Regierung will Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest verhindern

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Wildschweine, die auch im Sauerland massenhaft vorkommen, können die Afrikanische Schweinepest schnell verbreiten.

Volmetal - Die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch. In Nordrhein-Westfalen wurde bislang zwar noch kein Fall bekannt, im benachbarten Belgien allerdings schon. Wie ernst die Tierseuche von Politik und Forstverwaltungen genommen wird, zeigte unlängst eine Übung, die in relativer Nähe zu Halver stattfand: Im Rheinisch-Bergischen Kreis, keine 30 Kilometer Luftlinie entfernt, wurde eine Großübung durchgeführt. Deren Ziel: Vorbereitungen auf den Ausbruch der Schweinepest.

Halver und die umliegenden Wälder beherbergen große Wildschwein-Populationen. Wie viele Tiere hier genau leben, ist unbekannt. „Sie haben ein riesengroßes Streifgebiet, die Fluktuationen sind entsprechend sehr groß“, sagt Thomas Bette, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit beim Hegering Halver. Die Herden legten große Distanzen zurück, könnten in relativ kurzer Zeit quasi 300 bis 500 Kilometer „springen“. Begünstigt durch den Klimawandel – also milde Frühjahre – , ein großes Nahrungsangebot und eine hohe Reproduktionsrate nehme die Wildschweinpopulation weiter zu.

Und genau diese Allesfresser sind Überträger der Afrikanischen Schweinepest. Hier kommen dann auch die Autobahn-Rastplätze „ins Spiel“. Die liegen gerade im waldreichen Sauerland häufig am oder im Wald, also in Wildschwein-Nähe.

Virus überlebt lange in Fleischwaren

Die Bundes- und Landesregierung haben diese gefährliche Konstellation erkannt – und reagiert: „Seit 2014 breitet sich die Tierseuche in Ost-Europa unter Wildschweinen aus und ist aktuell nur noch rund 300 Kilometer von der deutschen Ost-Grenze entfernt. Da das Virus in Lebensmitteln, die Fleisch enthalten – wie Wurstwaren–, lange überlebt, besteht die Gefahr, dass das Virus über den Ferntransport beispielsweise entlang der Autobahnen nach Nordrhein-Westfalen eingetragen wird“, heißt es im Online-Landesportal „Wir in NRW“ der Landesregierung. Heimische Wildschweine, die den infizierten Abfall fressen, können sich so jederzeit anstecken.

„Die Wildschweine sind nicht das Problem, das Ausbreitungsmuster des Virus zeigt, dass es ein menschengemachtes Problem ist“, sagt Bette. Man müsse versuchen bei den Leuten ein entsprechendes Bewusstsein zu schaffen, zum Beispiel „keine Wurstbrote in die Landschaft zu schmeißen“.

Genau davor – nämlich Lebensmittel auf Rastplätzen in der Landschaft zu entsorgen – warnen mehrsprachige Hinweistafeln, die inzwischen an Fernstraßen-Rastplätzen aufgestellt wurden. Stattdessen sollten dafür nur verschlossene Müllbehälter genutzt werden, heißt es. „Ich bin ein bisschen skeptisch, ob man die Leute, die große Strecken auf der Autobahn zurücklegen, damit wirklich erreicht“, sagt Bette.

Ministerium appelliert an Reisende

Da der Erreger nicht nur über Wildschweine, sondern neben Nahrungsmitteln auch über Kleidung und Autoreifen übertragen werden, appelliert das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium an Reisende, Fernfahrer, Jäger und Tierhalter, sich so zu verhalten, dass eine weitere Ausbreitung der Krankheit verhindert wird. So sollte zum Beispiel auf Jagdreisen in die aktuellen Ausbruchsgebiete Osteuropas bis auf Weiteres verzichtet werden.

 

 

 

Auf vielen Autobahn-Raststätten weisen Schilder darauf hin, Speisereste nur in verschlossenen Müllbehältern zu entsorgen. Auch so soll die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest verhindert werden.

Die Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine virusbedingte Infektionskrankheit. Es handelt sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche. Erreger dieser hochansteckenden und tödlichen Schweinekrankheit ist das African Swine Fever Virus (ASFV), welches ursprünglich nur in den afrikanischen Ländern verbreitet war. Die ASP betrifft ausschließlich Schweine (Haus- und Wildschweine). Eine Übertragung auf andere Tiere, wie zum Beispiel Jagdhunde, findet nicht statt. Eine Ansteckungsgefahr für den Menschen besteht nicht.

Bei europäischen Wildschweinen führt die Infektion zu sehr schweren, aber unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schwäche, Fressunlust, Bewegungsstörungen und Atemproblemen. Durchfall und Blutungsneigung (Nasenbluten, blutiger Durchfall, Hautblutungen) können ebenfalls auftreten. Erkrankte Tiere zeigen manchmal eine verringerte Fluchtbereitschaft oder andere Auffälligkeiten wie Bewegungsunlust und Desorientiertheit.

Die Erkrankung betrifft alle Altersklassen und Geschlechter gleichermaßen und führt in nahezu allen Fällen zum Tod des Tieres innerhalb weniger Tage. Die Afrikanische Schweinepest ist anzeigepflichtig. Beim Auftreten der Erkrankung in einem Hausschweinbestand ist die Tötung aller Tiere des Bestandes unumgänglich. Eine Behandlung ist nicht möglich und überdies gesetzlich verboten. Für die Prophylaxe steht anders als gegen die Klassische Schweinepest (KSP) bei der ASP kein Impfstoff zur Verfügung. Daher können ausschließlich hygienische Maßnahmen und Populationsregulation zur Bekämpfung eingesetzt werden.

- Quelle: Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen

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