"Süßes oder Saures": Eierwurf an Halloween kann teuer werden

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Eier an der Fensterscheibe oder am Briefkasten – dieser Streich ist an Halloween keine Seltenheit, wenn es für die verkleideten Kinder nichts Süßes gibt.

Halver/Schalksmühle - Für die Älteren ist es eine Unsitte, die aus den USA herübergeschwappt ist, die Jüngeren haben ihren Spaß am gruseligen Mummenschanz – und mitunter sogar an der mutwilligen Sachbeschädigung. Die kann aber nicht nur teuer werden, sondern auch juristische Folgen haben, wie die Polizei-Pressesprecher Dietmar Boronowski und Jürgen Pretzlaff erklären.

„Süßes oder Saures“ lautet auch heute Abend ein beliebter Spruch, mit dem Hausbesitzer um Süßigkeiten gebeten werden. Wer nichts herausrückt – oder gar nicht erst die Tür öffnet – kann in Einzelfällen böse überrascht werden. Sei es in Form von Klingelattacken oder – weitaus unappetitlicher – mit faulen Eiern, die gegen die Hauswand, Fenster und Türen geworfen werden.

Da wundert es dann kaum, dass die Betroffenen nur wenig Verständnis für Halloween aufbringen können. Was ist im Fall der Fälle zu tun – und womit müssen die Täter rechnen? Eine Übersicht:

Wie oft kam es in Halver und Schalksmühle in den vergangenen Jahren an Halloween zu Sachbeschädigungen?

Nach offiziellen Zahlen: nur selten. Zwischen 2014 und 2017 gab es in Halver und Schalksmühle neben dem klassischen Eierwurf auch weitere Sachbeschädigungen, bei denen ein Bezug zu Halloween naheliegt, sagt Jürgen Pretzlaff von der Pressestelle der Polizei im Märkischen Kreis. „Es hat sich bei uns auch eingebürgert, dass man zu Halloween durch die Kneipen zieht und oft schon zuhause vorgeglüht hat.“ Beim Umherziehen im alkoholisierten Zustand würden dann Sachbeschädigungen begangen, sodass man definitiv einen Zusammenhang zu Halloween sehen könnte.

So im Jahr 2014, als in der Halloween-Nacht in Halver an einem Fahrzeug ein Seitenspiegel abgetreten wurde. 2015 wurde ein Holzzaun beschädigt, außerdem gab es einen Eierwurf gegen ein Haus. 2016 wurden keine Sachbeschädigungen gemeldet. „2017 wurde ein Ei gegen ein fahrendes Auto geworfen, wobei das Scheinwerferglas beschädigt wurde“, sagt Pretzlaff. „Ein Eierwurf ist ein ganz klarer Bezug zu Halloween.“ In der Summe gab es also seit 2014 zwei Fälle von Sachbeschädigung mit klarem Halloween-Bezug (Eierwürfe) und auch bei den beiden anderen würde Pretzlaff eine Verbindung herstellen.

In Schalksmühle wurden von 2014 bis 2015 in der Halloween-Nacht keine Sachbeschädigungen gemeldet, 2017 gab es dafür einen größeren Fall. „Im Bereich Bergstraße wurden an 17 Fahrzeugen die Reifen zerstochen, und zwar bis zu vier Reifen pro Fahrzeug“, sagt Pretzlaff. „Das war absichtlich und mutwillig. Da sind keine acht- bis neunjährigen Kinder rumgegangen.“ Etwa 40 Reifen an 17 Fahrzeugen, die ersetzt werden müssten, das sei schon eine Hausnummer. „Da diese Sachbeschädigung wie die anderen in der Nacht auf den 1. November passiert ist, würde ich einen Halloween-Bezug nicht ausschließen können“, sagt Pretzlaff.

Was haben die Täter zu befürchten?

Teils drastische Strafen. Gemäß Strafgesetzbuch, Paragraf 303, kann „einfache“ Sachbeschädigung mit bis zu zwei Jahren Haft oder eine Geldstrafe geahndet werden. Werden die Täter sogar „gemeinschädlich“ aktiv, das heißt, werden von der Öffentlichkeit genutzte Einrichtungen wie Bushaltestellen oder Denkmäler beschädigt, sieht der Gesetzgeber sogar eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor.

Ist das Klingeln an den Haustüren denn erlaubt?

Das ist gesetzlich nicht eindeutig geklärt. Bei strenger Auslegung könnten die kleinen Süßigkeitensammler aber zumindest bei mehrfachem Klingeln für Hausfriedensbruch belangt werden. Dazu sei es im Kreis aber noch nicht gekommen, sagt Polizeisprecher Dietmar Boronowski. „Mit solchen Anzeigen ist man dann ja doch eher zurückhaltend.“

Mit wie vielen Halloween-Streichen rechnet die Polizei heute?

„Ich habe das Gefühl, dass der Trend ein wenig abgenommen hat“, sagt Dietmar Boronowski. Er rechnet nicht mit besonders vielen Vorfällen. Die Zeiten, als immer wieder von fingierten Kettensägen-Angriffen die Rede war, sind offenbar vorbei. Dafür hat Halloween mittlerweile die digitale Neuzeit erreicht: Derzeit kursiert zum Beispiel ein sogenannter Momo-Kettenbrief bei Whats-App, in dem vor allem jüngeren Nutzern sogar mit dem Tod gedroht wird. Ein Scherz, der wahrlich keiner mehr ist...

Halloween in Europa

Bei dem Begriff Halloween handelt es sich um eine sogenannte Kontraktion von „All Hallows’ Eve“, der im Englischen den Tag vor Allerheiligen benennt – vergleichbar mit „Christmas Eve“ für Heiligabend. Der Brauch war ursprünglich vor allem im katholischen Irland verbreitet, ehe er von irischen Einwanderern in den USA ausgebaut wurde. Erst in den 1990er-Jahren verbreitete sich Halloween verstärkt in Europa, unter anderem als die Karnevalsbranche nach dem Ausfall der Karnevalssaison wegen des zweiten Golfkriegs 1991 verstärkt für Halloween warb. Der bekannteste Brauch, der aus Nordamerika nach Deutschland hinüberschwappte: Kinder gehen von Haus zu Haus und fordern die Bewohner mit dem Spruch „Süßes, sonst gibt’s Saures“ (verkürzt: „Süßes oder Saures“, englisch: trick or treat – „Streich oder Leckerbissen“) auf, ihnen Süßigkeiten zu geben, weil sie ihnen sonst Streiche spielen.

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