Schmallenberg-Virus: Die große Ungewissheit

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So gesund wie dieses Kalb werden die Jungtiere, die Ende April auf die Welt kommen, wohl nicht sein. ▪

HALVER ▪ Noch weiß niemand, wie es den Kälbern gehen wird, die in den kommenden Wochen geboren werden. Zehn bis 15 Prozent der Tiere, die ab Ende April auf die Welt kommen werden, sollen von Missbildungen betroffen sein. Der Grund: das Schmallenberg-Virus.

Im Sommer konnte noch niemand ahnen, welche schwerwiegenden Folgen das Virus haben wird. Für Menschen völlig ungefährlich, ist es für Kühe und Schafe eine ernst zu nehmende Bedrohung. „Es wusste niemand, was die Tiere haben“, erinnert sich Ortslandwirt Michael Loitz. Hohes Fieber und Durchfall quälte die Tiere, ähnlich wie beim häufiger auftretenden Akabane-Virus. Dieses bei Rindern, Ziegen und Schafen vorkommende Virus verursacht meist nur milde fiebrige Erkrankungen bei verschiedenen Wiederkäuern. Im Falle einer Trächtigkeit kommt es jedoch über die Placenta zum Übertritt auf den Fötus, wo es schwere Missbildungen und Störungen des Zentralnervensystems verursacht. Häufig kommt es auch zu Aborten. „Die Symptome sind also recht ähnlich. Vom Schmallenberg-Virus hatte damals noch niemand etwas gehört“, so Loitz.

Bisher wurde dem Veterinäramt ein Fall des neuen anzeigepflichtigen Virus aus Halver gemeldet. Kreisweit seien es derzeit vier nachgewiesene Fälle. „Die Hochphase bei den Lämmern ist bereits vorbei, bei den Rindern werden wir erst ab Ende April sehen, wie viele Tiere betroffen sind“, erklärt Dr. Dieter Sinn, Amtsveterinär des Märkischen Kreises. Im September habe es die ersten Kühe gegeben, die Symptome zeigten. Waren sie zudem zwischen der achten und 15 Woche trächtig, könne es Probleme geben.

Landwirt Loitz berichtet jedoch, dass einige Halveraner Landwirte im November und Dezember vermehrt mit Fehlgeburten zu kämpfen hatten. „Es kann also sein, dass die erkrankten Kälber zu großen Teilen gar nicht mehr auf die Welt kommen“, erklärt Loitz.

Problematisch sei auch, dass schon bald wieder die Mücken fliegen würden. Derzeit gingen die Forscher davon aus, dass sie es sind, die das Virus übertragen. „Das würde auch erklären, warum sich das Virus so unterschiedlich intensiv ausgebreitet hat“, erzählt der Landwirt von seinen Beobachtungen. Höfe, die auf einer Anhöhe lägen, seien beispielsweise weniger betroffen als Betriebe in Senken oder in Wassernähe.

Für die Landwirte bedeutet das Virus ein hohes Risiko. Durch Milchausfall der erkrankten Tiere, tote Kälber und Tierarzt seien die Verluste groß. „Das Schlimme ist: Wir können uns nicht schützen, es gibt keine Impfungen“, so der Ortslandwirt. Auch wenn seine Tiere nicht von dem Virus befallen waren, beobachtet er seine Tiere, insbesondere die tragenden Kühe, noch intensiver als zuvor.

Kreislandwirt Günter Buttighoffer kennt die Ängste der Landwirte im Kreis: „Die Sorge ist groß. Bei den Schafen kam es zu großen Verlusten. Bei den Kühen weiß noch niemand, was auf uns zukommt.“ Der passionierte Züchter hat vor allem Angst um die Muttertiere. Wenn das Kalb missgebildet ist, gelange es womöglich nicht durch den Geburtskanal.

Wie sehr Halvers Landwirte noch unter dem neuen Virus leiden werden, könne nicht abgeschätzt werden. Gesunde Tiere überstehen die Krankheit bislang wie eine harmlose Grippe. Aber ob das so bleibt, ist ungewiss. „Für den Menschen besteht weder durch den Verzehr des Fleischs noch durch die Milch eine Gefahr“, betont Buttighoffer. ▪ Lydia Machelett

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