Brötchen kaufen

Begegnung mit einem Weltstar: Spuren der Schumachers in Halver

Frank Turck aus Halver hält ein Bild eines Strandmalers in Ehren, das Michael Schumacher mit Bleistift signiert hat..
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Frank Turck hält ein Bild eines Strandmalers in Ehren, das Michael Schumacher mit Bleistift signiert hat (rechts oben klicken, um das ganze Bild zu sehen).

Wer Halveraner ist, der weiß, um den Bezug der Familie Schumacher zur Stadt. Wer Corinna Schumacher im Internet sucht, wird lesen, dass sie Halveranerin ist, hier geboren und aufgewachsen.

Halver – An dieser Tatsache scheiden sich die Halveraner Geister, und eindeutige Informationen gibt es nicht. Fakt ist, sie hat hier gelebt, ist vielleicht nur zugezogen. Wir haben uns auf Spurensuche begeben. Anlass ist die neue Netflix-Dokumentation Schumacher, in der Corinna erstmals sehr offen spricht.

Leben am Langenscheid

Corinnas Mutter Gabriele Betsch und ihr Stiefvater Hans-Peter Falk lebten lange in Halver, das Haus steht noch immer am Langenscheid. Am Briefkasten steht noch immer Betsch-Falk.

Verheiratet hat die beiden Lutz Eicker, Leiter des Ordnungsamts. Er erinnert sich noch daran, wie Michael Schumacher mit Corinna im Trauzimmer saß, „wie ganz normale Leute“. Auch sie mussten warten, bis es losging. Das Rathaus war in heller Aufruhr. Nur Hans-Jürgen Kammenhuber, damaliger Stadtdirektor und spätere Bürgermeister, hatte die Ruhe weg. „Wer ist denn Michael Schumacher?“, soll er gefragt haben. Heute kann er sich an diese Situation zumindest nicht erinnern.

Das Ehepaar aber lebt heute in der Schweiz bei Corinna und Michael Schumacher. Beim Umzug vor vielen Jahren half auch der Halveraner Detlef Obendorf, ein bekannter der Familie. Wo die Familie vor dem Umzug nach Halver Mitte der 1990er-Jahre lebte ist nicht offiziell, Spuren der Firma des Stiefvaters aus dem Handelsregister führen auch nach Lüdenscheid, wo das Familienunternehmen Fliesen Betsch angemeldet war. Ob Corinna schon zuvor in Halver lebte, ist unbekannt. Kindergarten, Schule, Geschichten – keine Spuren von Corinna in Halver vor dem Umzug der Eltern. Privat ist privat, so lautet die Regel, die die Familie, die immer mehr im Rampenlicht stand, schützen sollte.

Eine Halveranerin wird berühmt

1995 wurde aus Corinna Betsch Corinna Schumacher, das ist öffentlich. Sie heiratete den Rennfahrer, mit dem sie seit 1992 liiert war. „Die Nachricht ging wie ein Lauffeuer durch die Stadt“, erinnert sich Kammenhuber. 1997 kam die erste gemeinsame Tochter Gina-Maria auf die Welt, 1999 Sohn Mick. Und mit der Geburt der Kinder beginnen Geschichten über die Familie und ihre Zeit in Halver.

Geburt des ersten Kindes in Wipperfürth

Tochter Gina-Maria kam in der Klinik in Wipperfürth auf die Welt. Die ehemalige AA-Redakteurin Yvonne Pfannschmidt eilte an dem Tag zur Nachbarstadt und wollte ein Foto mitbringen. Sie hat nicht damit gerechnet, was vor dem Krankenhaus los war. Presse, wo man nur hinsehen konnte. Reinkommen in die Klinik? Unmöglich. Aber Yvonne Pfannschmidt kam rein – Vorteil von Lokaljournalisten, die sich besser vor Ort auskennen. „Aber vor der Zimmertür standen auch Bodyguards“, erinnert sich die Halveranerin.

Kinder in der Herpine

Eine weitere Erinnerung führt sie zurück ins Waldfreibad Herpine. Bei einem Fest mit Theater und Spiel für Kinder machte sie Fotos für die Zeitung. Dann kamen Leibwächter auf sie zu und forderten sie auf, den Film abzukleben, weil sie die Kinder von Corinna und Michael Schumacher fotografiert hatte. Die Fotos wurden nie veröffentlicht. „Ich kann das verstehen“, sagt Yvonne Pfannschmidt.

Normalität in Halver?

Die Kleinstadt Halver muss ein Versteck für die Familie gewesen sein. Auf den ersten Blick. Michael Schumacher trainierte beim TuS Grünenbaum mit und war kein Promi, sondern einer vom Team. Er ging gerne rund um die Ententeiche joggen. Einkaufen im Supermarkt. Es hört sich an, wie das normale Leben, das Michael Schumacher gerne wollte und in Halver teilweise leben konnte.

Presserummel in Halver

Doch immer wieder kam es vor, dass sogar ein Fotograf vom Spiegel im Supermarkt lauerte. An einen Bürgersteig voller Menschen vor der heutigen Bäckerei Arnold an der Frankfurter Straße erinnert sich Hans-Jürgen Kammenhuber. „Michael Schumacher kaufte Brötchen.“ Geschichten aus späteren Zeiten sind auch immer Erinnerungen an Leibwächter, die nicht weit waren. Die Straße zum Haus, das am Ende einer Sackgasse steht, war ebenfalls gut bewacht. Auch in einer kleinen Stadt wie Halver bleibt ein Mensch wie Michael Schumacher nicht geheim, sagt Bürgermeister Michael Brosch. Detlef Obendorf erinnert sich daran, wie er Michael Schumacher auf einem Mountainbike gesehen hat – mit Perücke, Kappe und Sonnenbrille. Ein Schutz.

Hilfe in der Schweiz

Obendorf war ein Bekannter der Familie. Der Landschaftsgärtner pflegt nicht nur den Garten des Hauses der Schwiegereltern des Rennfahrers, sondern war auch in der Schweiz und baute die Ranch von Corinna mit auf, die heute die landesweit modernste ihrer Art ist. Corinna Schumacher ist Westernreiterin und veranstaltet internationale Reitturniere. „So was muss man gesehen haben“, erinnert sich Obendorf an den Bau der Reitanlage.

Für den Bau der Ranch vor rund 20 Jahren engagierte die Familie einige Gewerke aus Halver und der Region, die das auf Anfrage auch bestätigen, aber nach wie vor im Hintergrund bleiben möchten. Sie alle beschreiben die Zeit in der Schweiz als familiär und die Schumachers als bodenständige, freundliche Familie. Geschlafen haben alle im Gutshaus, das heute der Verwaltung dient. Ein Handwerker erinnert sich noch daran, wie er mit Corinna Schumacher auf einer Palette saß und eine Dose Bier trank. Daran, wie alle abends zusammensaßen und alle gleich waren. Beim Richtfest war die Stimmung ausgelassen, nur Fotos waren verboten – jeder hielt sich dran, man hatte Verständnis für den Wunsch der Familie und feierte zusammen.

Auch in Halver gab es immer Fans. Frank Turck ist einer von ihnen. Er fuhr gegen Michael Schumacher bei der Kart-Weltmeisterschaft in Kerpen, als Schumacher noch jugendlich war. Im Bulgarien-Urlaub hat Turck ein Bild von einem Strandmaler für 150 Mark anfertigen lassen. Als er es einem Freund für ein Autogramm mitgab, weil Schumacher in der Stadt war, wollte der Formel-1-Fahrer das Bild kaufen. Turck bekam einen Anruf: „Was willst du für das Bild haben?“ Unverkäuflich. Heute hält er das signierte Bild in Ehren.

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