Schüler kommen am Donnerstag

Schulen und Träger rüsten sich für den Unterrichtsbeginn

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Ab Donnerstag kommen am Schulzentrum ZOB wieder Schüler mit dem Bus an – aber vorerst nur die, die vor dem Sommer Prüfungen abschließen.

Halver - Ab Montag öffnen die Schulen wieder ihre Türen. Für sie und ihre Träger ist das eine Herausforderung.

Innerhalb weniger Tage müssen Vorbereitungen getroffen werden, damit ab Donnerstag, 23. April, die ersten Schüler zum Unterricht kommen können. Dabei geht es um die Schüler, denen Abschlussprüfungen bevorstehen – und die können selbst entscheiden, ob sie in die Schule kommen. 

In Halver sind das 118 Gymnasiasten und 72 Realschüler an Anne-Frank-Gymnasium (AFG), Humboldt- und Realschule mit der Stadt Halver als Träger. Hinzu kommen mehr als 400 Schüler am Eugen-Schmalenbach-Berufskolleg (ESBK) in Ostendorf. 

Was sagt das zuständige NRW-Ministerium bisher?

Aus dem Ministerium kam am Freitagmorgen eine E-Mail, in der verschiedene Angaben gemacht wurden, wie Bürgermeister Michael Brosch mitteilt. Klassen müssen demnach aufgeteilt werden, sodass die ursprüngliche Klassengröße reduziert werde. Dadurch könne wiederum ein Raumproblem entstehen. 

Ein weiterer Punkt in dem Ministeriumsschreiben ist die Anzahl der Fächer: Man könne sich auf Kernfächer beschränken, manche Fächer wegfallen lassen. Alles Dinge, die bis Donnerstag geregelt werden müssen. 

Welche offenen Fragen gibt es? 

Antworten auf den Schülertransport im ÖPNV gab es bisher vom Ministerium nicht. Wie das vor allem ab Anfang Mai funktionieren solle, wenn noch mehr Kinder in die Schule zurückkehren, bleibt Brosch bisher unklar. Als Beispiel nennt er die Linie 84 nach Breckerfeld. Da gebe es „schon immer Kapazitätsprobleme“. Die Märkische Verkehrsgesellschaft (MVG) spiele dabei eine wichtige Rolle. 

Hygienemaßnahmen in den Schulen ist ein weiteres Thema, das nicht nur den Krisenstab und den Bürgermeister beschäftigt. 

Wie reagiert die Politik? 

Werner Lemmert, Fraktionsvorsitzender der UWG Halver, ist enttäuscht, dass Bürgermeister Michael Brosch in Sachen Hygiene auf Instruktionen aus Düsseldorf wartet, sagte er am Freitagmorgen. Er und seine Fraktionskollegen finden, dass gehandelt werden müsse. Wer jetzt erst anfange, Schutzmaterialien zu bestellen, der habe „vier Wochen gepennt“. Außerdem verweist Lemmert auf die Firma Orbis als Mundschutzproduzenten vor Ort. 

Was hat die Stadt Halver bisher getan? 

Aus Düsseldorf gibt es bisher keine Vorgaben in Sachen Schutzkleidung und Desinfektionsmittel. Dennoch bleibt die Stadt nicht untätig, betont Brosch. „Wir sind gut ausgestattet mit Flächen- und Handdesinfektionsmittel.“ Das stehe den Lehrern und Schülern ab kommender Woche zur Verfügung. Dabei geht es um das AFG und die Humboldtschule, bei denen die Stadt als Träger fungiert.

Hygienepläne liegen bereit

Auch Hygienepläne gibt es und werden Anfang der Woche mit den Schulen besprochen. Mundschutze seien bestellt. Allerdings wartet Brosch dabei auf eine landeseinheitliche Regelung. In einer E-Mail von Ende März habe das Ministerium in Bezug auf die Notgruppen von einer Maskenpflicht abgeraten. 

Was sagt Paul Meurer, Schulleiter des AFG? 

AFG-Schulleiter Paul Meurer sieht seine Schule, die Lehrer und die Schüler für die kommenden Wochen gewappnet. „Wir haben die Vorkehrungen, die wir treffen können, umgesetzt. Ab Donnerstag können wir unsere Abiturienten wieder begrüßen. Wir sind gut darauf vorbereitet und haben bereits in den vergangenen Wochen Pläne zur Umsetzung ausgearbeitet. Unsere Hausaufgaben haben wir dementsprechend geregelt.“ 

Meurer ist in Sachen Hygiene- und Schutzmaßnahmen mit der Stadt in stetem Austausch ist. „Wir werden alles in enger Absprache mit der Stadt regeln und festsetzen.“ Für alle anderen Schüler geht es am Montag mit dem Homeschooling weiter. „Das Programm hat sich bewährt. Auch die Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, können so mit ihren Schülern kommunizieren.“ 

Wie läuft es an Humboldt- und Realschule? 

Im Rahmen einer Konferenz am Freitag hat Schulleiter Reiner Klausing (Humboldtschule) den Organisationsrahmen für die kommenden Wochen festgelegt. In Absprache mit Realschulleiter Friedhelm Schröder wird die letzte verbliebene Abschlussklasse in den Hauptfächern unterstützend von den Lehrern der Humboldtschule unterrichtet. „Einige unserer Realschulkollegen gehören zur Risikogruppe, deswegen sind wir ab Donnerstag unterstützend im Unterricht tätig. Das ist auch ein tolles Zeichen, wir arbeiten hier eng zusammen.“, erklärt Klausing. 

Die Schüler werden dabei in Blöcken unterrichtet. „Um den Mindestabstand in den Klassenräumen einzuhalten, werden wir die Zahl der Schüler pro Klasse halbieren.“ Zudem wird zwischen dem Unterrichtsbeginn der halbierten Klasse immer eine halbe Stunde Abstand sein. „Wir gehen davon aus, dass ab dem 4. Mai die Neuntklässler hinzukommen. Ab diesem Zeitpunkt werden wir drei versetzte Unterrichtsblöcke aufstellen“, so Klausing, der davon ausgeht, dass dann wöchentlich ein Jahrgang hinzukommt. 

„Wir müssen für wesentliche Punkte sorgen: die Abstandsregelung und die Hygienemittel. Da werden wir am Montag mit der Stadt in Kontakt treten.“ Es muss festgelegt werden, wie viele Schüler eine Toilette benutzen dürfen und wie oft diese gesäubert werden muss. Masken seien derzeit kein Thema. 

Wie sieht es am ESBK aus? 

Ulrich Fröndhoff, Leiter des ESBK, empfindet die Tage vor dem Schulstart als „spannende Zeit“, da das ESBK „Unmengen an Abschlussklassen“ habe. Zudem laufe der Online-Unterricht für alle anderen parallel weiter. So werden am Donnerstag neben 31 Abiturienten des Beruflichen Gymnasiums auch 180 Schüler der Höheren Handelsschule, die in diesem Jahr ihre Fachhochschulreife erreichen wollen, sowie mehr als 200 Schüler, die vor der Beendigung ihres Dualen Ausbildungsganges stehen und von Mai bis Juni ihre Prüfungen haben, wieder mit dem Unterricht beginnen. 

Der Schulstart stellt das ESBK vor große Herausforderungen. Das fange schon bei den Lehrerkollegen an, da diese teilweise in mehreren Bildungsgängen parallel unterrichten, sagt Fröndhoff. Der Unterricht werde entzerrt. Die mobilen Schüler sollen am Nachmittag und die nicht-mobilen am Vormittag kommen, da man vom ÖPNV anhängig sei. „Da ist es kompliziert, die Präsenzzeiten der Kollegen zurecht zu stricken.“ Die Abstandsregelungen – Fröndhoff geht von zwei Metern aus – bedeuten, dass sich der Raumbedarf verdoppelt. Deshalb warte man noch auf ein konkretes Raumkonzept. 

Welche Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen werden am ESBK getroffen?

In Sachen Hygiene stehe man in einem guten Austausch mit dem Kreis als Träger. So werde pro Toilettenraum nur eine Person erlaubt sein. Auch die Pausenzeiten seien nun flexibler und würden versetzt stattfinden. „Hygienemäßig sind wir gut aufgestellt. Wir werden unter anderem für eine dauerhafte Durchlüftung der Klassenräume sorgen.“ Problematisch sei für die Schule allgemein, dass es keine Maskenpflicht gebe. „Das ist eine Katastrophe. Sie hätte geholfen“, findet Fröndhoff, der Masken bestellt hat und an die Kollegen ausgeben wird. Zudem werde es einen Hinweis an alle Schüler geben, Masken zu tragen. 

Lehrer der Risikogruppe bleiben zuhause

Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, werden nicht in die Schule kommen. Stattdessen werden sie Online-Unterricht geben oder Prüfungsarbeiten korrigieren. Wer sind die Leidtragenden? Die Leidtragenden des Schulstarts seien die Prüflinge, findet Ulrich Fröndhoff, Leiter des ESBK. „Jeder weiß, wie schwierig der Start nach sechs Wochen Sommerferien ist.“ 

Mit den ersten Prüfungen in drei Wochen sei die Situation für die Schüler fast nicht mehr zumutbar. „Ich wäre da eher ein Freund des Durchschnitts-Abiturs.“ Auch werde den Schülern vieles Schöne an der Abschlusszeit genommen – vom Abiball über die Mottowochen bis hin zu Gruppenfotos.

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