„Den sozialen Frieden sichern“

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Ulli Rottschy gibt vielen Halveraner Bürgern auch am Telefon Tipps und berät sie bei rechtlichen Fragen.

Halver - „Schlichten statt Richten“ ist das Motto des Bundes deutscher Schiedspersonen (BDS). Schiedspersonen gibt es seit dem Jahr 1827 und wurden zuerst in Preußen eingesetzt. Sie werden in bestimmten Rechtsangelegenheiten - dazu zählen Beleidigung, Sachbeschädigung oder Hausfriedensbruch - zu Rate gezogen.

Von Benny Finger

In Halver und Oberbrügge sind Ulli Rottschy und Burkhard Plagge für diese Angelegenheiten zuständig. Schiedspersonen gibt es zur Zeit in den Kommunen Nordrhein-Westfalens sowie elf weiterer Bundesländer. Die Stadt Hagen ist eingeteilt in neun Schieds-Bezirke, in denen sich jeweils eine Person um ausgewählte Rechtsangelegenheiten der Bürger kümmert. Auch in Halver gibt es mit Ulli Rottschy und Burkhard Plagge zwei Schiedspersonen, die die Bezirke Halver und Oberbrügge-Ehringhausen abdecken. Sie sollen, auf Abruf und kostengünstiger als ein Gerichtsstreit, den sozialen Frieden sichern. So entlasten sie die deutsche Gerichtsbarkeit. Schlagen sie einen Vergleich vor, ist dieser sogar amtlich vollstreckbar, obwohl beide keine Juristen sind. Ihr Einsatz ist - je nach Sachlage - obligatorisch, bevor sich ein Gericht mit dem jeweiligen Fall befasst.

Ulli Rottschy ist seit dem 7. August 2008 Schiedsperson.

Die meisten Fälle - insgesamt acht Stück - bei denen Rottschy einschreiten musste, gab es im Jahr 2010. „Sonst sind es im Schnitt etwa vier bis fünf Fälle pro Jahr. Dabei handelt es sich immer um Streitigkeiten zwischen Nachbarn“, sagt Rottschy. Über die Jahre habe sie einige kuriose Sachen erlebt. Allerdings unterliegen sie der geltenden Schweigepflicht.

„Das Problem ist, dass die Leute zu wenig miteinander sprechen.“ Fast alle Fälle würden sich, laut Rottschy, dadurch regeln lassen, dass die Streitparteien vorab aufeinander zugehen. Deshalb sei ihr eine gute Atmosphäre in den Schlichtungsgesprächen besonders wichtig. Die Gesprächsführung gibt sie niemals aus der Hand. „Man kann als Gesprächsleiter sehr beruhigend auf die Parteien einwirken. Das hilft bei der gemeinsamen Entscheidungsfindung“, so Rottschy.

„Meditationskurse und die Weisheit des Alters helfen mir dabei, auch bei sturen Bürgern bestmöglich zu vermitteln. Wichtig ist, dass beide Seiten sich wenigstens auch die Hand geben können, wenn ein Vergleich geschlossen wurde.“ Ihr Ehrenamt sei definitiv eine gute Sache, weil „der Weg über die Schiedspersonen - statt direkt über das Gericht - den Bürgern viel Zeit, Geld und Nerven spart.“ Ihre Erfolgsquote liegt bei zwei von drei Fällen.

Für den zweiten Bezirk - Oberbrügge-Ehringhausen - ist Burkhard Plagge zuständig. Der 69-Jährige, der das Amt seit mehr als 14 Jahre ausübt, ist ungewöhnlich gestartet: „In der Zeitung habe ich gelesen, dass eine neue Schiedsperson gesucht wird. Daraufhin habe ich mich telefonisch beim Rechtsamt beworben“, erinnert sich Plagge. Ein paar Wochen später habe er dann - ebenfalls aus der Zeitung - erfahren, dass „Herr Plagge neue Schiedsperson für Oberbrügge ist“.

Kurz darauf ist er - genau wie Rottschy - vom Halveraner Stadtrat gewählt und vom Amtsgericht Lüdenscheid bestätigt worden. Über die Jahre absolvierte Plagge mehrere Lehrgänge und Fortbildungen des BDS in Bochum.

Oberbrügge empfindet der Rentner als ruhig: Im Jahr gäbe es im Schnitt zwei bis drei Fälle, bei denen Plagge eingreifen muss. „Zu 98 Prozent sind es Kinkerlitzchen, die sich um die Nutzung von Wegerechten oder nachbarschaftliche Einwirkungen auf Grundstücksgrenzen handeln.

Diese Konflikte können jedoch bereits einige Jahre brodeln, bevor es eskaliert. Aus engen Freunden werden schnell offene Feinde“, sagt Plagge aus seiner Erfahrung. Nach rechtlichen Streitigkeiten sei die Atmosphäre zwischen vielen Nachbarn vergiftet.

Plagge und Rottschy sind stolz auf ihre Tätigkeit und freuen sich über jeden Zwist, den sie beilegen können. „Ich helfe gerne und das rund um die Uhr“, so der Oberbrügger. Rottschy sowie Plagge wollen ihre Ämter so lange fortführen und den Bürgern mit Rat und Tat zur Seite stehen, wie es die gesundheitliche Verfassung zulässt.

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