Eine Schausteller-Familie privat

Ein Urgestein der Halveraner Kirmes: Die etwas anderen Schmidts

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Halver - Wer ist diese Familie Schmidt? Ihr gehört der Autoscooter auf der Halvernaer Kirmes sowie ein Kinderkarussell - und sie kommen seit 60 Jahren. Wir haben sie Zuhause in Remscheid besucht. 

Sie prägen Kindheiten und lassen Erinnerungen an sie erwachen. Doch was für den Halveraner Kirmesbesucher ein besonderes Ereignis im Jahr ist, ist Alltag für die Schaustellerfamilie Schmidt.

Seit mehr als 60 Jahren ist die Familie ein Name auf den Rummelplätzen NRWs – mittlerweile in sechster Generation. Genauso lange kommt sie jedes Jahr nach Halver. Auch an diesem Wochenende bieten sie mit Autoscooter und Kinderkarussell für Groß und Klein eine Attraktion – sogar Gottesdienst und Live-Konzert wurden auf ihrer Fahrbahn ausgetragen. 

Kirmes wurde ihnen in die Wiege gelegt

Familienvater Frank Schmidt wurde in die Kirmes hineingeboren. Schon sein Vater und Urgroßvater waren Schausteller. Und auch seine Töchter Lorena und Jaqueline wuchsen mit der Kirmes auf. Nur Mutter Claudia hat sich vor 25 Jahren nicht nur für ihren Mann, sondern auch für das Leben einer reisenden Schaustellerfamilie entschieden. Immer leicht sei das Leben nicht, aber es sei nun einmal ihr Leben – daran soll sich auch nichts ändern. Bestes Beispiel dafür ist die Mutter von Frank Schmidt. Mit ihren mittlerweile 80 Jahren ist Ruth noch immer auf jeder Kirmes mit dabei und verkauft die Fahrkarten fürs Kinderkarussell. Das lasse sie sich auch nicht nehmen. „Sie kann einfach nicht ohne“, sagt die 24-jährige Jaqueline Schmidt.

Autoscooter-Gottesdienst und Kirmes am Sonntag

Der erste Kirmestag in Bildern

Bewusste Entscheidung für die Kirmes

Sie selbst übrigens auch nicht. Sie und ihre Schwester besuchten eine Privatschule in Wuppertal, alle Möglichkeiten standen ihnen offen. Die Schule war den Eltern so wichtig, dass Claudia Schmidt ihre Mädchen jeden Tag zur Schule brachte – egal in welcher Stadt die Familie gerade auf der Kirmes war. Kurz vor dem Abitur entschieden sich beide bewusst für die Kirmes. Jaqueline ist seitdem verantwortlich für den Autoscooter, ihre Schwester Lorena für den Mandelwagen. Sie sind die sechste Generation der Familie und halten das Erbe in Ehren. 

Mama Claudia ist die gute Seele

Die gute Seele der Familie ist Claudia. Die Mutter hat eine ganz klare Aufgabe: Sie versorgt Familie sowie die momentan sieben Angestellten: Jeden Tag kocht sie und kümmert sich um alle – Kirmesessen können sie nicht mehr sehen. „Die Arbeiter brauchen Gemüse und Kartoffeln“, sagt Claudia. Zudem sorgt sie dafür, dass sonntags alle am Tisch gemeinsam frühstücken. Alle vier sind sich einig: Ohne eine klare Aufgabenverteilung funktioniert es nicht. Das Wichtigste sei immer die Familie. Von März bis Oktober läuft die Kirmes-Saison. In dieser Zeit reist die Familie durch NRW von Fest zu Fest. 

Auch im Winter werden Mandeln gebrannt

Im Winter stehen sie mit ihrem Kinderkarussell auf einem Weihnachtsmarkt, die restliche Zeit über stehen die Fahrgeschäfte still. Nur Mandeln, Popcorn und Schokofrüchte werden nach wie vor zubereitet. Den Geschmack der Kirmes verkaufen sie dann in einem Einkaufszentrum. 

Zwei Wochen im Jahr Urlaub - mehr nicht

Still steht der Familienbetrieb nur im Januar. Zwei Wochen gönnen sich die vier immer Urlaub. Meist geht es dann in die Karibik oder mit dem Kreuzfahrtschiff über die Meere. „Urlaub machen wir nur einmal im Jahr“, sagt Claudia Schmidt. „Und dann gönnen wir uns richtig was.“ 

Leben auf vier Rädern

Remscheid ist und bleibt jedoch ihr Heimathafen. Am Ende einer Straße steht ihr Haus auf einem großen Gelände, das durch einen Zaun abgesichert ist. Ein großer Hof ist der Mittelpunkt. Auf ihm stehen die Zugmaschinen und die zusammengebauten Fahrgeräte. Ein Stück weiter reihen sich die Wohnwagen der Schmidts. Ein 17 Meter langer ist das Heim der Eltern, in zwei kleineren wohnen die Töchter, einen weiteren großen Wagen teilen sich die Angestellten. Im Haus wohnt die Familie nur außerhalb der Saison. „Es lohnt sich nicht, für ein oder zwei Wochen umzuziehen“, sagt Claudia Schmidt. In ihrem Wohnwagen haben sie alles, was sie brauchen. Ihr Zuhause auf Rädern kommt zu jeder Kirmes mit. Es ist ihr Schlaf-, Ess- und Erholungsplatz. Aber ihr Zuhause, das steht ganz klar in Remscheid. Jeder kennt sie dort. Wenn die Nachbarn riechen, dass Popcorn oder Mandeln frisch zubereitet werden, kommen sie oft vorbei. „Auch die Männer der Müllabfuhr bekommen ihre Mandeln“, sagt Frank Schmidt.

Autoscooter, aber auc 18 verschiedene Popcorn-Sorten 

In dem Kellergeschoss des Hauses ist die Mandelbrennerei. Hier liegt Kirmesduft in Luft – die Schmidts können es aber nicht mehr so gut riechen. Einen Teil der Süßwaren produziert Frank Schmidt hier, den Großteil jedoch frisch auf der Kirmes. Popcorn in 18 verschiedenen Geschmacksrichtungen hat sonst keiner, wie sie sagen. 

Für ihren Mandelwagen ist auf der Halveraner Kirmes kein Platz mehr, doch einst begann es mit einem solchen Süß-Stand: Der Ururgroßvater startete mit einem Waffelstand auf der Kirmes. Darauf folgte eine Schießbude, ein Kettenkarussell und erst dann der erste Autoscooter. Den sechsten haben sie aktuell in Betrieb. Bilder der fünf vorherigen erinnern an die Zeiten, in denen Kirmes noch etwas Außergewöhnliches war. Ihr erster Scooter war aus Holz und schwierig zu transportieren. Heute leuchtet er bunt und dient nicht nur als Platz zum Fahren, sondern auch für Gottesdienst und Konzert. 

Für eine der Traditionsfamilien der Halveraner Kirmes ist das selbstverständlich. Aber was verbinden sie noch mit Halver? „Ganz klar Tradition.“ Und kommen sie gerne? „Und wie, die Halveraner Kirmes ist etwas Besonderes. Sie ist eine wunderschöne Familienkirmes, wie es sie nur noch selten gibt.“ Und sie werden wiederkommen. „Halver ist auch für uns ein Höhepunkt.“

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