Schüler tauschen Schulbank gegen Stall und Baustelle

Der 15-jährige Denis-Alexandru Spilka renoviert eine Wohnung am Berliner Platz. Das heißt als erstes: Fließen entfernen. ▪ Tollnick

HALVER ▪ Fräsen, Fliesen legen, Essen austeilen oder Pferde striegeln – 39 Zehntklässler der Ganztagsschule in Halver haben diesen Monat ein dreiwöchiges Schülerbetriebspraktikum begonnen und die Schulbank gegen eine „Arbeitsstelle getauscht“. Ziel ist es, wie schon beim Praktikum im vergangenen Schuljahr, den Arbeitsalltag im Betrieb kennen zu lernen – und zwar über die Zeit des Praktikums hinaus. Denn im Anschluss arbeiten sie jeden Montag in dem Betrieb ihrer Wahl mit. So bekommen die jungen Praktikanten einen guten Einblick in die Berufswelt und können ihre Interessen über einen längeren Zeitraum austesten.

Ramazan Büyükbas hatte bereits sein erstes Schülerpraktikum bei der Firma Schürfeld absolviert. Es hat ihm dort so gut gefallen, dass er sich dieses Schuljahr gleich wieder für den Betrieb entschieden hat. Der als Werkzeugmechaniker angestellte Praktikant berichtet, dass er gut in das Geschehen mit eingebunden wird. „Besonders gut gefällt ihm die Arbeit an der Fräsmaschine.“

Die Wahl des 15-jährigen Denis-Alexandru Spilka fiel auf das Fliesenfachgeschäft von Michael Hamel. Momentan renoviert er zusammen mit dem Gesellen Jörg Domrose eine Wohnung. „Mir gefallen eher die handwerklichen Berufe.“ Der Praktikant ist der Meinung, dass das „Praktikums-Programm“ der Ganztagsschule definitiv für seine weitere Berufsplanung hilfreich sein wird.

Im Seniorenzentrum Bethanien sind gleich zwei der Zehntklässler als Altenpfleger im Einsatz: Sinem Canli und Annika Verbuyst sind beide begeistert. Annika hatte bereits ihr erstes Praktikum bei den Märkischen Werkstätten in Lüdenscheid, einer Einrichtung für Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen, sehr gut gefallen. „Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen“, sagt die Schülerin. Deshalb habe sie sich auch dieses Jahr wieder für ein Praktikum im sozialen Bereich entschieden. Ihre Mitschülerin Sinem, die nach ihrem letzten Praktikum als Verkäuferin mal „etwas ganz anderes ausprobieren“ wollte, kann vergleichend sagen, dass ihr der Beruf der Altenpflegerin wesentlich besser gefällt. Die Schülerin schätzt den Umgang mit alten Menschen. „Die Senioren sind sehr nett und reden gerne und viel mit mir.“ Aus ihrem Freundeskreis würden sich jedoch nur sehr wenige für den Pflegedienst interessieren. So auch die 16-jährige Carolin Kreis, die bei ihrem ersten Praktikum im Altersheim merkte, dass dieser Beruf ihr nicht besonders zusagte. Die Schülerin bevorzugt hingegen den Umgang mit Tieren: Die Arbeit auf dem Pferdehof der Landwirtin Silvia Hahn ist für die Schülerin, die selbst seit elf Jahren reitet, wie gemacht. Ihr Arbeitstag beginnt morgens um 10 Uhr. Dann heißt es Pferde füttern, striegeln und auf dem Hof „klar Schiff machen“. Doch auch Aufgaben wie das Kalkulieren des Pferdefutters gehören zu Carolins Aufgaben.

Nach einer Woche ziehen die Zehntklässler ein durchweg positives Fazit. So steht für Sinem bereits fest: „Ich möchte gerne Altenpflegerin werden.“ ▪ Lena Tollnick

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