Mann muss sich wegen versuchter Körperverletzung verantworten

Rollstuhlfahrer greift Polizisten an

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Halver - Ein Rollstuhl muss kein Argument gegen einen handfesten Streit mit der Polizei sein: Dies Einsicht bewahrheitete sich in Halver.

Ein 71-Jähriger Rollstuhlfahrer aus Halver muss sich in einem Strafverfahren im Amtsgericht Lüdenscheid verantworten. Beleidigung, versuchte Körperverletzung und ein tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte werden ihm vorgeworfen. 

Der Angeklagte schilderte die Vorgeschichte: Mit seinem Rollstuhl war er über das Ladekabel seines Handys gefahren, was die „Schnur mit Gummiband“ nicht überstand. Die erste Ersatzbeschaffung in einem Telekommunikationsladen in Halver scheiterte. „Nach 20 Minuten war ich wieder da: ‘Passt nicht!“ 

Mann fühlt sich auf den Arm genommen

Ein Adapter sollte weitere 20 Euro kosten, was den 71-Jährigen auf die Palme brachte. Er habe der Verkäuferin unterstellt, ihm bewusst das falsche Kabel gegeben zu haben. Statt weitere 20 Euro zu investieren, bezahlte er anderswo knapp neun Euro für eine Gesamtlösung, was den Zorn auf die angebliche Abzocke nicht minderte. 

Nach einem heftigen Streit riefen die Ladeninhaber die Polizei, die der Angeklagte vergeblich gegen die vermeintlichen Abzocker ins Feld zu schicken hoffte. Nun drohte er mit Selbstjustiz: „Wenn Sie mir nicht helfen, muss ich mir selber helfen.“ Und offenbar versuchte er im Gefecht, die Beamten zu schlagen. „Vom Rollstuhl aus!“, warf er gegenüber Richter Thomas Kabus ein. 

Seiner Darstellung zufolge wurden auch die Polizisten recht ruppig und verschränktem ihm die Arme auf dem Rücken. Er habe nach dem „Angriff der Polizisten drei Tage lang krank im Bett gelegen“, behauptete der 71-Jährige – mit „schmerzhaften Bewegungseinschränkungen“. 

Psychatrischer Gutachter hinzugezogen

Irgendwie blieb dann die Strafanzeige in der Welt. Ein psychiatrischer Gutachter attestierte dem Senior eine gewisse Egozentrik und Selbstüberhöhungen, vor allem aber eine Neigung zum Aufbrausen. 

In einem internen Rechtsgespräch unter den Juristen fanden die Beteiligten eine akzeptable Lösung: Ein älteres Verfahren aus dem Jahr 2015 wurde eingestellt. Da sollte der Angeklagte mit einer Krücke auf einen anderen Gast in einer Kneipe in Halver eingeschlagen haben, weil der ihn angeblich angerempelt hatte. Gegen eine Einstellung auch des zweiten Verfahrens sprachen 33 Eintragungen im Bundeszentralregister der Straftaten. 

Richter Thomas Kabus verurteilte den 71-Jährigen wegen Beleidigung und versuchter Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 15 Euro. Diese Geldstrafe wurde allerdings zur Bewährung ausgesetzt. Der Angeklagte zeigte sich zum Abschied begrenzt einsichtig: „Die Sache ist ja jetzt gegessen. Polizisten darf man nicht angreifen – auch wenn sie Schuld haben.“

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