Rückkehr der Wölfe

Bald auch Wölfe in Halver? Infos über die Wildtiere

Wolf Märkischer Kreis Halver
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Der Wolf ist im Märkischen Kreis angekommen.

Vier tote Schafe, verunsicherte Spaziergänger und viele offene Fragen bringt die Rückkehr der Wölfe in den Märkischen Kreis mit sich. Auch in Halver macht man sich Gedanken darüber.

Halver – Fest steht, dass bereits vor zwei Jahren Wölfe und deren Spuren im Meinerzhagener Ebbegebirge und in Neuenrade gesichtet wurden. Nun in Balve. Für Thomas Bette, Presseobmann beim Hegering Halver, steht ebenfalls fest: „Wir werden bald auch Wölfe in Halver haben. Ob sie es schaffen, sich hier im Nahbereich fest zu etablieren, muss sich erst zeigen.“

Der Unterschied zwischen dem Balver Gebiet und unserer Region besteht laut Bette darin, „dass es dort größere, geschlossene Waldgebiete gibt und weniger Straßen. Für Wölfe ist hier nicht die perfekte Umgebung. Die Waldgebiete sind kleiner und es gibt mehr Straßen und entsprechend mehr Verkehrsopfer“. Dass Wölfe durch unsere Wälder ziehen oder sie als „Zugriffsgebiet“ für ein angesiedeltes Wolfsrudel dienen werden, davon ist der Jäger aber fest überzeugt.

Das Verhalten des Wolfs

Nachdem es mehr als 150 Jahre lang keine Wölfe in Deutschland gab, kehrt der Isegrim langsam zu uns zurück. Ob das ein Grund zur Freude oder zur Besorgnis ist, darüber streiten sich selbst die Fachleute. „Ich persönlich finde, dass der Wolf wie auch der Luchs eine extreme Bereicherung für die Natur im märkischen Raum wären“, meint Thomas Bette. „Ich habe allerdings die Befürchtung, dass ein sehr intelligentes, soziales und flexibles Tier wie der Wolf sehr schnell lernt, dass es erheblich leichter ist, sich von Schafen, Lämmern oder Ziegen zu ernähren, die hinter einem Zaun gefangen sind, als sich an Rehen, Wildschweinen oder Mäusen satt zu fressen.“ Ein Reh, Hasen oder Mäuse zu fangen sei für das Raubtier wesentlich aufwendiger. Und sich für einen Wildschwein-Frischling mit der Bache anzulegen, würde der Wolf nur im Notfall riskieren.

Der Wolf wird sich seinen eigenen Lebensraum nicht zerstören.

Anja Neumaier, 2. Vorsitzender des Tierschutzvereins

Während sich die Begeisterung über die Rückkehr der Wölfe bei Nutztierhaltern in Grenzen hält, stehen viele Tierschützer seiner Ankunft positiv gegenüber. „Ich sehe darin keine Probleme“, stellt die zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins Halver-Schalksmühle, Anja Neumaier, klar. „Der Wolf wird sich seinen eigenen Lebensraum nicht zerstören und nicht mehr reißen, als er wirklich zum Leben braucht. Wenn zu viele Wölfe in einer Region vorhanden sind, wandern sie ab.“ Abhängig wäre der Bestand demnach von dem vorhandenen Futterangebot.

„Die Beutepopulation bestimmt die Größe der Räuberpopulation“, fasst Thomas Bette die natürliche Gewichtung zusammen. Zu bedenken gibt er jedoch, dass sich das Gleichgewicht zugunsten der Räuber verschieben könne, falls er auf zusätzliche Ressourcen wie Schafe oder Ziegen zurückgreifen könne.

Elektrozäune für Sicherheit anderer Tiere

Dass auch die Schützlinge eines Schäfers auf dem Speiseplan des Wolfs landen können, weiß die Tierschützerin. „Schafe sind aber nicht die primäre Nahrungsquelle des Wolfs. Aber es ist natürlich möglich.“ In dem Fall müsse der Schäfer die Tiere mit Elektrozäunen sichern, die auch bezuschusst würden. „Diese Zuschüsse“, weiß Thomas Bette jedoch, „können weder den Zeitaufwand noch die Zusatzkosten der überwiegend als Hobbyschäfer tätigen Schafhalter decken.“

In einem Punkt sind sich Tierschützer und Waidmänner auf jeden Fall einig: Den „bösen Wolf“ gibt es nur in Märchen und Filmen. Niemand muss Angst vor diesen Tieren haben. Die Chance, ihnen im Wald zu begegnen, ist zudem außerordentlich gering. „Der Wolf ist ein sehr scheues Tier und wird sich niemals einem Menschen zeigen“, weiß Anja Neumaier. Falls ihr doch mal ein Wolf über den Weg laufen sollte, „dann würde ich mich freuen. Ich weiß ja, wie ich mich zu verhalten habe: Ich bleibe still stehen, errege nicht die Aufmerksamkeit des Tieres und laufe auch nicht weg. Ich beobachte ihn einfach nur. Er wird mich weder als Feind noch als Beute wahrnehmen.“

Auf keinen Fall weglaufen, wenn man einem Wolf begegnen sollte. 

Thomas Bette, Presseobmann des Hegerings

Das kann Thomas Bette unterstreichen. „Menschen gibt es in Mitteleuropa seit 40 000 Jahren, Wölfe und ihre Beutetiere schon seit Ewigkeiten. Wir kommen im angestammten Beutespektrum eines Wolfs gar nicht vor und gehören somit auch nicht auf seinen Speiseplan.“ Und ergänzend fügt er hinzu: „Auf keinen Fall weglaufen, wenn man einem Wolf begegnen sollte. Meinetwegen kann man ihn auch anbrüllen und ihn damit verscheuchen. Ich würde ihm auch nicht in die Augen sehen. Das ist auch bei Hunden nicht produktiv.“

Allerdings wird kaum jemand im Wald einem Wolf begegnen. Selbst, wenn die meisten Geschichten die scheuen Waldbewohner gerne als böse und angriffslustig darstellen, haben Wölfe doch viel mehr Angst vor uns als wir vor ihnen.

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