage.“ Dabei hatte sich die Idee, sich für den BVB-Jahrhundertchor zu bewerben, eigentlich ganz spontan ergeben. „Der BVB hatte öffentlich zum Casting eingeladen – jeder, der Fan ist und singen kann, durfte teilnehmen“, erzählt Badura. Und weil er gerade in der Nähe war und eine Stunde Zeit hatte, entschloss sich der Sänger spontan, sein Glück zu versuchen.

Statt einer kleinen Gruppe von Bewerbern fanden sich dann jedoch mehr als 300 Frauen und Männer, jung und alt, im Conference Center des Borussiaparks ein. „Darunter waren viele gute Sänger und echt nette Leute.“ In Gruppen à 40 Personen traten die Kandidaten dann vor die dreiköpfige Jury – und diese bestand nicht gerade aus unbekannten Personen: Norbert Dickel, ehemaliger Fußball-Profi, als „Held von Berlin“ schon zu Lebzeiten eine Dortmunder Legende und derzeit Stadionsprecher des BVB, war dort ebenso zu finden wie der Musikproduzent Dieter Falk, vielen bekannt als Juror einer Popstars-Staffel. Dritter im Bunde war DJ Ötzi-Manager Wolfgang Kaminski. „Wir suchen Leute, die die Töne treffen, Ausstrahlung haben und eine Rampensau sein können“, hatte Dieter Falk im Vorfeld erklärt. Während die ersten im Bunde bereits ihr Können oder vielmehr ihre Leidenschaft für den Fußballverein unter Beweis stellten, fragte sich Badura noch, mit welchem Lied er vor die Jury treten sollte – schließlich gab es für jeden nur wenige Sekunden, um diese zu überzeugen. „Durch meine Auftritte mit den Bands habe ich derzeit mehr als 500 Songs im Repertoire, die ich sofort singen könnte, angefangen von den Beatles und den Stones bis hin zu Abba und Robbie Williams.“ Letztlich entschied sich Badura für George Michaels „Don‘t let the sun go down on me“ – mit Erfolg. Denn nach einer Strophe habe Falk ihn aufgefordert, nochmals zu singen, begleitet von ihm selbst am Klavier. Das Urteil der Jury war eindeutig. Badura war dabei – und mit ihm 39 weitere Männer und Frauen, Jungen und Mädchen.

Noch am gleichen Tag wurde der Chor-Part der neuen BVB-Hymne, komponiert von Dieter Falk, eingesungen, weitere Aufnahmen, unter anderem das Stück „Leuchte auf mein Stern Borussia”, folgten. Und dann rückte der große Tag des Jubiläums näher, inklusive der Auftritte im Stadion und in der Westfalenhalle. Drei Proben, vor allem hinsichtlich der Aufstellung, schlossen sich an. Dass am 19. Dezember minus 16 Grad herrschten, verursachte bei den Sängern nur vor dem Auftritt Gänsehaut. „Als es nach dem Schlusspfiff des Bundesligaspiels gegen Freiburg auf die Bühne ging, war keinem mehr kalt“, erinnert sich Michael Badura. Bekleidet mit den Jubiläumstrikots sang der Chor die Jubiläumshymne „Schon seit vielen Jahren“, anschließend stürmte die Mannschaft um Trainer Jürgen Klopp die Bühne und man sang gemeinsam weiter. „Für viele war das ein Wahnsinnserlebnis. Viele waren sichtlich berührt und haben sogar geweint.“

Ein zweites Mal trat der Chor dann in der Westfalenhalle auf, dieses Mal in schickem Schwarz und einem BVB-Schal bekleidet. „Das war schon ein extrem gutes Erlebnis, zumal auch viele von den ‚alten Jungs‘ wie Lars Ricken, Jürgen Kohler, Stefan Reuter, Andreas Möller oder Ottmar Hitzfeld da waren“. Mit ihnen und den 11 000 Gästen wurde bis spät in die Nacht gefeiert.

Und was bleibt vom Jubiläumschor über diese Feierlichkeiten hinaus? Natürlich die Erinnerungen, festgehalten auf Fotos und Videos; natürlich die eingespielte CD, die es zwischenzeitlich auf Platz 77 der Charts schaffte; und natürlich die Bekanntschaften innerhalb des Chors, der nach wie vor in Kontakt zueinander steht. „Und vielleicht nehmen wir ja beim großen Chorfestival im Sommer in der Arena in ‚Herne-West’ teil – als schwarz-gelber Chor!“ ▪ Kerstin Zacharias

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