Interview

Poptimistisches Soundgebäck - Binyo veröffentlicht neues Album und feiert Release-Konzert

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Mit dem neuen Album „Das Wortwal Aquarium“ von Binyo will der Halveraner Singer-Songwriter Robin Brunsmeier auf den Meeresschutz aufmerksam machen. Das Cover zum Album zeigt eine Unterwasserwelt, in der im Korallenriff Instrumente wachsen.

Halver - Am 28. Februar findet das Release-Konzert von Robin Brunsmeier alias Binyo in der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG) statt. Am 29. Februar erscheint sein neues Album „Das Wortwal Aquarium“. Redakteurin Sarah Lorencic hat den Sänger in der Soundbäckerei getroffen.

2015 erschien Ihr erstes Album „Der Steg ist das Ziel“, 2017 das zweite mit dem Titel „Die Schnuppe vom Stern“ und jetzt kommt bald das dritte Album „Das Wortwal Aquarium“. Sie sprechen von einer Der-Die-Das-Albumtrilogie. Was hat es damit auf sich? 

Mit dem neuen Album möchte ich eine Fünf-Jahres-Phase abschließen. Die „Der, die, das“-Reihenfolge hat sich so ergeben, auch wenn ich gerne behaupten würde, es sei geplant gewesen. Ich habe einen gewissen Anspruch an alles, was textlich passiert, und wenn ich solche Stimmigkeiten kommen sehe, dann nehme ich sie gerne auf. 

Ein Abschluss der Trilogie heißt aber nicht, dass Sie aufhören, Alben zu produzieren? 

Nein, auf keinen Fall. Soundmäßig wird es sich aber mit Sicherheit nach diesem Album auch auf Singles reduzieren. Einfach, weil es sehr anstrengend ist, ein ganzes Album zu produzieren. 

Wie viel Zeit haben Sie ins aktuelle Album gesteckt? Drei Jahre sind seit dem vorherigen vergangen. 

Es sind Songs dabei, die aus der Zeit direkt nach dem zweiten Album stammen. Begonnen hat es also vor drei Jahren. Songs sammeln sich dann an. Die größte Aufgabe ist es immer, jemanden zu finden, der das Album gut produzieren kann. Das dauert. Die ersten beiden Alben hat Christopher Hans produziert, das dritte produziert nun Tobias Taugner. Ihn habe ich im September in Mannheim kennengelernt. Drei Monate hat er im Grunde hier an der Mühle gewohnt und wir haben jeden Tag zusammen gearbeitet. 

Mannheim? Wie kommt‘s? 

Da habe ich studiert. Mannheim ist ein Knotenpunkt, wo wirklich gute Leute studieren. Und Studenten brauchen Projekte und sind super talentiert und wollen ihr ganzes Leben auf Musik ausrichten. Deswegen ist das für mich ein ganz toller Ort, um jemanden zu finden, mit dem man ein Album produzieren kann. Und ich suche die Verbindung Heesfelder Mühle und Popakademie Mannheim immer mehr bewusst, um diesen Ort hier als Künstleroase auszubauen. Denn es ist ein schöner Ort dafür. 

Im Video zum Song „Frag dich selbst“ sind Sie auch an einem schönen Ort unterwegs, nämlich im Wald. Sie schreiben Texte mitten in der Natur. Ist das in Wirklichkeit auch so? 

So wie im Video ist es nicht unbedingt der Fall. Aber ich schreibe viel, wenn ich unterwegs bin. Aber es kann dich überall überkommen – bei Zugfahrten zum Beispiel. Ansonsten führe ich das aber auch ganz bewusst herbei, dass wir uns treffen und an einem Song schreiben. Hin und wieder bekomme ich auch einfach Lust dazu, zu schreiben – gerade dann, wenn mal wieder alles andere sehr stressig ist und man keine Lust hat auf den Papierkrieg, der auf dem Schreibtisch wartet. Dann erinnert man sich wieder daran, dass man ja auch kreativ fleißig sein muss – und das macht dann um einiges mehr Spaß. 

Aber es ist ja nicht nur Spaß... 

Nein, ist es nicht. Ich versuche immer mehr, die Arbeit des Songwritings ernst zu nehmen. Also das, was ich hauptsächlich machen möchte. Das gelingt mir jetzt auch mit 2020 zunehmend. Vor allem weil ich an der Mühle weniger mache und die Geschäftsführung der Genussmühle jetzt übergebe. Das fühlt sich gut an. Aber schreiben kann ich auch so auf Knopfdruck, muss ich sagen. 

Wie viel Zeit wollen Sie denn fortan in die Musik investieren? 

Ich habe einen harten Entschluss getroffen. Ich werde nur noch zwei Tage in der Woche hier sein. Den Rest der Tage verbringe ich dann mit Musik. Und wo sind Sie an den anderen fünf Tagen? Ich ziehe gemeinsam mit meiner Freundin nach Neuss. Das heißt, nach der Tour wohnen Sie nicht mehr in Halver. 

Dann ist die Release-Party ja fast eine Abschiedsparty? 

Nein, ich habe hier ja alle meine Freunde und es ist nur eine Stunde weg. Zwei Tage bin ich auf jeden Fall immer hier – also verliert man sich auch nicht aus den Augen. Keine Angst! 

Wie viele Titel wird es denn auf dem neuen Album geben? 

15. Das liegt daran, dass das Erste 13 hatte und das Zweite 14. Deswegen muss das Dritte für mich natürlich jetzt 15 haben (lacht). Denn wenn es schon stimmig mit „der, die, das“ ist, muss es auch hier stimmig sein. Und was mir noch aufgefallen ist: Summiert man die Titel, sind es 42. Und 42 ist ja bekanntlich der Sinn des Lebens. 

Das müssen Sie erklären. 42, der Sinn des Lebens? 

„Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams? 

Klingelt nicht. 

In der Science-Fiction-Geschichte wurde ein Super-Computer gebaut. Nach einigen Millionen Jahren Rechenzeit lautete seine Antwort auf die Frage nach dem Leben 42. 

Es bleibt kompliziert. Jetzt müssen Sie mal den Titel „Das Wortwal Aquarium“ erklären. Das ist ja wieder ein interessantes Wortspiel. 

Damit bringen Sie es eigentlich schon auf den Punkt. Es gab unendlich viele „Das“-Überlegungen, weil ja klar war, der Titel muss so beginnen. Der Titel musste Sinn machen und zum Album passen. Letztendlich ist die Idee durch den Song „Philosofisch“ gekommen. Der Song ist das Wortspiel-Lied schlechthin. Es besteht eigentlich nur aus Wortwitzen. So ist der Titel entstanden

Das Cover des neuen Albums ist ein Korallenriff, in dem Instrumente zu erkennen sind. Was steckt dahinter? 

Wir haben uns gedacht, dass wir mit dem Wortwal im Unterwasserwelt-Thema sind und wir wollen unsere Musik zunehmend mit gehaltvollen Projekten ergänzen. Wir verbinden dieses Album daher mit Meeresschutzprojekten. Umso mehr Leute unsere Musik hören, umso mehr Möglichkeiten haben wir, das positiv zu nutzen – indem man Leute auf Sachen aufmerksam macht oder anstiftet, etwas Gutes zu tun. Beim nächsten Album wird wieder ein anderes Thema im Fokus stehen. 

Die meisten Künstler im kommerziellen Bereich nutzen ihre Musik eher zur Unterhaltung. Was ist Ihr Anliegen? 

Eigentlich das, was so langsam passiert. Ich möchte möglichst viele Menschen erreichen. Das meine ich sowohl in Deutschland und darüber hinaus, als auch im Herzen der Menschen. Ich merke immer mehr, dass Menschen manche Songs richtig nah gehen und es etwas bei ihnen auslöst. Immer mehr kleine Kinder, wie die, denen ich Gitarrenunterricht gebe, singen meine Lieder rauf und runter – und mir ist es wichtig, dass sie auch etwas Vernünftiges aus den Songs für sich mitnehmen. 

Im Song „Jeremy Pascal“ singst du „deine Welt ist ein Spielplatz“ und dass du dich auch gerne mal wieder in ihr „verlieren willst“. 

Ja, im Grunde ist die Welt ein Spielplatz. Ich habe auch immer versucht, den Menschen Mut zu machen, ihren Weg zu gehen. Und das passt schon in diese verspielte „Trau dich mal“-Welt. Und im Song „Jeremy Pascal“ geht es ja auch darum, nicht darauf zu achten, was andere denken. Ich kenne viele Leute, die in Jobs feststecken, in denen sie gar nicht so glücklich sind. Aber keiner traut sich so richtig, aus diesem Kreis von Miete-Arbeit-Geldschleife auszubrechen. Ich habe immer das Bedürfnis, diese Menschen zu befreien. 

In Ihren Songs geht es auch nicht um irgendwelche Liebesgeschichten. 

Ich versuche, in meinen Songs immer möglichst optimistische und positive Sachen zu machen. Das scheint mir auch ein Ding zu sein, was man nicht vergessen darf. Viele Singer-Songwriter sind immer irgendwie so traurig und singen immer traurige Liebeslieder. Ich will nichts dagegen sagen. Aber ich freue mich, wenn man meine Lieder hört und auch mal schmunzelt – oder eine andere Perspektive zu gewissen Themen einnimmt. 

Haben Sie denn einen Lieblingssong auf dem neuen Album? Alle Songs sind meine Lieblingssongs

Je nach Stimmung höre ich andere gerne. Bis jetzt kennt man nur den Song „Frag dich selbst“. 

Bekommen wir noch einen Vorgeschmack? 

Ja, wir haben das Video zum Song „Das Mädchen, das nicht tanzt“ gedreht. Es wird noch vor Erscheinen des Albums veröffentlicht. Von Live-Auftritten kennt man auch einige andere Songs, die auf dem Album drauf sein werden. 

Und wie sehr freuen Sie sich auf die Release-Party? 

Ich freue mich da unendlich drauf. Auch weil ich das Album draußen haben möchte. Ich freue mich vor allem auch darauf, endlich mit dem Album bundesweit auf Tour zu gehen und zu sehen, wie die Leute auf die Songs reagieren.


Release-Party 

Das Konzert findet am Freitag, 28. Februar, in der AFG-Aula statt. Tickets gibt es online und im Kö-Shop für 10 Euro im Vorverkauf und 15 Euro an der Abendkasse. Beginn ist um 19 Uhr. Das neue Album ist beim Konzert am 28. Februar ebenfalls erhältlich.


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