Verletzter Stamm

Rettungsaktion für besonderen Tulpenbaum

Die Wunde des Baumes liegt an der Stelle, wo sich die Stämme trennen.
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Die Wunde des Baumes liegt an der Stelle, wo sich die Stämme trennen.

Eine „Fangsturzsicherung“ soll dem Tulpenbaum zu einem längeren Leben verhelfen. Er ist nämlich verletzt und soll so gerettet werden.

Halver – Gleichzeitig dient die „Fangsturzsicherung“ dazu, den flach in Richtung Rathaus streichenden Stämmling aufzufangen, falls er in gut einem Meter Höhe abbrechen und in den Rathauspark stürzen sollte.

Bäume zu retten, ist für den Halveraner Baumfachmann Thomas Bette einerseits Beruf und zudem auch noch Berufung. Am Mittwoch stand der recht seltene Tulpenbaum im Park zwischen Schützenstraße und Thomasstraße auf der To-do-Liste. Und der stadtbildprägende Baum hat ein Problem.

Thomas Bette auf dem Weg in die Krone.

In Wirklichkeit besteht der Baum, gut 50 Jahre alt, wahrscheinlich aus zwei Bäumen, getrennt durch eine Rindenschicht. Was aussieht wie ein fast waagerecht abgehender Ast dürfte somit eigenständiges Gewächs sein, das zudem aus Holzfasern besteht, die in Längsrichtung verdreht gewachsen sind.

Experte stellt „Randaleschaden“ fest

Das allein hätte der seitliche Ausleger problemlos vielleicht noch ausgehalten, doch dazu kommt eine oberseitige Verletzung des Stämmlings. Bette vermutet, dass es sich um einen „Randaleschaden“ handelt, wie er es nennt, was in einem öffentlichen Park wohl auch kaum auszuschließen ist. Der Stämmling lädt zum Klettern ein, und wenn genug Kinder darauf herumgeturnt sind, nimmt die Rinde halt Schaden. Aber: „Wenn das der Preis dafür ist, dass Kinder einen Bezug zu der sie umgebenden Natur finden, dann ist der Preis gerechtfertigt“, ist Bette überzeugt.

Gut zu erkennen ist der Schaden wenig oberhalb der Stelle, wo sich die beiden Stämme trennen. Auf rund 40 Zentimeter Länge, teilweise handbreit, fehlt dem Baum die schützende Rinde. Pilze haben freien Zugang und bekommen Sauerstoff genug, um sich ins Kernholz vorzuarbeiten.

Rechts der Tulenbaum, links der Urwelt-Mammutbaum.

Kleinere Verletzungen können Bäume aus eigener Kraft schließen und den Pilzbefall vom Sauerstoff abschneiden. „Überwallen“, nennen das Fachleute. Doch das schafft der Tulpenbaum im Park offenbar nicht. Er kann zwar wachsen, dicker werden und sich durch Neubildung von Holz an neuer Stelle reparieren, was „generativ“ genannt wird. Aber Bäume können nicht „regenerativ“ an derselben Stelle dasselbe Körperteil reparieren, wie es beim Menschen nach einem Knochenbruch passiert, beschreibt Bette das kommende Schicksal des Baumes mit seiner charakteristischen Gestalt. „Eine Chance zur Erholung für das verpilzte Holz gibt es nicht. Der Baum muss die defekte Stelle mit einer neuen Holzschicht überwallen und damit die Stabilität wieder herstellen. Ob ihm das hier gelingt, ist jedoch angesichts des Besucherdrucks fraglich.“

Die Blütenform gibt dem Tulpenbaum den Namen.

Eine Sicherung mit Seilen, die den Ausleger nach oben und seitlich entlasten und auffangen, ist aber nicht nur für den waagerechten Nebenstamm lebenswichtig. Würde man ihn absägen, bliebe eine riesige Wunde, über den Pilze und Insekten Zugang zum noch gesunden Baum finden würden.

Weitere besondere Bäume in Halver

So aber bleibt der Stämmling erhalten in der gemischten Gesellschaft anderer schöner Bäume, die der Rathauspark bereithält. Nächster Nachbar ist ein Urwelt-Mammutbaum, auch Chinesisches Rotholz genannt und asiatisches Pendant des bekannteren Mammutbaums aus Amerika. Und Fan ist Bette auch von drei jüngeren Bäumen am südlichen Rand des Parks, die vielfach für Ahorne gehalten werden, in Wirklichkeit aber Amberbäume sind. „Wunderschön im Herbst“, sagt Bette über sie. „Die ganze Palette des Indian Summer an einem einzigen Baum.“

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