„Prüfbericht“ statt Gutachten

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Anstelle eines Gutachtens gab es jetzt einen “Prüfbericht„ zum Hallenboden an der Mühlenstraße. ▪

HALVER ▪ Bei der Analyse des Hallenbodens an der Mühlenstraße handelte es sich offenbar nicht um ein Gutachten im engeren Sinn, sondern um einen „Prüfbericht“ – das erklärte Bürgermeister Dr. Bernd Eicker am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung. Er zitierte dabei aus einem Antwortschreiben des mit der Untersuchung beauftragten Diplom-Physikers, der allerdings keine näheren Angaben zur Ausübung spezieller Sportarten treffen wollte. Stattdessen, so Eicker, habe der Sachverständige im Falle weiterer Fragen an das Bundesinstitut für Sportwissenschaften beziehungsweise die Unfallkasse verwiesen.

„Da wir Träger des Schulsports sind, haben wir zunächst die Unfallkasse NRW kontaktiert“, erklärte Eicker am Dienstag. Und deren Vertreter habe die Situation an der Mühlenstraße als „nicht besorgniserregend“ bezeichnet. „Zumal das Jahr 2012 im Bereich Schulsport keinen Anlass gegeben hat, den Boden genauer zu betrachten.“ Eine Nutzungseinschränkung für den Schulsport sei entsprechend nicht notwendig.

Spätestens am Mittwoch will Bürgermeister Eicker den Prüfbericht veröffentlichen – rechtzeitig zur Sitzung des Hauptausschusses. Wie berichtet, hatte sich Eicker in der Sitzung des Sport- und Freizeitausschusses am Donnerstag geweigert, den Kommunalpolitikern Einblicke in die Darstellung des Sachverständigen zu gewähren. Der Bürgermeister machte weiteren Klärungsbedarf geltend.

Kritik von Seiten der SG Schalksmühle-Halver (SGSH), die sich für einen neuen Hallenboden einsetzt, musste Bernd Eicker dabei für den Verweis auf eine EU-Richtlinie einstecken, die Mark Wallmann, SGSH-Geschäftsführer in spe, nicht gelten lassen will. Dazu verwies er am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung auf eine Publikation der „Gütegemeinschaft Sporthallenböden“, bei der es sich nach eigener Darstellung um einen Zusammenschluss von Sportbodenherstellern und Anbietern „unter Mitarbeit von Verbrauchervertretern und neutralen Prüfinstituten“ handelt. Diese betont auf ihrer Internetseite, dass die Norm DIN V 18032-2 die bestehende Technische Regel für Sporthallenböden sei, die Europäische Norm DIN EN 14904 hingegen Festlegungen enthalten würde, „die dem nationalen Recht nicht entsprechen beziehungsweise nicht vollständig entsprechend den bauaufsichtlichen Festlegungen geregelt sind und somit baurechtlich nicht umgesetzt werden können“. Als Prüfinstitut bei der Gütegemeinschaft ist unter anderem auch jener Gutachter akkreditiert, den die SGSH für eine Analyse zu Rate gezogen hat, dessen Einsatz an der Mühlenstraße die Stadtverwaltung jedoch ablehnte. Wie Bernd Eicker am Dienstag nochmals betonte, habe der Sachverständige bei seiner Messung sowohl die in Deutschland geltende DIN-Norm als auch die EU-Richtlinie zugrunde gelegt.

Die Debatte um den Hallenboden zieht unterdessen weitere Kreise: Am Dienstag Mittag war ein Fernsehteam vor Ort, um über die Problematik zu berichten. Zudem wurde bekannt, dass nach den Seniorenteams nun auch die SGSH-Juniors – die Nachwuchssparte des Handballvereins – auf das Training an der Mühlenstraße verzichten. ▪ zach

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