Rosenkrieg um einen Bagger

Ein Rosenkrieg um einen Bagger beschäftigte am Mittwoch die Richter des Hagener Landgerichts. ▪

HALVER ▪ Streitigkeiten um Kinder und andere Rosenkriege nach einer Scheidung sind nichts Seltenes. Weniger häufig dürfte es vorkommen, dass sich geschiedene Eheleute vor Gericht um einen Bagger streiten. Doch am Mittwoch war es in Halver soweit.

Eine 54-Jährige aus Halver, die am 10. Januar vom Amtsgericht Lüdenscheid wegen Unterschlagung des besagten Baggers zu einer Geldstrafe von 800 Euro verurteilt worden war, hatte dieses Urteil für ungerecht gehalten und dagegen Berufung eingelegt.

Die Geschichte begann noch in besseren Zeiten des Ehepaars Anfang der 1990-er Jahre: Die jungen Leute wollten sich und ihren Kindern ein schönes Heim bauen. Für die Ausschachtungsarbeiten und weitere tiefschürfende Aufgaben in dem weitläufigen Anwesen ihrer Eltern kauften die Eheleute 1992 einen 30 000 D-Mark teuren Bagger. Von wem das Geld stammte, war gestern nicht zu klären: Sowohl die Angeklagte als auch ihr als Zeuge vom Bodensee angereister Ex-Mann behaupteten, das Geld sei erbweise von den jeweiligen Eltern gekommen. Dokumente über den Kauf und die Besitzverhältnisse lagen nicht mehr vor. Da offenbar keine Gütertrennung vereinbart war, gehörte den Eheleuten der Bagger also höchstwahrscheinlich gemeinsam. Der 51-jährige Ex-Mann verzichtete nach der Scheidung zwar auf diverse Werkzeuge, nicht jedoch auf den Bagger, den seine Exfrau am 15. November 2010 für 8300 Euro verkaufte und den Erlös nicht teilte. Diesen Vorgang wertete das Amtsgericht als Unterschlagung und Oberstaatsanwalt Wolfgang Rahmer machte deutlich, dass er diese Einschätzung teilte: „Wollen Sie nicht über eine Rücknahme der Berufung nachdenken?“ Zudem zeigte er sich deutlich ungehalten über solche Beschäftigungstherapie für Staatsanwaltschaft und Gericht: „Das scheint das Problem zu sein, dass da ein persönlicher Streit ausgefochten wird.“

Angesichts der Fragen, die für eine Entscheidung noch in einem aufwändigen Ermittlungsverfahren hätten geklärt werden müssen, stellte die Strafkammer das Verfahren auf Staatskosten vorläufig ein. Als Geldauflage muss die 54-Jährige nun noch 500 Euro zahlen. ▪ Krumm

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