Sauberes Halver

Müll sammeln in der Stadt: Barbies Beine und benutzte Masken

Müll am Wegesrand von Halver an der Katrineholmstraße
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Beim Müll sammeln kommen viele Dinge ans Licht. Einige sind vielleicht verloren gegangen. Der Großteil scheint absichtlich weg geworfen zu sein und hat rein gar nichts in der Natur verloren.

Wir haben bei der Aktion Sauberes Halver mitgemacht und haben ganz schön viel gefunden. Wie es war, lesen Sie im Text. Und dann machen doch auch Sie mit und schicken uns Ihre Fotos!

Halver – Man braucht Handschuhe. Definitiv reißfest, Gummi reicht nicht. Und auch solche, die Brennnesseln keine Chance geben, müssen es sein. Feste Schuhe und eine dickere Hose machen ebenfalls Sinn – die Brombeersträucher nehmen keine Rücksicht auf Müllsammler.

Seit Mittwoch stehen zwei Container bereit. Für alle Halveraner, die dabei helfen wollen, ihre Stadt aufzuräumen. Normalerweise findet die Aktion „Sauberes Halver“ an einem Tag statt, Gruppen werden in Bezirke geschickt, und am Ende gibt es ein gemeinsames Essen mit Beisammensein. Corona-bedingt verläuft die Aktion auch in diesem Jahr anders als noch 2019. Vier Tonnen Müll waren damals zusammengekommen. So viel zu finden, scheint auch 2021 kein Problem. Corona spielt durchaus eine Rolle. Viele Menschen gehen spazieren, holen Essen zum Mitnehmen – und ja, gebrauchte Masken liegen überall verteilt. Es bedarf vieler Helfer.

Die Mülleimer quellen über: Am Bahndamm hat schon jemand die Sitzgruppe aufgeräumt.

Ich habe mir den Bahndamm in Richtung Anschlag vorgenommen. Aber jemand muss vor mir dort gewesen sein. Die Müllkörbe quellen über. Alkoholflaschen, Essensverpackungen und Zigarettenschachteln. Die Klassiker. Ich konzentriere mich auf Kleinkram, der bekanntlich auch Mist macht. Statt der Schachteln sammele ich Kippen auf, statt der Flaschen kleine Scherben und zig Kronkorken, zum Teil schon festgetreten. Entlang des beliebten Weges liegen Taschentücher, Bonbonpapier und Verpackungen von Schokoriegeln. Man muss genau hinsehen. Manchmal schimmert es am Wegesrand oder im Wald, weil das Plastik die Sonnenstrahlen reflektiert. Meist bringt mich ein Schnipsel zum nächsten. Wo ein Blumentopf liegt, ist die Wodkaflasche nicht weit.

Von Einkaufstüten blitzen nur die Ecken zwischen dem Laub hervor. Das Aufheben wird ein Herausreißen aus der Vegetation, die um, über und durch den Müll wächst. Sinnvoll daher, dass die Aktion jetzt stattfindet, wenn die Sträucher und Büsche nicht nur den Weg versperren, sondern auch den Müll verschlingen. Gerade Plastiktüten sind zum Teil schon in Stücke zerfallen oder von Tieren zerrissen worden. Es ist traurig. Respektlos und ein Sinnbild für den Umgang mit der Natur. Würden mehr Mülleimer helfen? Oder eine häufigere Leerung der Drahtkörbe, deren Inhalt, wenn auch nur noch ein Kaffeebecher daraufgelegt würde, nicht mehr standhaft wäre?

Von kleinen Schnipseln bis zu Sperrmüll

Nicht nur Kleinigkeiten liegen herum. Auch große, schwere, verrostete Metallteile. Felgen vielleicht. Oder alte Tonnen. Abflussrohre, Gartenzäune und Laminat passen nicht in meinen Sack. Eine zwei Meter lange Metallstange entscheide ich jedoch mitzunehmen und bereue es direkt beim Aufheben. Sie würde sich auch für sportliches Langhanteltraining eignen, aber ich habe nur eine Hand frei. Der blaue Sack ist auch schon voll. Der Bahndamm kann ganz schön lang sein.

Wieder auf der Straße, befreie ich im Umkreis die Böschungen. Ich traue meinen Augen nicht. Hier war definitiv noch niemand. Vielleicht weil es nicht Teil des bekannten Spazierweges ist? Oft wird Müll weggeräumt – aber meist an prominenten Plätzen. Die unscheinbaren Orte toppen es. Irgendwer in der Nachbarschaft scheint gerne getrocknete Salami zu essen. Jedenfalls weisen viele Tüten darauf hin. Hamburger, Pommes, Cola laufen auch gut in dieser Ecke.

Masken: Lieber nicht ohne Handschuhe anfassen.

Der Hang wird immer steiler, aber ich will aus Prinzip dieses eine Stückchen Plastik noch haben. Das Sammeln wird zur Sucht. Ein bisschen zumindest. Ich gehe hier nicht weg, bevor es nicht ordentlich aussieht. Ein wenig sportlich oder zumindest beweglich sollte man für Hänge sein. An Bäumen halte ich mich fest. Irgendwie macht es sogar Spaß. Zu zweit oder mit der Familie kann es ein Abenteuer werden – mit einem guten Gefühl am Ende des Tages.

Auf der anderen Seite liegen verrückte Sachen. Eine Puppe, Barbie-Beine, ein Bettlaken – unglaublich schwer, weil komplett durchnässt –, Handschuhe, Sandförmchen, Spielautos, eine Sonnenbrille mit nur noch einem Glas. Irgendwo müsste auch der Gummiaufsatz für den Sucher meiner Kamera liegen. Klein, schwarz... Die Nadel im Heuhaufen. Aber ich tausche auch gegen einen pinken Plastikschuh mit Glitzerriemen und lila Schleife..

Wo gehören Hundekotbeutel nicht hin?

Weiter geht’s mit den Klassikern, die irgendwie immer noch in den Sack passen. Trinkpäckchen, Strohhalme, Zigaretten, Tüten, Blumentöpfe, Batterien, Kotbeutel. Liebe Hundebesitzer: Ich mag Hunde. Ich mag auch, wenn das Häufchen in die Tüte kommt. Aber wo gehört die denn dann hin? Meine blaue Tüte zumindest kommt zum Bauhof. Da steht einer der zwei Container bereit. Das Stück, das ich von Müll befreit habe, war nicht groß. Aber wenn viele ein kleines Stückchen anpacken und ein wenig Zeit investieren, kann die Stadt schon um einiges sauberer werden. Und die Natur bedankt sich.

Machen Sie mit - Schicken Sie uns Bilder

Seit Mittwoch läuft die Aktion „Sauberes Halver“ in der Stadt. Um den gesammelten Müll zu entsorgen, stehen Container am Parkplatz des Baubetriebshofs sowie in Oberbrügge-Ehringhausen am Parkplatz des Biohofs von Michael Wolf für alle bereit, die mitmachen.
Wenn Sie bei der Aktion Sauberes Halver mitmachen, schicken Sie uns gerne ein Foto von Ihrer Müllsammlung per E-Mail an aa@mzv.net.
Wo haben Sie in Halver aufgeräumt, was haben Sie gefunden und was hat Sie vielleicht sogar überrascht? Teilen Sie mit uns und allen Lesern Ihr Erlebnis beim Aufräumen der Stadt.

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