Der Ruf der Schultoiletten

Schülerinnen renovieren ihre Toilette

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Sie setzten sich ein: Kim Volkenandt, Tina Vasio, Xenia Kolassa und Ola Watras.

Halver - Schultoiletten haben nicht den besten Ruf. Auch an der Humboldtschule war das Mädchenklo kein schöner Ort. Dagegen haben jetzt die Schülerinnen selbst etwas unternommen.

Den Mädchen an der Humboldtschule stinkt‘s: Klopapier auf dem Boden, Toilette nicht abgespült, de Klobürste ohne Halter einfach in der Ecke, keine Klodeckel und beschmierte Wände. Das alles übertüncht mit einem penetranten Geruch war der Alltag im Mädchenklo. „Manche Mädchen sagten mir, sie halten lieber aus, als in der Schule auf Toilette zu gehen“, sagt Lehrerin Natalja Reuter. Also musste etwas verändert werden. 

Die Siebtklässlerinnen der 7a, der Klasse von Natalja Reuter, machten es sich zur Aufgabe, das Mädchenklo wieder zu einem Ort zu gestalten, den man gerne besucht. „Wir haben uns unwohl gefühlt“, sagt Kim Volkenandt. Die 13-Jährige und ihre drei Klassenkameradinnen Xenia Kolassa, Ola Watras und Tina Vasio nehmen in diesen Tagen noch den letzten Schliff in ihrem neuen Mädchenklo vor. Das Grobe ist bereits erledigt. Die Böden wurden auf allen Vieren geschrubbt, bevor überhaupt mit Renovierungsarbeiten begonnen wurde. 

Das neu renovierte Mädchenklo: In rosa und mit Punkten gestalteten die Schülerinnen ihren Toilettenraum.

„Als sie die Toiletten putzen wollten, hielt ich sie an“, sagt ihre Klassenlehrerin. Das sei nicht ihre Aufgabe. Aber sie haben jede Fliese und jede Fuge geputzt, bis sie kaum wiederzuerkennen waren. Dann wurde gestrichen. Die Türen sind nun rosa, die Außenwände gestreift und wer auf dem Klo sitzt, ist von Punkten umgeben. Jede der zehn Boxen bekam einen Mülleimer, eine Klobürste und schon bald sollen auch alle Toiletten einen Klodeckel haben. Der Geruch ist verschwunden und Lufterfrischer sorgen für einen angenehmen Duft. 

In einem großen Spiegel können sich die Mädchen von oben bis unten sehen. Neben den Waschbecken steht jetzt zudem ein Schrank. In ihm werden Ersatzklopapierrollen, aber vor allem Hygieneprodukte für Mädchen aufbewahrt. Mit zwölf Jahren haben die meisten Mädchen bereits ihre Periode. Ein verdrecktes Klo ist kein Ort, an dem sich Mädchen dann gerne aufhalten. Auch Natalja Reuter findet ein sauberes Klo für Schülerinnen „sehr, sehr wichtig“. 

Vorher waren die Türen und Wände beschmiert.

Dass die Schülerinnen ihre Toilette selber renoviert haben, hat auch einen Vorteil, dass sie sich jetzt selbst kümmern und dafür Sorge tragen, dass es ordentlich bleibt, sagt Reuter. „Man neigt dazu, eine dreckige Toilette auch dreckig zu behandeln.“ Eine ordentliche Toilette dann ordentlich, so die Hoffnung. Vorher gab es Klopapier nur im Sekretariat. Jetzt liegen Rollen zur freien Verfügung in einer Schublade bereit. Damit auch wirklich jedes Mädchen darauf achtet, ist die Gruppe aus der 7a durch jede Klasse gegangen und hat über ihr Projekt informiert und Spenden gesammelt. 

Hygieneartikel im Schrank

Die Hygieneartikel sollten fairnesshalber auch nur von den Mädchen aus dem Schrank genommen werden, die sie auch bezahlt haben, sagen die Jugendlichen. Jeder könne etwas spenden und kann dann Deo, Handcreme, Binden und Kosmetiktücher benutzen. Auch in Zukunft wollen die Mädchen auf ihre Toilette in der Humboldtschule aufpassen. „Es ist zwar keine Luxustoilette, da müssen wir uns nichts vormachen“, sagt Reuter, „aber die Mädchen haben das Beste daraus gemacht. Die Mädchen halten sich jetzt länger im Waschraum auf als eigentlich notwendig. Das ist für die Lehrerin ein gutes Signal. Das Jungsklo ist als Nächstes dran.

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