Schlankes Ensemble mit erstaunlicher Bandbreite

Die Musiker des Kammerchors überzeugten das Publikum mit einer erstaunlichen Bandbreite. ▪ von Hagen

HALVER ▪ „Dir, dir, Jehova, will ich singen“ – unter dieses Motto aus Bachs gleichnamigem Choral stellte der Kammerchor Halver unter Leitung von Andreas Pumpa sein Konzert in der Christus König Kirche. Die Zuhörer zeigten sich restlos überzeugt von der Leistung des Kammerchores, der sich mit zwölf Sängern deutlich „schlanker“ präsentiert, als das bei Chören sonst zumeist üblich ist.

Hervorgegangen aus der Kantorei Halver, mit der der Chor sonst auch gerne schon einmal verwechselt wird, ist es der Formation möglich, flexibel und sensibel zu agieren –und das bei einer erstaunlich großen Bandbreite. So bot der Chor am Sonntag zugleich eine Reise durch rund 500 Jahre geistliche Musikgeschichte.

Eingerahmt wurde das Konzert von Bachs Präludium in Es-Dur und die Fuge in Es-Dur, die beide durch eine ausgefeilte Kontrapunktik und Zahlensymbolik gekennzeichnet sind. So verweist die Durchführung dreier Themen, dreier Vorzeichen und jeweils dreier Teile auf die Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiliger Geist. Der Chor intonierte zunächst Liedwerke aus der Renaissance, wie das „Vexilla regis prodeunt“ von Guillaume Dufay, das von einem Text-Melodie-Gleichgewicht zeugt, wie es typisch ist für die Renaissance oder Da Palestrinas Kyrie aus der Missa Aeterna, das die kunstvolle Stimmenverflechtung der Renaissance deutlich zum Ausdruck brachte. Gemeinsam mit den Zuhörern gestaltete der Chor dann den Übergang zum Barock mit „Singet dem Herrn“ von Heinrich Schütz. Die Formation führte den Zuhörern vor, wie das bekannte Kirchenlied in der Renaissance geklungen hat und bat die Zuhörer, sich doch einmal selbst darin zu versuchen.

Als charakteristisch für die Zeit des Barock präsentierte der Chor neben Werken von Homilius und Pitoni zwei bekannte Choräle von Bach, und machte so deutlich, wie hier musikalische mit vokalen Stimmen wetteifern. Andreas Pumpa begleitete die Bach-Choräle an einem alten Tafelklavier, das 1809 erbaut wurde und lieferte somit ein ungewöhnliches und eingängiges Klangerlebnis, das den durchsichtigen Klang des Chores nicht übertönte, sondern unterstrich.

Werke aus der Klassik von Haydn und Mozart sowie dem heute weithin unbekannten Komponisten und Musiktheoretiker Moritz Hauptmann verdeutlichten den Weg zum Lied und zur Oper. Für die Zeit der Romantik hatte der Chor Werke von Mendelssohn und Bruckner ausgewählt.

Seine Vielseitigkeit stellte der Chor erneut unter Beweis als er eine Strophe aus dem bekannten Kirchenlied „Bleib bei mir Herr“ summte. Mit John Rutters „Gott sei stets in mir“ setzte der Kammerchor abschließend Akzente, bevor Andreas Pumpa mit Bachs Orgelwerk den Rahmen schloss. Das Publikum zeigte sich derart begeistert von der Darbietung, dass es die Akteure nicht ohne Zugabe entlassen wollte: eine eindrucksvolle Leistung des Chores, der unter Leitung von Andreas Pumpa durch Prägnanz und Präzision zu überzeugen wusste. ▪ Kirsten von Hagen

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