Unterricht trotz Corona

Regelbetrieb in Grundschulen: Unterricht wie vor hundert Jahren

Halver, Montagmorgen, 11.30 Uhr: Der erste Tag der Grundschulen im Regelbetrieb ist vorbei. Die Eltern erwarten ihre Kinder rund um die Lindenhofschule. Für die Schüler war es ein schöner erster Schultag. Die Eltern machen sich größtenteils Gedanken, wenn sie sich auch für die Kinder freuen.
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Halver, Montagmorgen, 11.30 Uhr: Der erste Tag der Grundschulen im Regelbetrieb ist vorbei. Die Eltern erwarten ihre Kinder rund um die Lindenhofschule. Für die Schüler war es ein schöner erster Schultag. Die Eltern machen sich größtenteils Gedanken, wenn sie sich auch für die Kinder freuen.

Halver - Mit Maske über den Pausenhof. Die Klassenräume sind voll. Das ist wieder der Alltag für alle Schüler an den Grundschulen mit Einführung des Regelbetriebs. Wie das den Unterricht verändert und was Eltern davon halten, haben wir nachgefragt.

Die Klassen sind wieder voll. „Bis zum Stehkragen“, sagt Petra Schreiber, die Leiterin der Regenbogenschule. Gestern wurde der Regelbetrieb an den Grundschulen wieder aufgenommen. Bis zu 30 Kinder sitzen wieder dicht an dicht in den Klassenräumen. Ein Schritt Richtung Normalität, nachdem sie wochenlang im Präsenzunterricht in kleine Gruppen eingeteilt waren und an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zur Schule kamen. Jedes Kind hatte seinen eigenen Tisch – jetzt hat jeder wieder einen Nachbarn, Reihe an Reihe. „Gruppentische gibt es nicht mehr“, erklärt Schreiber. 

„Wir machen nur noch Frontalunterricht wie vor 100 Jahren.“ Ein freier Unterricht sei nicht mehr möglich. Alle machen das Gleiche, weil es sonst nicht zu organisieren wäre. Warum der Regelbetrieb für die letzten zwei Wochen vor den Sommerferien noch sein musste, weiß Petra Schreiber nicht – und sie sucht nach Worten, die beschreiben, wie sie das findet. „Diese letzte Phase verbessert die Situation nicht.“ Der Präsenzunterricht sei gut gelaufen und auch die Kinder hätten den neuen Ablauf und die Regeln verinnerlicht. „Ich kann uns allen nur wünschen, dass es keine Ansteckungen gibt.“  Sonst gebe es viele neue Probleme. 

Tina Birkelbach und ihre Tochter Enni finden die Einführung des Regelbetriebs gut.

Um das Risiko so gering wie möglich zu halten, kommen die Schüler über fünf verschiedene Eingänge zu unterschiedlichen Zeiten in die Schule. Begegnung soll so vermieden werden. Bei Klasseneintritt desinfizieren Lehrer die Hände der Schüler mit einer Sprühflasche. Bereits dieser Vorgang halte auf, wenn sich aber alle Kinder nacheinander die Hände waschen müssten, würde es noch länger dauern, sagt Schreiber. 15 bis 20 Minuten von der Unterrichtszeit gingen verloren. Im gesamten Schulgebäude und auf dem Schulhof gilt die Maskenpflicht – nur am Tisch darf sie abgenommen werden. Sobald die Schüler aufstehen, sei es auch nur der Gang zu Tafel, müssen sie ihre Maske wieder tragen. Die Durchgänge im Klassenraum sind so eng, dass man kaum durchkommt, wenn noch Tornister neben den Tischen stehen. 

Einhaltung des Abstandes nicht einfach

Es gibt kaum noch Platz und ein Mindestabstand kann nicht eingehalten werden, ist Schreiber ehrlich. Vielleicht 50 Zentmeter lägen zwischen den Tischen. „Das ist schon eine andere Hausnummer“, sagt die Leiterin, die den Regelbetrieb auch als Probelauf sieht. Nach den zwei Wochen werde man die Ansteckungszahlen im Land betrachten. Im Falle einer Infektion sind es die Eltern, Kinder und auch Lehrer, die während des Sommers in Quarantäne sitzen, gibt Schreiber zu bedenken und hofft für alle, dass es dazu nicht kommt. Aus dem Kollegium weiß sie, dass sich viele eine Pause wünschen, nachdem die Erholung bereits in den Osterferien ausfiel. 

Positive Effekte für Eltern und Schüler

An der Lindenhofschule versucht man, wenigstens für die Schüler auch die positiven Effekte des Regelbetriebs zu betrachten. Dass die Klassen sich vor den Sommerferien noch einmal sehen können, sei schön für die Kinder, sagt Konrektorin Sara Nothjunge. Grundsätzlich täten den Kindern die Sozialkontakte gut. Für die Feststellung des Lernstands der Kinder bräuchte man die Lockerung nicht. Die Offene Ganztagsschule (OGS) findet an der Lindenhofschule ebenfalls statt. In drei Gruppen, die sich untereinander nicht begegnen dürfe, wurden die Kinder aufgeteilt. Die Kinder in der OGS kommen aus verschiedenen Klassen, aber anders sei das rein personell nicht zu stemmen. Für die Eltern, die bis Freitag keinen Anspruch auf eine Notbetreuung hatten, sei diese neue Möglichkeit gut. 

Gespaltener Meinung sind sich die Zweitklässlerin Joline und ihre Mutter. Während sich Joline freut, macht sich ihre Mutter Gedanken.

Die Eltern der Lindenhofschüler haben unterschiedliche Meinungen. Tina Birkelbachs Tochter Enni besucht die ersten Klasse. Sie sagt klar: „Ich finde die Regelöffnung gut.“ Die Halveranerin, die mit de Fahrrad ihre Tochter am Montag um 11.30 Uhr von der Schule abholt, sieht das Kindeswohl an erster Stelle. Bei andauernder Einschränkung des Schulbetriebs befürchte sie eher eine Entfremdung der Kinder. Sie freut sich nun vor allem für die Kinder, die sich wiedersehen. Sie sagt zwar, das alles sei ein Test, aber Angst davor, dass es nicht funktioniert, habe sie nicht. Enni kam am Montag strahlend vom Schulhof zu ihrer Mutter gelaufen. Der erste Tag nach langer Zeit mit allen Klassenfreunden habe ihr gut gefallen und auch der Unterricht sei gut gewesen. „Wir konnten machen, was wir wollen.“

Eltern sehen den Regelbetrieb zwiegespalten

 Anders sieht das die Mutter der Zweitklässlerin Joline. „Die Kinder finden das toll“, sagt sie. Aber die Eltern machen sich Gedanken. „Ich verstehe nicht, warum die Kinder das austesten sollen.“ Sie hofft nun, dass alles gut geht. Auch die meisten anderen Eltern, die am Montag auf ihre Kinder rund um die Schule warten „halten gar nichts davon“. Die große Frage bleibe jedoch: Warum? Für die zwei Wochen hätte für Jolines Mutter auch der Präsenzunterricht gereicht. Geplant hätten die Eltern damit eh bereits.

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