Kulturausschuss trotz(t) Corona

Runde um den Block in Halver: Plan steht, für Finanzierung wird gesorgt

Eine Runde um den Block in Schwerte
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Das könnte auch in Halver sein. Bei der „Runde um den Block“ gibt es verschiedene Stationen, an denen Kunst, Musik und Schauspiel lebendig wird.

Die Idee klingt nach Großstadt. Nach Kultur pur. „Eine Runde um den Block“ heißt die Veranstaltung, die die städtische Kulturbeauftragte Inge Zensen nach Halver holen will. Der Kulturausschuss unterstützte das Projekt in seiner Sitzung am Donnerstagabend.

Halver – Bedenken hatte nur die CDU-Fraktion. Aber auch sie gab am Ende ihre Stimme für den Beschluss ab. Vordergründig ging es um die Finanzierung , die man „ohne Rückendeckung“ des Ausschusses nicht durchführen wolle, wie Thomas Gehring, Fachbereichsleiter der Bürgerdienste, sagte.

Zuvor hatte Zensen voller Begeisterung das Projekt, das sie aus Schwerte schon lange kennt, den Ausschussmitgliedern vorgestellt. Es geht um das Wochenende vom 17. bis 19. September. Eine Woche vorher wären bereits Künstler und Schauspieler in der Stadt – wahrscheinlich auf dem Werkhofgelände –, um Straßen und Fassaden zu ihrer Bühne werden zu lassen. Unscheinbare Ecken sollen mit Musik, Theater und Kunst zum Leben erweckt werden. Im Rahmen einer 90-minütigen Tour, die an einem Tag von maximal 300 Personen wahrgenommen werden kann, werden die in Gruppen aufgeteilten Besucher von Kulturstation zu Kulturstation geleitet. Aus Garagen kommt dann zum Beispiel Musik, im Schaufenster steht eine Band, auf den Balkonen Chöre, in Hinterhöfen findet Theater statt. Fünf bis acht Minuten pro Station sind geplant. Details sind noch nicht öffentlich, ein Überraschungseffekt solle bleiben, sagt Inge Zensen, die mit Projektleiter Jörg Rost in stetigen Austausch steht.

Die Straße zum Leben erwecken

An der Villa Wippermann soll es losgehen, weiter Richtung Sparkassenvorplatz, von dort zur Bahnhofstraße Richtung Kulturbahnhof. Vorgesehen ist, dass alle Restaurants geöffnet haben, um die Besucher auch nach der Runde zum Verweilen einzuladen. Denn es geht auch ums Kennenlernen der Stadt, um das Image. Im vergangenen Jahr fand die Veranstaltung in Schwerte bereits in einer Corona-Version statt. Mit Einbahnregelungen, Desinfektionsmittel und Kreidekreisen, um Abstand einzuhalten. Ähnliches wäre auch in Halver möglich.

50 000 Euro sind notwendig, um die Veranstaltung nach Halver zu holen. Einige Nebenkosten werden noch hinzukommen, etwa Sicherheitsdienste und Werbekosten. Dem stehen kalkulierte Einnahmen in Höhe von 22 500 Euro gegenüber und weitere 25 000 Euro aus dem Kultur-Etat. Geplant ist, eine Karte für 25 Euro zu verkaufen. Sina Löschke von der Fraktion der Grünen sieht diesen Preis als hohe Hürde an und plädierte dafür, die Veranstaltung für jeden zu ermöglichen. Kristian Hamm (UWG) unterstützte diese Idee und brachte eine kostenlose Teilnahme ins Gespräch, die in Zeiten ohne Halveraner Kirmes und Halveraner Herbst erstrebenswert wäre. Sponsoren und Crowdfunding wurden als Finanzierungsmöglichkeit genannt.

CDU sieht „großes Risiko“

Vonseiten der CDU gab es Bedenken. Liane Bauer sieht ein „großes Risiko“. 300 Personen an einem Abend seien für Halver eine ganze Menge. „Ich muss ehrlich sagen, ich glaube nicht dran.“ Auch mit Blick auf das Wetter, das der Aktion einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Kristian Hamm plädierte dafür, dass man für Kultur Geld in die Hand nehmen müsse. Viele Mittel flössen in Immobilien wie das Feuerwehrgerätehaus und den neuen Kindergarten – was auch richtig sei.

„Aber in die Kultur muss auch investiert werden. Die Sehnsucht bei den Menschen ist groß. Das ist eine Aktion, die über den Ort hinaus strahlt.“ Inge Zensen bestätigt das mit Erfahrungen aus Schwerte. Über fehlendes Publikum müsse man sich keine großen Sorgen machen. Indes: Ein Risiko bestehe, sagt auch Zensen. Entweder seien die Menschen vorsichtig und blieben zu Hause. Oder sie seien hungrig nach Kultur. „Ich weiß das nicht, aber ich glaube es. Und ich glaube, dass die Leute für diesen Ort einstehen“, sagt Zensen.

Mut zum Risiko

Der Beschluss sah vor, die Veranstaltung durchzuführen, sofern die Finanzierung gesichert ist. Aus der UWG kam von Andreas Wolf der Vorschlag, direkt zu beschließen, dass für die Finanzierung gesorgt wird. „Dann müssen wir uns auch darum sorgen“, hieß es aus Richtung der CDU. „Man mus auch mal etwas riskieren“, sagte Werner Fuchs (SPD).

Ideen dazu, wie der Eintrittspreis symbolischer Natur bleiben kann, werden noch vertieft. Und wenn am Ende die Corona-Pandemie die Veranstaltung verhindert, soll eine Klausel im Vertrag Sicherheit schaffen, dass keine Kosten anfallen. Als Ausweichtermin ist dann das Jahr 2022 geplant.

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