Riesenfräse frisst sich durch den Schnee

Volle Kraft voraus: Die Schneefräse von Jochen Bäcker hat richtig Kraft. Innerhalb von einer halben Minute ist ein Lastwagen befüllt. ▪ Weber

HALVER ▪ Sie ist laut. Sie frisst sich durch den Schnee. Und ist zurzeit mindestens so begehrt wie Streusalz: Die Schneefräse von Jochen Bäcker. Gestern hat er damit Halvers Straßen vom Schnee befreit.

Punkt 7.30 Uhr geht’s bereits los: Der Landwirt aus Nachrodt-Wiblingwerde startet in der Mühlenstraße, fährt weiter über die Von-Vincke-Straße in Richtung Linger Weg. Bis er dort ankommt, dauert es eine ganze Weile. Es geht nur im Schritttempo voran. Denn: Nur vier Lastwagen stehen zur Verfügung, um den Schnee wegzubringen.

Die Kommunikation erfolgt per Hupsignal. So dirigiert Bäcker hinter seinem großen Lenkrad die richtige Position der Kipper. Währenddessen frisst sich die zweieinhalb Meter breite Fräse mühelos durch den Schnee. Die weiße Pracht fliegt im hohen Bogen direkt auf die Ladefläche des Dreiachsers. Es dauert nur eine halbe Minute, bis der nächste eigentlich an der Reihe ist. 1400 Kubikmeter Schnee haben ihr Ziel schnell gefunden. „Die Pausen sind etwas nervig“, sitzt er wieder im Wartestand. Sein Glück: In der Fahrerkabine ist es wenigstens mollig warm. Für Abwechslung sorgt das Radio. So ist der Landwirt jedenfalls immer gut informiert.

Jochen Bäcker macht den Job gerne, er hat ihn sich ausgesucht, das Gefährt selbst konstruiert. „Ich hatte eben die richtige Idee zur richtigen Zeit.“ Er lacht geschäftstüchtig. Ihm gehört der Trecker, die Fräse einem Kumpel. Im vergangenen Jahr hat er daraus das begehrte Gefährt gebaut. Nun ist der Mann aus dem Lennetal im Umkreis nahezu der einzige, der so viel Schnee in so kurzer Zeit beiseite räumen kann. Und damit ist er praktisch im Dauereinsatz.

Täglich verbringt Bäcker rund neun Stunden auf seiner Maschine. Greift unter anderem den Räumdiensten in seiner Heimatstadt und in Schalksmühle unter die Arme. Sorgt aber auch dafür, dass Talsperren erreichbar und Servicewege zu Windrädern begehbar sind. Wer denkt, dass er damit Reichtümer anhäuft, irrt. Pro Tag schluckt die Fräse für rund 200 Euro Biodiesel. Hinzu kommen die Kosten für die Verschleißteile.

Und die Autofahrer? „Manche Leute sind total bekloppt“, sagt Bäcker. Dabei dauere ein Einsatz ja nicht einmal eine Minute. „Dann fahre ich wieder beiseite.“ Die Ungeduld der Verkehrsteilnehmer kann sogar gefährlich werden: Im Schnee sind Eisstücke und Steine. ▪ Lisa Weber

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