Schläger bleiben straffrei

HALVER ▪ Viel Aufwand, ernüchterndes Ergebnis: Nach fünfstündiger Verhandlung endete gestern ein Prozess gegen zwei Halveraner vor dem Lüdenscheider Amtsgericht mit der Einstellung des Verfahrens. So recht befriedigte dieses Ergebnis indes kaum jemanden.

Einer der beiden wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung angeklagten Männer nämlich rang bis zum Schluss verbissen um einen makellosen Freispruch für sich. Erst nachdem sein Verteidiger mit Engelszungen auf ihn einredete, akzeptierte er die Verfahrenseinstellung. Aber auch Amtsrichter Jürgen Leichter, seine Schöffen und der Staatsanwalt hatten bei der Entscheidung wohl leichtes Bauchgrimmen. Zu offensichtlich war der Ausbruch von Gewalt bei den damaligen Ereignissen.

Doch widersprüchliche Zeugenaussagen und herbe Erinnerungslücken vieler Beteiligter zwangen die Juristen zu ihrem Vorgehen. Konsequenz für die Angeklagten: Sie bleiben straffrei. Einer von ihnen hatte bei dem Vorfall am 9. August vorigen Jahres ohnehin selbst erhebliche Blessuren und Frakturen erlitten.

Rückblende: Besagter 9. August 2009 hätte eigentlich ein unbeschwerter Sommerabend sein können. Für mehrere Jugendliche und Männer aber kommt es ganz anders. Die Jugendgruppe – Mädchen und Jungen im Alter zwischen 16 und 21 Jahren – hat es sich dabei auf dem Parkplatz eines Halveraner Supermarkts mit Musik bequem gemacht. Fast alle sind durch den Konsum von Alkohol schon einigermaßen angeschlagen. Im benachbarten Café versüßen sich derweil mehrere Männer die Zeit ebenfalls mit sattem Schnapsgenuss und Automatenspielen. Es kommt zum Kontakt zwischen den beiden Gruppen. Der bleibt zunächst noch recht freundschaftlich. Schnell aber kochen die Aggressionen hoch. Die Café-Besucher greifen zwei jungen Mädchen an den Po. Es kommt zu Beschimpfungen, dann zu brutalen Fausthieben und Tritten. Mitten im Kampfgetümmel womöglich dabei: die beiden Angeklagten. Am Ende müssen sich Sanitäter gleich um mehrere Verletzte kümmern. Auch eine Krankenhausärztin hat gut zu tun. Ein junges Mädchen gestern im Zeugenstand: „Irgendwie ist das alles ausgeartet.“ ▪ Sebastian Schmidt

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