Personalnot zwingt zu „Heimarbeit“

Realschulleiter Friedhelm Schröder Sieht sich derzeit mit gleich sieben kranken Kolleginnen und Kollegen konfrontiert.

HALVER ▪ Ungewöhnlich hoch ist derzeit der Krankenstand an der Realschule – und außergewöhnlich ist auch die Reaktion der Schule auf diese Extremsituation.

Gleich zwei siebte Klassen durften jeweils einen Tag lang zuhause bleiben, um im Rahmen eines „Studientags“ den Unterrichtsstoff durchzunehmen. „Eine Ausnahmesituation“, wie Schulleiter Friedhelm Schröder am Freitag erklärte. Für Stefan Heinrich, Vater eines betroffenen Schülers, eine nachvollziehbare Reaktion – und dennoch ein nicht haltbarer Zustand.

„Ich bin sicher: Die jeweiligen Schulleitungen können sich auch keine Lehrer backen und versuchen nach besten Kräften, den Mangel zu verwalten“, sagt Heinrich, der dennoch den Weg an die Öffentlichkeit gesucht hat, „um Druck auf Politik und Verwaltung auszuüben“, wie er sagt. Ihm gehe es nicht darum, die Halveraner Realschule „anzuschwärzen“. Viel mehr sieht er das Land Nordrhein-Westfalen in der Pflicht, für die Bereitstellung von ausreichend Lehrkräften zu sorgen, um Krankheitsfälle ausgleichen zu können. „Abgesehen von dem tatsächlichen Nichtvermitteln von Lehrstoff ist der ideelle Schaden eine absolute Katastrophe: Wie sollen Kinder den Wert und die Bedeutung von Bildung erfassen, wenn Politik und Verwaltung nicht Willens sind, ausreichend Mittel für die Schulen zur Verfügung zu stellen?“, fragt Stefan Heinrich.

Im Gespräch mit dem AA betonte Realschulleiter Friedhelm Schröder jedoch, dass die Zahl der erkrankten Lehrer derzeit ungewöhnlich hoch sei: Sieben der 24 Pädagogen fehlen aktuell – damit muss Schröder auf immerhin rund 29 Prozent seiner Belegschaft verzichten. „Natürlich versuchen wir, das durch Mehrarbeit und durch die Betreuung von Klassen aufzufangen. Das ist aber nur bedingt möglich“, erklärte der Schulleiter. Die beiden vom kompletten Unterrichtsausfall betroffenen Klassen wären aufgrund der Lehrerkonstellation bis zur sechsten Stunde lediglich betreut und nicht unterrichtet worden. Ein Lehrer hätte sich „aufteilen“ müssen – „und somit hätten gleich zwei Klassen keinen ordentlichen Unterricht erhalten“, so Schröder, der sich infolgedessen zum „Studientag“ entschied: Die Schüler erhielten Aufgaben, die sie daheim zu erledigen haben und die im Anschluss kontrolliert werden. „Das sind Dinge, die sie für die Unterrichtsfortführung benötigen.“

Generell hofft Schröder auf Verständnis für die Maßnahme, die bei solchen Extremsituationen nicht zu verhindern sei. „Dass es im Land ,Springer‘ gibt, die bei kurzfristigen Lehrer-Ausfällen einspringen, ist eine Mär“, so der Schulleiter. Lediglich für längerfristige Erkrankungen gebe es einen öffentlichen Topf, aus dem Ersatzkräfte finanziert werden. Bei einem Großteil der aktuellen Fälle an der Humboldtstraße handele es sich jedoch um kurzfristige Erkrankungen wie grippale Infekte. Dann zu reagieren, sei eine besondere Herausforderung. „Schließlich sind wir keine Firma, wo dann einfach irgendwelche Maschinen nicht mehr bedient werden, sondern wir haben es hier mit Kindern zu tun.“ Man wolle gewährleisten, dass die Schüler allen Umständen zum Trotz bestmöglich betreut werden – und wenn es mitunter doch Kritik von Eltern gibt, stehe er jederzeit für Gespräche zu Verfügung, betont Friedhelm Schröder. ▪ Frank Zacharias

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