„Häuser sind ein Kulturgut“

Regionale-Beauftragter Thomas Gehring und Architekt Stefan Czarkowski gewähren einen Blick ins Innere der Schieferhäuser. Der Rückbau vergangener Bausünden macht den Blick frei auf alte Eichenbalken und das Ziegelbauwerk in Sinne der ursprünglichen Fachwerk-Bauweise. - Fotos: Domke

Halver - Von außen sitzt die Fassade, die Fenster sind angebracht und auch innen nehmen die Schieferhäuser an der Frankfurter Straße immer mehr Gestalt an. Architekt Stefan Czarkowski und Regionale-Beauftragter Thomas Gehring erläutern im AA den Fortschritt der Baumaßnahmen des 860 000 Euro-Projektes und ermöglichen einen Einblick ins Innere der „Häuser der Kultur“.

Auf den ersten Blick sieht es noch etwas wild aus - wie auf einer Baustelle eben. Maschinen, Kabel und Bauschutt beherrschen derzeit das Innere der Schieferhäuser, die im Rahmen der Regionale 2013 aufwendig saniert werden. Gestern haben in den „Häusern der Kultur“ die Arbeiten an der Wandflächenheizung begonnen. Im Oktober, so lautet die Prognose des federführenden Architekten Stefan Czarkowski, sollen dann alle Innen-Arbeiten abgeschlossen sein. Der Außenbereich, zu dem auch eine Terrasse zählt, wird hingegen erst im Frühjahr 2015 fertig sein.

Zu Beginn der Arbeiten im vergangenen Jahr hatte man zunächst eine Eröffnung im Sommer angestrebt, doch die zum Teil sehr speziellen handwerklichen Arbeiten und die Beschaffung des Materials hätten eine Verzögerung unumgänglich gemacht.

Denn die Schieferhäuser werden denkmalgerecht saniert, das heißt, es wird historisch abgestimmtes Material verwendet. „Hier wird nicht in konventioneller Bauweise gearbeitet“, macht Czarkowski deutlich. Die Fenster sind Spezialanfertigungen - Holzkonstruktionen, in Handarbeit von einem Aachener Unternehmen. Im Sinne der ursprünglichen Schieferbauweise wurden Eichenbalken verbaut, bei denen es sich eben um keine Lagerware handelt. Das habe gerade in punkto Verfügbarkeit oftmals Geduld gefordert.

Denn bei der Arbeit am Fachwerk wird möglichst mit eben solchen Materialien gearbeitet, wie im 19. Jahrhundert. Und diese alte Handwerkskunst beherrscht nicht jeder und verlangt vom Zimmermann eine besondere Qualifikation. Für die speziellen Fachwerkziegel wird ein besonderer Kalk-Mörtel genutzt, eine gewöhnliche Zementmischung wäre für das Holz-Fachwerk fatal. „Und wenn hier mal zwei Säcke fehlen, dann steht die Baustelle. Der Mörtel kann eben nicht in jedem beliebigen Baumarkt nachgekauft werden“, weiß der Architekt.

„Es geht darum, den Charme dieser Häuser zu erhalten und sie in ihren Urzustand zurückzuversetzen.“ Im Zuge der Sanierung habe man versucht, so viel wie möglich vom Original zu erhalten. „Diese Häuser sind ein Kulturgut. Sie nicht nur für uns, sondern auch für unsere Nachwelt zu erhalten, ist uns ein Anliegen“, erläutert Thomas Gehring. „Im Vorfeld wurde die Sanierung oftmals zerredet. Bürger fragten sich, ob die Summe dem Aufwand entspricht“, erinnert sich Czarkowski und fügt hinzu: „Sie aber bilden als zwei der letzten Bauwerke ein prägendes Bild des ehemaligen Halvers und sind ein wertvolles, zeitgeschichtliches Relikt.“ Eine Sanierung in dieser Größenordnung sei deshalb in jedem Falle angebracht, betont Gehring. Das Fachwerk sei ein Denkmal, das es zu schützen gilt. Die Gebäude sollen in Zukunft als gesellschaftliche Mitte Halvers dienen. Mit 70 Prozent wird die Sanierung aus der Städtebauförderung der Regionale 2013 bedacht.

Die Schieferhäuser können im Rahmen des Kreisheimattages am 30. und 31. August besichtigt werden. Die Experten werden dann Fragen beantworten.

Von Friederike Domke

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